Rainbow Six Vegas (PC)
Artikel veröffentlicht am 23.12.2006
Mister Tom Clancy hat es geschafft, sich nicht nur bei der Verfilmung seiner Werke wie "Jagd auf Roter Oktober" oder "Das Kartell" äußerst erfolgreich zu etablieren, sondern auch bei der Umsetzung seiner Romane in Spiele-Szenarien. So stammt neben "Splinter Cell" und "Ghost Recon" auch die bekannte "Rainbow Six Reihe" aus seiner Feder. Mit "Rainbow Six Vegas" erschien vor einigen Tagen der fünfte Teil der Reihe um eine Anti-Terror-Einheit. Von Daniel Frick
Terroristen können auch weiblich sein
Rainbow Six ist eine fiktive Anti-Terror-Spezialeinheit aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers Tom Clancy. Nachdem im vielfach enttäuschenden Vorgänger "Lockdown" Terroristen rund um den Globus gejagt worden waren, die ein tödliches Virus freisetzen wollten, handelt der inzwischen fünfte Teil des Taktik-Shooters überwiegend in der namens gebenden Glücksspielmetropole Las Vegas. Allerdings beginnt die Storyline in Mexiko, wo sich die gesuchte Terroristin Irena Morales auf einen großen Schlag vorbereitet. Also kämpfen wir uns erst mal durch eine verschlafene mexikanische Stadt. Gleichzeitig fungiert das erste große Level als eine Art Tutorial, in dem die wichtigsten Grundlagen der Steuerung erklärt werden. So kann man sich an die Wand drücken, um dann aus der Deckung um die Ecke zu schießen oder sogar blindes Sperrfeuer aus der Deckung abgeben und vieles mehr. Am Ende des Levels in einer atmosphärisch toll designten Mine hat man die Anführerin dann schon vor sich auf den Knien und man wundert sich, dass das Spiel jetzt doch noch nicht zu Ende sein kann. Doch natürlich werden wir überrumpelt, Irena flieht und nimmt gleich noch unsere beiden Kollegen als Geisel. Als wir aufwachen, bleibt uns keine Zeit uns Sorgen zu machen: Las Vegas ist von Terroristen angegriffen worden und so macht man sich mit einem neuen Team an die Arbeit...
Fünf Freunde gegen den Terror
Als Teamleiter Logan Keller eines fünfköpfigen Spezialteams setzt man die Befehle der Kommandozentrale in die Tat um. Neben der Kommunikationsoffizierin Joanna Torres und dem Helikopterpilot Brody Lukin hat man zwei weitere Spezialisten an seiner Seite, die man direkt steuern kann. Leider kann man diese beiden nur zusammen kommandieren und so mit einem selbst nur 2 taktische Einheiten befehligen. Das hat durchaus an manchen Stellen taktische Auswirkungen, so wenn man beispielsweise mit insgesamt 3 Einheiten Gegner eher "in die Zange nehmen" könnte. Auch bei der Bewaffnung unterscheidet sich der Titel vom Konkurrenten "SWAT 4". Zwar ist die Auswahl der Waffen bei "Vegas" deutlich größer und lässt fast keine Wünsche offen, jedoch gibt es keine nicht-tödlichen Waffen wie Gummigeschosse oder Pfeffergewehr. Immerhin gibt es Rauch-, Blend- und Splittergranaten, mit denen man vor allem beim Eindringen in große unübersichtliche Räume die Gegner überwältigen kann. Die reine Auswahl der Waffen ist sehr groß, man kann jeweils 2 Gewehre sowie eine Pistole gleichzeitig tragen. Ist einem die Waffe eines überwältigten Gegners lieber, kann man diese auch aufnehmen. Alle Waffen lassen sich mit diversen Zielfernrohren oder andern Spielereien aufrüsten. Hinzu kommen Nachtsichtgerät, Wärmebildkamera und die "Snake Cam", um unter Türen hindurch zu sehen.
Intuitives Schadensmodell
Die Steuerung des Spiels geschieht mit der bewährten Maus-Tastatur-Steuerung. Die wichtigsten Befehle hat man nach einer Weile verinnerlicht und dann geht alles einfach und problemlos von der Hand. Auch die Befehle an die beiden anderen Mitglieder seiner Einheit beschränken sich auf wenige Tastaturkürzel, die sich noch einmal in ein offensives und einen defensives Vorgehen aufteilen lassen. Allerdings beschränkt sich die Steuerung darauf, Befehle zum Stürmen eines Raumes zu geben oder aber die Kollegen zu einem bestimmten Punkt vorstürmen zu lassen. Eine klassische Schadensanzeige ist nicht vorhanden. Stattdessen ist es so gelöst wie ich es zuletzt bei "Call of Duty 2" gesehen habe: Man kann eine bestimmte Menge von Treffern einstecken. Mit zunehmendem Schaden wird die Sicht gestört, das Bild verschwimmt immer mehr. Sollte man nicht spätestens dann in Deckung gehen, wird man tödlich verwundet. Schneller geht es natürlich nach einem Volltreffer oder aber aus naher Distanz. Sind die Kollegen getroffen, hat man die Möglichkeit, sie mit einer Spritze wieder auf die Beine zu stellen. Vergeht dabei zuviel Zeit, wird der Zustand des Kameraden zunächst kritisch, dann verstirbt er, was gleichbedeutend mit dem Scheitern und einem Neustart des Abschnitt ist.
