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Sonic & Sega All-Star Racing (Nintendo Wii)

Artikel veröffentlicht am 17.03.2010

Sega statt Nintendo, Igel Sonic statt Klempner Mario: Auf den ersten Blick ist das der größte Unterschied zwischen Mario Kart, dem King of Wii im Rennspielbereich, und dem neuen Fun-Racer Sonic & Sega All-Star Racing. Aber der erste Blick kann täuschen... Von Gerd Schüle

Sonic in seinem blauen Flitzer.

Wegen der großen Ähnlichkeit der beiden Spiele ist ein Vergleich zwischen Mario Kart und dem neuen Sonic & Sega All-Star Racing unvermeidlich. Bisher hat es noch niemand geschafft, die beliebte Genre-Refernez vom Treppchen zu stoßen. Der ehemalige Erzrivale von Nintendo versucht es nun mit einem Spiel, das im Grunde fast genauso aufgebaut ist wie der erfolgreiche Gegner.

Ältere Semester werden schnell merken, dass sie bei diesem Spiel eine Fahrt durch Segas umfangreiche Videospiel-Geschichte machen. Das fängt natürlich mit den Figuren an: 19 Sega-Charaktere aus den verschiedensten Spielen sind am Start. Neben dem blauen Igel könnt ihr zum Beispiel AiAi lenken, Samba De Amigo, Shadow und natürlich auch Sonics Erzrivalen Dr. Eggman.

Videospielgeschichte

Die Curien Mansion Strecke ist richtig düster.

Mit diesen Kultfiguren rast ihr durch Segas Videospielgeschichte. Das gesamte Spiel enthält jede Menge Insider-Witze, bis hin zu teilweise spaßigen Kommentaren wie: "Amigo tanzt sich nach vorne." Aber auch die 24 Rennkurse sind sehr abwechslungsreich und erinnern zudem an viele Spielperlen aus dem Hause der Entwickler. Auf der Karnevalstrecke, die sich wie Samba De Amigo spielt, entdeckt ihr tanzende Häuser. Oder ihr fahrt durch Sonic-typische Landschaften, kämpft auf Regenbogenpisten um den ersten Platz. Oder euch es läuft innerhalb der Curien-Mansion-Strecke eiskalt über den Rücken, wenn Zombies über den spärlich erleuchteten Kurs schleichen und ihr mit Vollgas auf das House of the Dead zurast.

Außerdem kann sich die Gestaltung sämtlicher Strecken sehen lassen, die liebevoll modelliert wurden und deutlich besser aussehen als beim großen Konkurrenten aus dem Hause Nintendo - inklusive versteckter Abkürzungen und anderer Geheimnisse. Die gesamte grafische Gestaltung und der Detailgrad ist wesentlich sehenswerter und höher als bei Mario Kart , egal ob es sich um die Fahrzeuge, die Figuren oder den Rest des Spiels handelt. Allerdings hat das auch einen entscheidenden Nachteil, es läuft bei weitem nicht so flüssig wie Mario Kart und deshalb gibt es immer wieder unschöne Ruckler.

Zwei gleichstarke Rivalen?

Erfolgreiches Driften bringt einen Geschwindigkeitsschub.

Auch wenn die Messlatte hoch liegt, bisher konnte Sonic & Sega All-Star Racing dem Nebenbuhler Mario Kart beeindruckend Paroli bieten. Das trifft auch in Bezug auf die Spielmodi zu. Wie beim Klassenprimus gibt es die obligatorischen Zeit- und Einzelrennen. Aber die zwei wichtigsten Spielvarianten sind der Grand Prix und die Missionen. Vier Rennen werden im Grand Prix Modus zusammengefasst, die ihr nacheinander absolvieren müsst. Das Ziel des Missionsmodus ist es dagegen bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Ihr sammelt zum Beispiel Ringe ein oder müsst möglichst viel triften. Der Einfallsreichtum der 64 Aufgaben kann sich sehen lassen.

Auch das Fahrverhalten der unterschiedlichen Fahrzeuge ist wie bei Mario Kart recht simpel und sehr gut beherrschbar. Außerdem liegen auf der Strecke ebenfalls lustige Items, die ihr einsammelt, um euch dadurch Vorteile zu verschaffen. Kann Sonic & Sega All-Star Racing also den alten Erzrivalen aus dem Hause Nintendo überholen und den Genrethron erklimmen? Nein, denn Segas Fun-Racer hat eine entscheidende Schwäche - Balancingprobleme.

