Eye of Judgment - Legends (Sony PSP)
Artikel veröffentlicht am 20.03.2010
Ein Erfolg kommt selten allein: Nachdem The Eye of Judgment schon auf der Playstation 3 ein Erfolg war, erscheint das Spiel mit kleinen Abänderungen ebenso auf der PSP. Doch kann es die Klasse vom Playstation 3-Ableger weiterführen? Von Sandra Friedrichs
2007 war das Jahr, in dem Brettspiele digitale Konkurrenz bekamen - zumindest, wenn es nach Sony ginge. The Eye of Judgment erschien damals exklusiv für die PS3 und zeigte eine bis zu diesem Zeitpunkt noch nie dagewesene Spielweise: Vor uns war ein Kartenfeld ausgebreitet, und wir legten Spielkarten auf die entsprechenden Felder. Dank der Playstation Eye konnte das Spiel die jeweilige Karte erkennen und eine Spielfigur im virtuellen Kartenfeld in unserem Fernseher projizieren. Diesem neuen Spielgefühl gewannen viele Zocker etwas Gutes ab, schließlich funktionierte es einwandfrei.
Doch wer hatte immer die Zeit und den Platz, ein großes Kartenfeld auf einem Tisch auszubreiten? Außerdem fiel etwas sehr wichtiges dieser "Revolution" zum Opfer: ein Story-Modus. Diese Kritik wurde nach etlichen Spielstunden immer lauter und Sony stand einem Konflikt gegenüber: Soll das einzigartige Spielgefühl geschwächt werden oder ein gänzlich neuer Titel erscheinen, der nur das Spielprinzip übernimmt? Sony entschied sich für letzteres und so entstand The Eye of Judgment - Legends für die PSP.
Geboren, um ein Held zu sein
Kein Mensch wird als Held geboren, so heißt es in einem alten Sprichwort. Deshalb gehen die meisten Videospielprotagonisten eine enorme Wandlung durch, bevor sie für ihre Taten berühmt werden. So muss euer Charakter in Dragon Age beispielsweise erst ein Grauer Wächter werden und etliche Truppen zusammenraufen, bevor er dem finalen Heldenkampf näher kommt. Oder ihr müsst wie in No More Heroes eine Liste von Auftragskillern abarbeiten, um die nächste Nummer Eins und berühmt-berüchtigt zu werden. Doch The Eye of Judgment sieht das ein bisschen anders. Wieso solltet ihr so viele Mühen auf euch nehmen, wenn ihr schon von Anfang an der Held der Nation sein könntet?
Die Welt der Sterblichen ist im Chaos versunken und wird von Biolithen bedroht. Deren Anführer ist Scion, der sich als Gott bezeichnet. Bei dieser Gotteslästerung ist es natürlich kein Wunder, dass sich der echte Gott dagegen wendet und einen Beschwörer in die Welt herabsetzt. Prophezeiungen kündigten sein Kommen bereits an und preisen ihn als Retter der Nation. Ihr schlüpft in die Rolle dieses sagenumwobenen Heldens, der erst einmal seinem Ruf alle Ehre machen muss. An eurer Seite ist die kleine Elfin Romili, die euch stets mit Tipps und Aufmunterungen unterstützt.
Etliche spannende Geschichten hätten beide erleben können, tun sie aber nicht. Denn der Einzelspieler-Modus ist langweilig. Wenn ihr einen Ort betretet, öffnet sich eine kurze Videosequenz, euer Held muss irgendwen retten und danach beginnt sofort der Kampf. Wenn ihr so etwas gleich zehn Mal hintereinander erlebt, wird das nach einiger Zeit öde und lädt kaum zum weiteren Spielen ein. Doch im Mehrspielermodus trumpft The Eye of Judgment so richtig auf.
Lasst euch nicht in die Karten schauen
Doch wie sieht eigentlich ein Kampf aus? Auch wenn euch im Tutorial gesagt wird, dass das Spiel kompliziert ist, lasst euch beruhigen. Ihr werdet einen Kampf recht schnell durchschauen und Spaß mit ihm und der einfachen Steuerung haben.
