Feuerwehr Simulator 2010 (PC)
Artikel veröffentlicht am 22.02.2010
Mit Berufsgruppen-Simulationen am PC ist es ja ungefähr so wie mit bestimmten grobuchstabigen Tageszeitungen: Alle finden sie blöd und total unter ihrem Niveau, aber dennoch werden sie verkauft wie warme Brötchen. Das führt in der Regel zu einer Schwemme hastig produzierter, völlig überflüssigen Titeln, die dann tatsächlich keiner mehr kauft. Wir sind gespannt, zu welcher Gruppe das neueste Produkt aus dieser Gattung gehört. Von Andreas Hecken
Die Aufmachung des Spiels bleibt der bisherigen Linie treu. Das Handbuch, in gedruckter Form und auf CD identisch, beschreibt das Nötigste, um schnell mit dem Tutorial beginnen zu können. Auffällig ist die Wortwahl bei den Erklärungen. Die dafür verantwortliche Firma VSTEP hat bisher Schulungssoftware für Feuerwehren entwickelt. Daher sind die Texte ein wenig bürokratisch bieder, aber aufschlussreich und informativ. Manchmal muss man sie halt zweimal lesen, wie beim Lohnsteuerjahresausgleich. Beispiel gefällig? "Die Polizei ist eine vom Staat eingesetzte Institution zur Durchsetzung der Gesetze und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung." Damit mir keiner auf dumme Gedanken kommt, wir proben schließlich den Ernstfall. Dennoch oder gerade deswegen sind schnell die ersten Handgriffe gelernt, das große rote Auto mit TatüTata zum Einsatzort gebracht und die Spanner mit Absperrband ausgesperrt.
Wir bitten die Explosion noch um etwas Geduld
Deutlich mehr Übung bedarf die eigentliche Brandbekämpfung. Ein Laie, der Probleme hat, einen Gartenschlauch korrekt zu bedienen, ist bereits in der Einführung mächtig gefordert. Jeder Schlauch und jede Düse will ordnungsgemäß aus dem Fahrzeug genommen, zu seinem Platz gebracht und in der richtigen Reihenfolge angeschlossen werden. Wer meint, er könnte auf eine hohe Drehleiter klettern und den dicken Strahl in die lodernden Flammen halten, der hat den Begriff Simulation falsch verstanden. Obwohl zum Ende hin auch dieser Auftrag erfüllt werden muss und das eigentliche Highlight darstellt.
Trotzdem ist für Spannung gesorgt, denn logischerweise muss vom ersten echten Einsatz an permanent unter Zeitdruck gearbeitet werden. Der Countdown wechselt relativ zügig von grün über gelb zu rot und wer bei orange noch immer keinen Hydranten gefunden hat, der kann direkt von vorne anfangen. Eine Speicherfunktion fehlt - entweder die Mission ist erfolgreich oder gescheitert. Es ist deutlich zu spüren, dass der Hauptgedanke darin liegt, wichtige Handgriffe im Schlaf zu beherrschen und blind zusammenzuarbeiten, denn es geht schließlich um Leben und Tod.
Hurrahurra, die Schule brennt
Leider macht die Grafik einiges der dramatischen Atmosphäre wieder zunichte. Sie erinnert mehr an eine virtuelle Modelleisenbahn als an spektakuläre Unfälle. Die rechtwinkligen Wege, Einheitshäuser und sterilen Oberflächen wirken ebenso lebendig wie die Brandopfer, die vollkommen regungslos zwischen den Flammen stehen und auf ihre Rettung warten. So akribisch die entscheidenden Arbeitsabläufe nachgestellt werden, so unrealistisch zeigt sich das ganze Drumherum. Mitten in einem Wohngebiet muss jemand aus einem brennenden Haus gerettet werden - anwesende Schaulustige: zwei. Für diese beiden Gaffer wird dann aber erst die Straße abgeriegelt, bevor das Wasser marschieren kann.
Wir halten den Entwicklern einfach zugute, dass kein überflüssiger Schnickschnack von unserer Mission ablenken kann. Ärgerlich: Das im Handbuch beschriebene Löschboot kommt im eigentlichem Spiel gar nicht vor. Insgesamt ist der Spielumfang mit acht Missionen einschließlich des Tutorials sowieso sehr übersichtlich ausgefallen.
Besser als jede Berufsberatung
Wie so oft, ist auch in diesem Fall ganz entscheidend, mit welcher Erwartung an das Spiel herangegangen wird. Fans von Alarm für Cobra 11 oder Fire Department 3 wollen die großen Knalleffekte und pfeifen wahrscheinlich auf Realität. Für diese Klientel ist der Feuerwehr Simulator 2010 definitiv nicht actionlastig genug. Aber diejenigen, die eigentlich schon immer mal wissen wollten, wie es ist, in einem eingespielten Team Menschen zu retten, aber denen die heimische Freiwillige Feuerwehr doch zuviel Arbeit bedeutet, denen sei das Spiel wärmstens empfohlen. Um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wie der Alltag eines Oberbrandmeisters tatsächlich aussieht, ist es ideal. Wer weiß, vielleicht bringt es ja sogar ein paar Computerfreaks auf den Geschmack, sich im echten Leben auch für diesen Beruf zu interessieren.
Fazit
von Andreas Hecken
Nun ja, diese Simulationen sind eindeutig eine Spielewelt für sich. Es ist immer irgendwie ein bisschen mehr Arbeit oder Berufsschule, weniger Spiel oder Unterhaltung. Völlig schnörkellos werden die gestellten Aufgaben erledigt und total auf das Wesentliche reduziert. Ein Feuerwehrmann hat nun mal nicht in der Gegend rumzugucken, wie schön sich das Gras im Wind wiegt, sondern seinen unverzichtbaren Job mit höchster Konzentration zu erledigen. Wer sich darüber im Klaren ist, dass er sich eher in einer Fortbildungsmaßnahme und nicht in einem Computerspiel befindet, der wird sicherlich seinen Spaß am Feuerwehr-Simulator 2010 haben.
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