Battlefield: Bad Company 2 (PC)
Artikel veröffentlicht am 04.03.2010
Fortsetzungen haben es nicht leicht: Die Messlatte ist hoch, der Druck für den Entwickler noch höher. Nicht immer erreicht ein Sequel das Niveau des Vorgängers und schnell gerät eine Spieleserie in Vergessenheit. Bad Company 2 lässt sich diese Aussage nicht gefallen und übertrumpft den Vorgänger um Längen! Von Kevin Lunn
Der Helikopter setzt euch ab. Mitten im Herzen von Bolivien, etwas abseits des Rio Beni sollt ihr einen NSA-Agenten namens Aguire finden - lebendig. Aufmerksam und mit XM8-Gewehr im Anschlag geht ihr langsam das Flussbett hinauf. Die Blätter lassen nur spärlich das Licht durch die Baumkronen, und ihr hört allerlei Dschungelgetier. Ihr geht weiter und stoßt auf ein paar Hütten am Fluss. Sofort wird klar: Ihr wart nicht die ersten hier. Ein Feuer lodert, Teile der Holzhütten sind zerstört und Vögel nagen an den Leichen, die überall verstreut sind.
Ein Soldat kriecht aus der Entfernung auf euch zu, doch bevor ihr ihn erreichen könnt, erliegt er seinen Wunden. Trägt Aguire die Schuld an diesem Gemetzel? Ihr betretet eine Hütte, in der ihr neben weiteren toten Soldaten einen Hinweis auf den momentanen Aufenthaltsort des NSA-Agenten findet. Flussaufwärts!
Dschungelfahrt
Bevor ihr die kleine Ansiedlung verlassen könnt, hört ihr Schritte. Eine kleine Gruppe von Fußsoldaten kommt auf euch zu. Milizen. Es führt kein Weg drum rum und schon seht ihr euch inmitten eines Feuergefechtes. Wie Kakerlaken tauchen immer mehr Infanteristen aus allen Ecken auf. Einer nach dem anderen wird von euch ausgeschaltet.
Ihr schnappt euch ein kleines Boot und fahrt den Fluss weiter hinauf. Ihr werdet beobachtet, jedoch nicht angegriffen. Ihr seid auf der Hut. Ein Hinterhalt! Kaum habt ihr das kleine Holzboot verlassen, tauchen erneut Milizen auf. Alles nur um zu verhindern, dass Aguire gefunden wird? Oder steckt vielleicht doch mehr dahinter? Und wieso treffet ihr mitten in Bolivien auf vereinzelte russische Soldaten? Ein Fall für das Galileo Mystery-Team - und natürlich die B-Company!
Codename: Snowblind
Damit ist die beschriebene Mission "Heart of Darkness" natürlich noch lange nicht vorbei, denn es folgen noch einige hitzige Gefechte im ebenso hitzigen Singleplayermodus von Battlefield Bad Company 2. Ihr übernehmt wie im Vorgänger die Rolle von Preston Marlow aus der B-Company. Zusammen mit Sweetwater, Haggard und Redford macht ihr euch auf die Suche nach der Geheimwaffe "Snowblind".
Direkt von Anfang an wird klar, dass Bad Company 2 ernster geworden ist. Das Szenario ist tiefer und auch die Dialoge haben teilweise an Ernsthaftigkeit zugenommen. Aber keine Angst: Die wirren Charaktere haben ihre sarkastische Ader nicht verloren, Sweetwater und Haggard drücken sich immer noch fiese Sprüche rein und auch ansonsten ist Schmunzeln in diesem Spiel nicht verboten.
Operation Aurora
Eure Suche führt euch nicht nur durch Bolivien. Die erste Mission startet an der japanischen Küste und stellt eine Art Prolog zur restlichen Story dar. Es ist Herbst 1944, ihr befindet euch irgendwo auf einer unbekannten Insel, es ist 6 Uhr am Morgen. Als Mitglied eines US-Kommandos sollt ihr einige Wissenschaftler retten. Logischerweise kein leichtes Unterfangen, denn die Japaner sind natürlich nicht gerade einverstanden mit eurem Plan.