Das wichtigste Spielelement ist das Mana, das jeder Spieler am Anfang eines Zuges erhält. Mit Mana könnt ihr Kreaturen beschwören, angreifen oder Zauber wirken. Diese Kreaturen sind Spielkarten und jede gehört einem Element an: Feuer, Wasser, Erde, Wald und Biolith. Entscheidet ihr euch für eine Karte, müsst ihr sie auf das Kartenfeld legen, das wiederum neun Felder besitzt. Dabei müsst ihr beachten, dass jedes Feld einem Element zugeordnet ist und die Kreatur deswegen stärken oder schwächen kann. Habt ihr einen Platz gewählt, müsst ihr euch für eine Richtung entscheiden, in der eure Spielfigur angreifen soll. Mit einem Angriff eurer Kreatur endet der Spielzug und der Gegner ist an der Reihe. Mithilfe dieser abwechselnden Spielzüge wird nach einiger Zeit derjenige gewinnen, der als erstes fünf Felder mit seinen Kreaturen besetzt hat.
Strategie-Liebhaber entscheiden sich für den Multiplayer
Passt jedoch auf, denn eure Computer-Gegner sind des Öfteren schwer zu besiegen. Auch zu Beginn spielen sie ihre Karten genau so aus, wie es am effizientesten ist. Für Anfänger ist das meistens ein Grund zur Verzweiflung, da sie überhaupt keine Chance haben, mit dem Spiel warm zu werden. Da euch beim Einzelspieler auch keine gute Story lockt, sucht euch lieber einen Partner, der mit euch virtuell Karten spielt.
Ihr schaltet den Multiplayer nach kurzer Zeit frei und könnt euch dann mit ihm austoben. Ihr wählt entweder im Ad-Hoc- oder den Infrarotstruktur-Modus einen realen Gegner aus. Beides funktioniert einwandfrei und ihr könnt binnen weniger Minuten den Kampf beginnen. Da vor allem die gemeine KI fehlt, haben Anfänger wie auch Profis Spaß an diesen Duell Mann gegen Mann (oder Frau). Die Strategie-Freunde unter euch können also erst im Mehrspielermodus richtig aufleben.
Anime lässt grüßen
Doch wenn ihr einmal keinen Partner findet und euch für den Story-Modus entscheidet, habt ihr dennoch die Möglichkeit, etwas zu genießen: die Präsentation. Die Geschichte ist in Anime-Bildern dargestellt und es erscheinen wie in einem Cartoon Sprechblasen oder Worte wie "Bumm" oder "Krach". Die zuerst etwas verwirrende und gewöhnungsbedürftige Darstellung wird euch nach wenigen Minuten aber begeistern, denn so ein Spielgefühl habt ihr selten erlebt. Die Präsentation wirkt wie ein gelungener Film, obwohl er in nur wenigen Bildern dargestellt ist. Dabei stört teilweise aber leider die Musik, die eintönig und mit manchen rockigen Einlagen zu roh mit den bewegten Anime-Sequenzen umgeht.
Pro
- gelungene Steuerung
- viel Spielspaß im Mehrspieler-Modus
- hübsche Anime-Videosequenzen
- Karten aus dem PS3-Ableger sind integriert ...
Contra
- ... aber 30 neue gibt's (fast) nur im PSN-Store
- lieblos erzählter Story-Modus
- teils zu hoher Schwierigkeitsgrad
- langweiliger Soundtrack
Fazit
von Sandra Friedrichs
Sony hat es mit den Veränderungen gut gemeint. Zu gut, möchte ich schon meinen. Zwar funktioniert das Spiel auch ohne die Playstation-Eye-Einbindung, dennoch muss es ohne eine gelungene Story und ausgeglichene KI auskommen. Dabei hätte Sony wegen der einfacheren PSP-Entwicklung doch gerade mehr Wert auf die Geschichte legen können. Leider macht das die schöne Präsentation auch nicht wett. Ich habe viel mehr von dem Spiöl erwartet, als mir letztendlich serviert wurde. Dennoch ist The Eye of Judgment - Legends keineswegs ein schlechtes Spiel, wenn auch nicht so gut wie der Playstation-3-Ableger.
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