Taktik ist auf jeden Fall nötig
Jeder der sehr großen Levels ist in mehrere Teilabschnitte aufgeteilt, an denen der Fortschritt automatisch gespeichert wird. Ein freies Speichern ist nicht möglich, was durchaus an manchen Stellen herausfordernd ist. Vor allem an taktisch unübersichtlichen Stellen wie in den Casinos mit zahlreichen Automaten und vielen Ecken und Winkeln ist Taktik gefragt. Blosses Stürmen und Ballern führt nicht zum Erfolg, zumal schon der einfachere der beiden Schwierigkeitsgrade nicht wirklich einfach ist. Am erfolgreichsten ist man, wenn man konsequent taktisch vorgeht: Einen Bereich nach dem anderen sichern und so dem Gegner keine Möglichkeit geben, einem in den Rücken zu fallen. Zudem ist es unerlässlich, jederzeit Deckung zu suchen. Die KI ist recht gut umgesetzt, denn sowohl die Gegner als auch die eigenen Kollegen suchen unter Beschuss sofort automatisch Deckung. Hier kommen dann auch die diversen Spielereien zum Zug. Beispielsweise lässt sich ein Raum mit vielen Gegner sehr gut klären, in dem man ihn zuerst mit einer Rauchbombe versieht und die Gegner dann mit der Wärmebildkamera aufspürt. Ein Highlight, das klasse Aussieht und zudem auch sehr nützlich ist: Seilt man sich von großer Höhe ab, kann man kopfüber die Gegner beispielsweise aus einem Fahrstuhlschacht ausschalten!
Kein reiner Taktik-Shooter, dennoch herausfordernd
Alles in allem kann man sagen, dass die taktische Komponente durchaus herausfordernd ist. Durch das Fehlen einer Möglichkeit des Freien Speicherns und die gute KI der Gegner kommt dadurch aber auch jede Menge Stimmung auf. Es ist wirklich sehr spannend, eine Situation zu observieren, sich dann die richtige Taktik zu überlegen und anschliessend in die Tat umzusetzen. Meist gibt es mindestens 2 Wege, die man gehen kann und oft empfiehlt es sich, beide Wege abzusichern, was bei den zum Teil sehr großen Innen- und Außenlevels oft eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Dennoch ist auch für Action gesorgt und dies nicht zu knapp. Von einem reinen Taktik-Shooter, wie es sie durchaus auch gibt, unterscheidet sich dann der fünfte Teil von Tom Clancy's Anti-Terror-Serie doch noch einmal erheblich. Etwas schade finde ich, dass die Entwickler der Möglichkeit, Gegner auch ohne zu töten unschädlich zu machen, keinen Raum zugestanden haben. Hier fühlte man sich bei "SWAT4" noch mehr als Polizist und das gab der ganzen Sache dann auch noch einmal eine gehörige Portion mehr Glaubwürdigkeit. Nichts desto trotz macht "Rainbow Six Vegas" großen Spaß und bietet eine gute Mischung aus Taktik und Action. Die Glaubwürdigkeit entsteht im Gegensatz zu "SWAT4" aus der zusammenhängenden Story, die auch unerwartete Wendungen bietet und natürlich einer bestechenden Optik.
Optisch und akkustisch ein Meisterwerk
Die große Stärke von "Rainbow Six Vegas" liegt in der optischen und akustischen Umsetzung. Die Grafik beruht auf der "Unreal 3 Engine" mit Shader 3 Technologie, was bedeutet, dass man eine Grafikkarte der oberen Mittelklasse sein Eigen nennen muss. Besonders gut gelungen ist die Darstellung von Las Vegas. Egal, ob man von oben aus dem Hubschrauber den Vegas Strip sieht oder man sich in einem der zahlreichen Casinos oder Hotels befindet, immer leuchtet oder blinkt irgendwo etwas und man fühlt sich wirklich, als wäre man in der Welthauptstadt des Glückspiels. Die Animationen der Gegner und der eigenen Teamkollegen sehen ebenfalls sehr appetitlich und geschmeidig aus. Die Texturen bestimmter Gegenstände wirken aus nächster Nähe betrachtet dann zwar nicht mehr ganz so wunderschön, aber alles in allem ist die Grafik und das Leveldesign eines der großen Pluspunkte bei "Vegas". Das gleiche gilt für die Soundkulisse. Pfeifende Ohren und dumpfes, leiseres Gehör nach eine Granate, dudelnde und klimpernde Spielautomaten, berstende Fensterscheiben und vieles mehr ziehen einen ins Geschehen. Besonders stimmungsvoll sind die Zwischensequenzen im Hubschrauber inklusive der markigen Sprüche des Piloten und die aggressionsgeladenen Unterhaltungen der Terroristen untereinander, die sich nicht wie bei anderen Spielen an jeder dritten Stelle wiederholen.
Fazit
von Daniel Frick
"Rainbow Six Vegas" hat mich überrascht. Für mich persönlich ist das der erste Teil der Serie und ich hatte wirklich kein so dichtes Spielerlebnis erwartet. Das Spiel bietet vielleicht nicht so viele taktische Möglichkeiten wie Konkurrent "SWAT4", dafür hat "Vegas" eine zusammenhängende, spannende Story (Mr. Clancy sei dank!) und bietet eine grandiose Optik und Geräuschkulisse. Einzig der Umfang könnte noch etwas größer sein. An 3 Nachmittagen hat man das Spiel durch. Trotzdem eine anstandslose Kaufempfehlung!

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