Nach dieser Mission kommt ein Schnitt und ihr befindet euch in der heutigen Zeit. Im Laufe des Spiel reist ihr nach Alaska, in die Anden und durch südamerikanische Wüsten. Ihr müsst einen Agenten retten, ein Satellitenwrack schützen, um die Blackbox zu sichern, komplette Kleinstädte auseinandernehmen und werdet von der paramilitärischen Special Activities Devision rekrutiert. Bad Company 2 bietet also einiges an Abwechslung - zumindest theoretisch.
Panzer - ich begrüße Sie!
Obwohl Bad Company 2 euch vor viele unterschiedliche Aufgaben stellt, spielen sich diese auf Dauer doch ähnlicher, als uns lieb ist: Ihr werdet mit dem Heli abgesetzt, geht ein Stück, trefft auf Gegner, geht ein Stück, trefft auf mehr Gegner, fahrt mit einem Boot, trefft auf Gegner, geht ein Stück, trefft auf Gegner, fahrt mit einem Panzer, geht ein Stück, zerstört einen Panzer...
Für etwas mehr Abwechslung sorgt der Wechsel zwischen linearen und freien Abschnitten. So kämpft ihr euch beispielsweise in einer Mission erst frei Schnauze durch ein Dorf in Alaska, steigt am anderen Ende auf einen Truck und haltet euch herannahende Fahrzeuge vom Hals, ohne Einfluss auf die Fahrstrecke zu nehmen. Die freien Abschnitte sind nicht riesig, geben euch jedoch fast immer die Möglichkeit, euren Weg selbst zu bestimmen.
Echo!
Schritte Hören, realistischer Waffensound und Wasserplätschern ist die eine Sache. Aber das Ganze wiederum so rüber zu bringen, dass ihr euch mittendrin fühlt, das ist eine andere. Selten haben wir so eine wahnsinnig überzeugende Geräuschkulisse gehört wie in Bad Company 2. Ungelogen. Echt jetzt!
Besonders beeindruckend ist die Soundeinstellung "Kriegsband", die manuell in den Optionen ausgewählt werden kann. Dann noch die Boxen plus Subwoofer voll aufdrehen und der neunzigjährige Kriegsveteran aus dem Nachbarhaus springt unter den Tisch, weil er die Russen kommen hört.
Das Auge spielt mit
Wie wir bereits in unserer Preview berichtet haben, stehen DICE und Electronic Arts mit Bad Company 2 im ständigen Vergleich zu Call of Duty - Modern Warfare 2. Das liegt sowohl an den Ähnlichkeiten im Aussehen, als auch am Setting. "Im März werden wir Battlefield - Bad Company 2 veröffentlichen und Call of Duty vom Thron stoßen", sagte Dr. Jens Uwe Intat, europäischer Senior Vice President von EA, vor einigen Wochen zu diesem Thema.
Grafisch gesehen sind sich die Konkurrenten sehr ähnlich: Beide Spiele machen einen super Eindruck und der Unterschied ist eher unwesentlich. Bad Company 2 sieht etwas schicker aus, setzt jedoch relativ hohe Grafikeinstellungen vorraus, die sich nicht herunterschrauben lassen. Im Gegensatz zu Modern Warfare braucht ihr den doppelten Arbeitsspeicher (2 GB), einen DuoCore-Prozessor mit mindestens 2,0 GHz und eine Grafikkarte mit 256 MB Speicher (ab GeForce 7800 GT bezeihungsweise ATI X1900).
Gute Inszenierung
Das Spiel-Erlebnis in Bad Company 2 ist einzigartig. Vor allem die Destruction-Engine 2.0 und die daraus folgende zerstörbare Umgebung macht das Spiel jedes Mal wieder spannend. Die Häuser lassen sich zwar nicht Stein für Stein auseinandernehmen, die vorgegebenen Sollbruchstellen sind jedoch so angeordnet, dass eine realistisch wirkende Zerstörung simuliert wird.
Der Singleplayer hat im Vergleich zum Vorgänger an Gewicht zugelegt, macht jedoch immer noch nicht alles perfekt. Es fehlt an Dramaturgie und den großen "WOW"-Effekten, die wir aus Modern Warfare kennen. Die Geschichte ist anfangs etwas matt, gewinnt jedoch später an Tiefe und wird euch einige Stunden vor den Rechner fesseln.
Sag mal, wo kommst du denn her?