Unverständlich

Sonich macht eine Fahrt ins Grüne.

Mario Kart Wii überzeugt vor allem durch ein erstklassiges Balancing bei den Fahrzeugen und der Itemauswahl. Führende bekommen allerhöchstens Bananen oder Schutzschilde. Die Verfolger werden dagegen mit Raketen oder Bomben ausgerüstet, und so kann es sehr schnell passieren, dass ein auseinandergezogenes Fahrerfeld wieder zusammengezogen wird. Bei Mario Kart sind die Items spielerisch fast optimal in das Rennspektakel eingebunden. Hier schwächelt Sonic & Sega All-Star Racing doch sehr stark. Was soll ich als Führender zum Beispiel mit einer Bombe, die ich nur nach vorne werfen kann?

Wir hatten das Gefühl, dass die Vergabe der nützlichen Helfer viel zu sehr dem Zufall überlassen wird und von daher spielerisch immer wieder wenig sinnvoll ist. Das reduziert den Reiz der Item-Jagd doch spürbar. Außerdem nimmt es aus Rennen etwas Spannung heraus. Ein weiteres Ärgernis ist der fehlende Windschatteneffekt. Beim Nintendo-Racer könnt ihr euch durch diese Fähigkeit an den Gegner heransaugen und einen Rückstand leichter aufholen. Beim Sega-Klon habt ihr nur die Möglichkeit durch erfolgreiches Driften einen kurzen Geschwindigkeitsschub zu erhalten. Dazu drückt ihr einfach in der Kurve das Gas und die Bremse gleichzeitig.

Unnötige Einschränkung

Der Gegner ist in Sichtweite.

Genau wie bei Mario Kart hat jede Figur ihr eigenes Fahrzeug. Das Fahrzeugdesign ist Sega eindeutig besser gelungen. Jeder Wagen hat seine Vor- und Nachteile und passt einfach erstklassig zu der jeweiligen Figur. AiAi fährt zum Beispiel im Bananenmobil und sorgt für Dschungelfeeling wie in den entsprechenden Spielen der Figur. Negativ dagegen ist die plumpe Tatsache, dass jede Figur fest an sein Vehikel gebunden ist. Eine freie Fahrzeugwahl fehlt. Das ist eine absolut unnötige Einschränkung, die es beim Konkurrenten aus dem Hause Nintendo nicht gibt.

Die Steuerung des Spiels ist dagegen erstklassig. Wahlweise benutzt ihr die Wii-Fernbedienung, auch in Kombination mit dem Nunchuck, oder ihr lenkt mit dem Classic Controller. Der Game Cube Controller wird hingegen nicht unterstützt.

Pro

  • gutes Figuren- und Strecken-Design
  • Reise durch Videospielgeschichte
  • origineller Missions-Modus
  • Steuerung mit Drift-Möglichkeit
  • gute Streckenführung

Contra

  • Balancing-Probleme
  • Grafikruckler
  • nur ein festes Fahrzeug pro Figur
  • zum Teil kuriose Item-Vergabe

Fazit

von Gerd Schüle

Keine Frage, Sonic & Sega All-Star Racing ist ein gelungener Fun-Racer. Aber Mario Karts Vormachtstellung gefährdet er nicht. Im Punkto Figuren-und Streckendesign wäre das durchaus möglich gewesen. Einfach spitze sind die vielen Insider-Hinweise auf Segas Videospielgeschichte, sodass es sich sogar lohnt, die Strecken im gemächlichen Tempo abzufahren. Die Steuerung des Spiels ist hervorragend, der Missionsmodus imponierend und die Rennen haben mir größtenteils richtig Spaß gemacht.

Aber rein spielerisch verschenkt Sega durch die schlecht verteilten Items und die Balancing-Probleme viel Potenzial. Hätten die Entwickler das ausgenützt, wäre ein Sieg gegen den Erzrivalen möglich gewesen. So bleiben sie im Windschatten von Mario Kart zurück.

spieletipps meint: Ein gelungener Fun Racer mit gutem Figuren- und Strecken-Design. Balancing-Probleme verhindern aber einen Platz auf dem Siegerpodest.
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