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Spieler-Tagebuch: Wurzelimperium (Online)

Artikel veröffentlicht am 18.03.2010

Drei Tage sind vorbei, seit ich mich aus einer Welt voller Geballere und Brutalität in das komplette Gegenteil gestürzt habe und zum friedlichen Pflanzenfanatiker geworden bin. Mein neues idyllisches Leben im Kleingartenverbund eines beschaulichen Kurortes genieße ich sehr. Fast schon so eine Art Urlaub. Aber blicken wir zuerst auf die letzten zwei Tage zurück... Von Mats Brandt

Die kauffreudigen Bewohner von Wurzeltal stehen bereits Schlange.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Nacht beginnt der zweite Tag so, wie der erste geendet hat: Ich pflanze das, was gerade gebraucht wird. Denn über Nacht haben sich einige meiner, so wie es scheint, ebenfalls nachtaktiven Nachbarn vor meinem überschaubaren Garten eingefunden. Für einige Gemüsesorten bieten sie mir Wurzeltaler, mit denen ich zu meiner Freude Unkraut jäten kann. Und da ruft die Abwechslung! Denn statt eintönigem "Pflanzen, Gießen, Ernten" kann ich jetzt nebenbei meinen Garten von Schädlingen befreien. Fast wie bei einem Shooter.

Das SalatBlatt überbrückt die Zeit bis zum Level-Up!

Das SalatBlatt, die Community-Zeitung von Wurzelimperium.

Ist schon ein merklich großer Unterschied von der Gartenarbeit zum sonst alltäglichen Zocken auf'm Klappstuhl bei Mutti zu Hause - was nicht unbedingt negativ sein muss. Nach drei Stunden Arbeit am Stück bin ich völlig fertig mit der Welt und gönne mir das SalatBlatt - die Zeitschrift der Gartenfreaks. So fühle ich mich noch willkommener und kann mich mehr und mehr in die Lage der Kollegen versetzen. Viel Neues gibt es sonst nicht zu berichten, ihr merkt, schon nach wenigen Tagen pendelt sich ein richtiger Rhythmus ein.

Da ist es doch erfreulich, wenn ich als Spieler am frühen Morgen gegen acht Uhr feststelle, dass ich schon wieder ein Level aufgestiegen bin. Zwiebeltreter. So darf ich mich jetzt nennen. Das erinnert mich irgendwie an mein früheres Leben als Türsteher. Schon ist der Schmerz etwas kleiner und ich gehe mit neuem Elan in den Tag, denn ein Levelaufstieg bringt auch neues Gemüse zum Anbauen. Also sause ich per Fahrrad nach Wurzeltal und steuere den Bauernhof an. Völlig ungewohnt, aber doch irgendwie ganz sinnvoll, zur Abwechslung auch mal etwas Sport zu treiben. Dort angekommen, beglücke ich den Verkäufer mit ein paar meiner zahlreichen Wurzeltaler und bediene mich an Zwiebeln und Spinat - neues Saatgut für meinen Acker.

Levelaufstieg, neues Saatgut und längere Reifezeit

Und das neue Saatgut verwende ich natürlich gleich für den ganzen Acker.

Wieder zu Hause wird die Warteschlange potenzieller Käufer immer länger. Ich komme mir sehr begehrt vor und versuche möglichst vielen Nachbarn ein gutes Bild von mir zu hinterlassen - könnte später ja nützlich sein. Da der Anbau von Zwiebeln und Spinat zwischen acht und neun Stunden dauert, mache ich mich nach dem Anbau zu einem Abendspaziergang auf den Weg in die Stadt ... und schlafe völlig erschöpft auf dem Marktplatz von Wurzeltal ein.

Alltagsleben als Gärtner

Endlich ein Level-Up. Dadurch wird auch neues Saatgut freigeschaltet.

Seit nun mehr einer Woche bin ich in einer für mich fremden Welt. Mein Tagesbeginn ist ohne Ausnahmen jeden Tag identisch. Ich wache auf, ob in meinem Bett oder wie zuvor am Marktplatz, begebe mich müde zu meinem Garten und baue die ersten Gemüsesorten für den Tag an. Müde deshalb, weil die Dauerbelastung des Erntens echt auf die Knochen geht - klick, klick, klick, klick. Es fällt mir schwer, mich hier richtig einzuleben, doch es gelingt mir immer besser und je mehr Zeit ich hier verbringe, desto mehr gewöhne ich mich an meinen Alltag, obwohl er eigentlich echt nicht besonders actionreich ist. Warum? Weil er, wie schon gesagt, immer derselbe ist. Ich baue an, ich ernte, zwischendurch schaue ich mal ins SalatBlatt, fahre in die Stadt und wieder zurück und abends fall ich halb tot in mein Bettchen.

Ein paar Ausnahmen gibt es dann doch, wenn ich mich zum Beispiel ungewöhnlich lange mit meinen Nachbarn unterhalte, die bei mir einkaufen wollen, oder wenn ich das Unkraut in meinem Garten entferne, was mittlerweile übrigens komplett weg ist. Nun sind noch ein paar Baumstümpfe, Steine und Maulwurfshügel im Weg - hoffentlich kommt das Unkraut nicht irgendwann wieder.

Stress pur - mit dem Garten und den Nachbarn

Wurzeltal bei Nacht - die Läden haben trotzdem geöffnet. Dem Wurzelgott sei Dank.

Die letzten Tage wurde es dann recht still um meinen Garten. Ich konnte der hohen Nachfrage der Nachbarn nicht mehr standhalten und musste viele mit ihren Forderungen nach Hause schicken. Manchmal sah ich mich sogar gezwungen, ein paar Wurzeln hinter meinen Nachbarn hinterherzuschmeißen. Mir für 300 Tomaten nur zehn Wurzeltaler zu bieten fand ich so frech, dass ich mich nicht zurückhalten konnte, ein wenig aggressiv zu werden.

Gewöhnungssache, aber auf Dauer doch eine Alternativlösung

Gestern gab es dann endlich mal Grund zum Feiern. Ich darf mich von nun an offiziell Erntehelfer nennen - klasse Sache! Das musste gefeiert werden. Und wie feiert man als Gartenbesitzer? - Genau, alleine. Deswegen fiel die Freude auch eher gering aus. Wenigstens kann ich jetzt Ringelblumen und Blumenkohl anbauen. Also auf zum Bauernhof nach Wurzeltal und Saatgut kaufen.

Wenig später bin ich wieder zu Hause und lasse es mir nicht nehmen, gleich mal so richtig mit meinem neuen Gemüse zu prahlen. Mein gesamtes Feld bebaue ich mit Ringelblumen und Blumenkohl und komme zu dem Entschluss, dass es doch ein recht erfolgreiches Ende der ersten Woche Wurzelimperium war. Ich habe mich mittlerweile wirklich an das Leben in einem Garten gewöhnt und würde auch noch länger bleiben, wenn nicht mein richtiges Leben rufen würde. Wurzelimperium ist ein tolles Spiel für Zwischendurch und Nebenbei, aber als Hauptbeschäftigung ist es für mich als Jungspund einfach viel zu langweilig.


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