Gar nicht gefallen hat uns das Auftauchverhalten der gegnerischen Soldaten. So passiert es nicht selten, dass Gegner aus dem Nichts direkt vor einem spawnen. Ein Beispiel: Ihr steht auf einem Hügel und guckt auf ein Dorf hinunter. Dort lauern Gegner, doch es sind keine zu sehen, was nicht an der zu großen Entfernung liegt. Dann bewegt ihr aufs Dorf zu - das urplötzlich dicht bevölkert ist.
Lustig anzuschauen, wie die Soldaten von einem Augenblick zum anderen auftauchen - dem Realismus schadet es jedoch gewaltig und auch der Spielspaß vermindert sich an einigen Stellen, wenn jedes Mal wieder das gleiche Dach von Feinden gesäubert werden muss.
Aufs Schlachtfeld bitte!
Einen guten Mehrspielermodus in Battlefield-Manier haben wir erwartet und sind sehr enttäuscht - enttäuscht darüber, dass es so grandiose Multiplayerschlachten nicht schon vorher gab: Die Spielkarten sind schön gestaltet und (größtenteils) perfekt ausbalanciert, die Gefechte sind hitzig und lassen euren Adrenalinpegel in die Höhe schießen, und neben all der Action kommt das Taktieren trotzdem nicht zu kurz.
Leider gibt es mit zehn Karten nur eine ziemlich begrenzte Auswahl, die dank großem Abwechslungsreichtum anfangs ausreicht. Später sollen zum Glück noch weitere Mappacks zum Herunterladen hinzukommen, die jedoch nicht zu lange auf sich warten lassen sollten.
Typisch Battlefield
Zu Beginn jeder Schlacht werdet ihr automatisch einem Team zugeteilt, könnt später jedoch eigenständig die Seite wechseln. Nachdem ihr eure Konfession (Assault, Engineer, Medic und Sniper) gewählt habt, geht es los. Zudem habt ihr die Möglichkeit, falls ihr bereits neue Waffen besitzt, eure aktuelle Waffenwahl anzupassen, ohne dafür extra einen Klasseneditor zu benötigen.
In typischer Battlefield-Manier steigt der Spaß am Onlinespielen proportional mit der Menge der Spieler. Je mehr Leute auf dem Server sind, desto heftiger die Gefechte und desto mehr Punkte gibt es am Ende der Partie, wodurch ihr zusätzlich Waffen, Gadgets und Spezialausrüstungen ergattert.
Immer noch Online-Probleme
Bereits während der Beta-Phase gab es einige Verbindungsprobleme für den Mehrspielermodus. Diese wurden, genau wie Electronic Arts es bereits über den Live-Ticker im Spiel angekündigt hat, größtenteils behoben. Dazu gehörte zum Beispiel der Browser-Bug, der das Spiel in vielen Fällen zum Absturz brachte.
Passend zum Release von Bad Company 2 taten sich jedoch neue Probleme auf: Das Spiel verbindet teilweise gar nicht zu den Servern, reagiert nicht auf den Server-Filter oder stürzt während der Ladephase ab. Vor allem auf vollen Servern passiert dies häufig. Laut EA ist die Lösung zwar schon in Arbeit; wie lange sie noch auf sich warten lässt, ist offen. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass DICE seit Start der Multiplayer-Beta über einen Monat Zeit hatte, solche Probleme auszumerzen.
Pro
- grandiose Onlineschlachten
- großes Waffenarsenal
- einzigartiges Spiel-Erlebnis
- lustige Sprüche
- ultrarealistischer Sound
Contra
- Gegner spawnen aus dem Nichts
- hohe Mindestanforderungen
- Story immer noch zu schwach
Fazit
von Kevin Lunn
Battlefield - Bad Company 2 kann sich sehen lassen. Vor allem der Multiplayer ist jeder Konkurrenz um mindestens zwei G36-Längen vorraus. Dennoch: EA hätte sich mit der aktuellen Technik und Online-Inszenierung auf ein Battlefield 3 konzentrieren sollen, denn der Singleplayer ist leider im Schützengraben untergegangen und bietet nur durchschnittliche Feuerkraft.
Das Zielfernrohr solltet ihr also weiterhin auf den Mehrspielermodus richten. Zum Glück ist dieser dermaßen gelungen, dass ich von den besten Onlineschlachten sprechen kann, die ihr zur Zeit genießen könnt. Kilo-Lima out.

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