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Shoot 1UP (Xbox 360)

Artikel veröffentlicht am 11.03.2010

Die meisten Indie-Spiele bei Xbox Live sind Schrott - Spielereien von Hobby-Programmierern, die wie handgeschriebene Notizen in einem Regal voll gedruckter Bücher wirken. Doch manchmal steht auf so einem Zettel auch die neue Idee eines ungebundenen Geistes, ein ausgefallener Gedanke oder die Quintessenz komplexerer Werke. Das Indie-Spiel Shoot 1UP ist in jedem Fall mehr als bloß eine Schmiererei auf einem Papierschnitzel. Shoot 1UP ist ein 2D-Ballerspiel mit einem frischen Ansatz. Und das für nur 80 Microsoft-Punkte, also nicht mal einen Euro. Von Joachim Hesse

Professionelle Ansichten

Mit diesem Bild bewirbt MBG das Spiel.

"Als unabhängiger Entwickler musst du kreativ und aggressiv sein, um dir Aufmerksamkeit zu sichern", weiß Nathan Fouts, der Shoot 1UP im Alleingang programmiert hat. Das Spiel ist nach Weapon of Choice das zweite Download-Werk aus seinem Studio Mummy's Best Games. "Ich vermarkte das Spiel als eine neue Form des Ballerspiels, um auch die Action-Spieler anzusprechen, die sich normalerweise nicht an dieses Genre wagen." Gegenüber dem durchschnittlichen Xbox-Live-Indie-Programmierer besitzt Fouts einen klaren Vorteil: Er ist Profi. Fouts hat unter anderem bereits die Endbosse von Ratchet & Clank - Tools of Destruction entworfen, die Künstliche Intelligenz eines Postal 2 programmiert oder die Waffen von Resistance - Fall of Man gestaltet. Mit Shoot 1UP wirft er allen in seinen Augen unnötigen Schnickschnack über Bord und reduziert das Spiel auf das Wesentliche: Reaktionen und Unterhaltung.

Bizarr: Endgegnerin Mecha Lilith hat Brüste aus Stahl.

Auf eine schwebende Metallplatte ist der Oberkörper samt Kopf einer Frau geschweißt. Mecha Lilith heißt die brünette Dame, die in Shoot 1UP als einer der Bossgegner fungiert. Aus ihren Stahl-Brüsten donnern dem Spieler ruckelfrei Projektile entgegen und ihr Kopf verschießt gelbe Glubschaugen, die euer Raumschiff langsam verfolgen. Was für ein brillanter Unfug. Obwohl Techno-Musik das Geschehen untermalt, scheint hier das Titelbild einer Heavy-Metal-Scheibe aus den 80er-Jahren lebendig geworden zu sein. Hätte der Heimcomputer Amiga früher ein paar Pferdestärken mehr unter der Haube gehabt, hätten wohl alle Ballerspiele damals so oder ähnlich ausgesehen.

Die neue Staffel

Das Raumschiff-Gemetzel aus der Vogelperspektive glänzt mit einem unverbrauchten Spiel-Element, dem Formations-Fliegen. Sammelt ihr nämlich ein Extraleben auf, steuert ihr plötzlich statt eines Gleiters gleich zwei. Je mehr dieser 1UP-Symbole ihr sammelt, desto mehr Schiffe tummeln sich auf dem Bildschirm. Könner lenken so schnell 20, 30, 40 oder mehr fliegende Kampfstationen gleichzeitig im Kollektiv. Wie ein futuristischer Bienenschwarm auf Kriegsfuß. Wer ein "Ghost"-Extra aufsammelt, verdoppelt die Armada sogar noch für kurze Zeit.

Der sogenannte Plasma Bohrer ist eure stärkste Waffe.

Der Clou an der Geschichte ist, dass ihr eure Formation dehnen und zusammenziehen könnt. Je nachdem wie viel Platz ihr braucht, um den Gegnern und ihren Schüssen auszuweichen. Je weiter voneinander entfernt ihr eure kleinen Schiffe auf dem Bildschirm positioniert, desto stärker wird der Plasma-Bohrer. So nennt Entwickler Fouts den dicken Energiestrahl, der sich im Zentrum eurer Formation bildet. Der sorgt natürlich auch für fettere Punkte-Boni. Als Lohn winken sechs bis siebenstellige Punktzahlen für einen einzelnen Gegner. Für solche richtig saftigen Bonuspunkte, müsst ihr den Plasma-Bohrer allerdings mit dem Schutzschild kombinieren. Dieser Schild lädt sich automatisch auf, sobald ihr euren Bordkanonen für einen kleinen Moment Ruhe gönnt. Ballert ihr danach weiter, zerstört das Schild die Feinde in einem kleinen Radius um das Schiff.

Geschützter Verkehr

Schnappt euch die Punktetafeln für Boni.

Wer professionell auf Punktejagd geht, kommt um Schild-Attacken mit ihrem 10-Fach-Multiplikator nicht herum. Die durch das Schild entstehenden Ballerpausen stören allerdings ein wenig den Spielfluss. Genau wie die Tatsache, dass der Plasma-Bohrer für einen Moment ausfällt, sobald ihr ein Schiff aus der Formation verliert. Sei's drum, der Rest versetzt euch in einen kurzen Rausch der Sinne. 15 Minuten braucht man ungefähr, um die sechs Levels zu beenden und die Erde mehr oder weniger zu retten.

In jedem Level wartet zudem eine Abzweigung auf euch. Wer den rechten Pfad wählt, bekommt nicht nur härtere Gegner vor die Flinte, sondern auch die Chance, Kuchen für massenweise Extrapunkte und 1UPs abzuschießen. Wer sich sicher fühlt, wählt einen höheren Schwierigkeitsgrad oder erhöht die Spielgeschwindigkeit (25 bis 200 Prozent). Für Nostalgiker gibt es sogar einen klassischen Spielmodus ohne Formation. Eine Zwei-Spieler-Option und die Punktetabelle existieren allerdings nur Offline - hier hätte sicher niemand etwas gegen eine moderne Online-Funktion einzuwenden gehabt.

Pro:

  • für Anfänger und Profis
  • Formationen als Spielelement
  • ausgefallene Levelbosse
  • unschlagbar günstiger Preis

Contra:

  • geringer Umfang
  • Zweispielermodus nicht online
  • Schildfunktion zu dominant
  • keine Online-Highscore-Liste

Fazit

von Joachim Hesse

Die geheime Formel, um Spiel-Design im 21. Jahrhundert zu revolutionieren, lüftet Shoot 1UP nicht. Trotz der erfrischenden Idee mit den Formations-Ballereien und dem flüssigem Spielverlauf. Auch von den ausgefeilten Schussmuster eines Mushihimesama Futari ist das Spiel ein gutes Stück entfernt. Doch in Anbetracht des Verkaufspreises von einem knappen Euro verblassen die meisten Kritikpunkte ohnehin. Es ist es wirklich entspannend, auf der Jagd nach wahnwitzigen Punkteboni durch das Gegnergewirr zu wuseln. Im Nachhinein kaufe ich daher lieber noch vier Mal das Indie-Spiel Shoot 1UP als für einen Zehn-Minuten-Bonuslevel zu Dante's Inferno 4,80 Euro zu löhnen.

spieletipps meint: Ein Ballerspiel, das mit einer frischen Idee glänzt, verdient eine Chance. Kurz, schmerzlos und für den Preis ein echtes Schnäppchen!
70

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