Der Spieletipper: Die 10 schlimmsten Spielspaß-Killer - Seite 2

(Kolumne)

Nicht jede Wiederholung ist so spaßig wie diese.Nicht jede Wiederholung ist so spaßig wie diese.

Platz 5: Das tägliche Murmeltier

Backtracking hört sich ja irgendwie cool an. In Wahrheit verschleiert der Gamedesign-Begriff aber einfach Level-Recycling. Da ballern wir uns zum Beispiel stundenlang durch die Korridore einer Raumstation, nieten in der Zentrale den Anführer der Xy‘lop'hon um - und müssen dann den ganzen langen gleichen Weg zurückmarschieren, wobei wundersamerweise alle Leichen verschwunden und durch quicklebendige Gegner ersetzt worden sind.

Auch schlimm: Minispiele, die wir immer und immer und immer und immer wieder machen müssen, obwohl wir schon beim ersten Mal eingepennt sind. Selbst Spitzentitel wie Mass Effect 2 und BioShock kommen mit so dämlichen Memory-Puzzle-Spielchen daher. Da durfte vermutlich der Programmierer-Azubi mal ran, und versehentlich ist das dann im fertigen Spiel gelandet.

Kein Witz: Der Herr in der Mitte hielt bis 1974 die Weltkriegs-Stellung.Kein Witz: Der Herr in der Mitte hielt bis 1974 die Weltkriegs-Stellung.

Platz 4: Last Man Standing. Aber wo?

Diese Spielspaß-Killer gibt's zum Glück nur noch selten. Aber nur, weil ihr Lieblings-Genre fast tot ist. Nämlich Echtzeit-Strategiespiele, bei denen wir den Gegner komplett vernichten sollen. Also komplett komplett. Bis zum letzten Mann. Das endet dann darin, dass wir nach zwei Stunden heftiger Kämpfe jede verdammte Feindbasis eingeäschert haben. Um dann mit 400 Flugzeugen, Helis, Tanks und Ingenieuren den letzten verschreckten gegnerischen Obergefreiten zu suchen, den wir nach 20 hochdramatischen Minuten in der rechten unteren Kartenecke aufstöbern.

Aber auch das ist realistisch. Schließlich hat auch der japanische Leutnant Hiroo Onoda lange geglaubt, dass der Zweite Weltkrieg noch tobt. Bis man ihn auf einer Pazifikinsel entdeckte und seinen ehemaligen Kommandanten hinschickte - 29 Jahre nach Kriegsende. Da haben wir ja mit unseren 20 Minuten ja noch Glück gehabt.

Die Geschichte zeigt: Zu viel Freiheit ist nicht jedermanns Sache - viele Spieler brauchen eine strenge Führung.Die Geschichte zeigt: Zu viel Freiheit ist nicht jedermanns Sache - viele Spieler brauchen eine strenge Führung.

Platz 3: Lange Leine, kurze Leine

Kaltes Wasser ist fies. Vor allem, wenn man da einfach so reingeschmissen wird. Blöderweise gibt's immer wieder Spiele-Entwickler, die uns in kaltes Wasser werfen. Wir haben keine Ahnung, wo wir sind, warum wir da sind und wo wir hinmüssen. Kein Tutorial, keine nette Dame, die uns den Weg zeigt, keine Pfeile auf der Minimap. Falls es überhaupt eine Minimap gibt. Friss oder stirb, heißt das Motto. Schließlich haben die Entwickler ganz lange an dem Spiel gearbeitet - da können sie ja wohl verlangen, dass wir uns da gefälligst auch einarbeiten. Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier, oder? Solche Spiele kommen gern aus dem osteuropäischen Raum.

Amerikaner hingegen machen das genaue Gegenteil. Ausführliche Tutorials, die uns das Öffnen einer Tür erklären und geduldig üben lassen. Nette Damen, die uns den Weg zeigen (aber keine Nippel). Grell blinkende, piepsende Pfeile auf der Minimap. Wir fühlen uns an der Hand genommen, umsorgt, gehegt. Wie im warmen Wasser. Toll!

Bis wir die Hand loswerden wollen, mal auf eigene Faust losziehen möchten. Geht aber nicht. Ist nicht vorgesehen. Das Spiel geht erst weiter, wenn wir genau das machten, was die Entwickler wollen. Wir können bei Call of Duty stundenlang im Levelschlauch vor- und zurückrennen - solange wir eine bestimmte Stelle nicht erreichen, hat der Krieg Pause.

Eine schlecht programmierte Kameraführung fokussiert sich auf Ausschnitte, die man eigentlich gar nicht sehen mag.Eine schlecht programmierte Kameraführung fokussiert sich auf Ausschnitte, die man eigentlich gar nicht sehen mag.

Platz 2: Wo ist meine Einheit?

Irgendein Marketing-Heini hat damit angefangen, so ungefähr Ende des letzten Jahrtausends: Drei ist größer als zwei, also ist 3D-Grafik besser als 2D. Macht sich ja auch super auf der Packung, "jetzt in 3D!" liest sich halt besser als "immer noch im ollen 2D!"

Also haben alle möglichen Spiele, die in 2D toll waren, plötzlich was mit 3D machen müssen. Unter den Folgen leiden wir bis heute. Denn vor allem Actionspiele in der 3rd-Person-Perspektive sind auf eine gut geführte Kamera angewiesen. Leider kriegt das aber nur ein Bruchteil der Entwickler gescheit hin, bei allen anderen Spielen kämpfen wir mehr mit der dusseligen Kameraperspektive als mit Gegnern. Die sich vermutlich halbtot lachen, wenn unser Held penetrant vor Wände knallt, in Abgründe purzelt oder sich ins Knie schießt, weil die Perspektive plötzlich von der Totalen in die Nahansicht schwenkt.

Ärgerlich: Bildschirmtod kurz vor dem nächsten Speicherpunkt.Ärgerlich: Bildschirmtod kurz vor dem nächsten Speicherpunkt.

Platz 1: Speichern? Nix da!

Ich spiele wahnsinnig gerne. Aber auch ich muss mal schlafen, aufs Klo oder Kolumnen schreiben. Und zwar dann, wann ich will. Oder muss. Dummerweise sehen viele Entwickler das anders und wollen mir vorschreiben, wie lange ich ihr Opus zu spielen habe. Darum bauen sie nur alle Jubelstunden einen Speicherpunkt ein. Selber speichern darf ich nicht. Zwischen zwei so vorgegebenen Punkten gibt es zwei Kategorien von Spielszenen:

  • Kategorie Eins sind überlange Zwischensequenzen mit epischen Dialogen, die aber superwichtig für den nächsten Auftrag sind. Wenn ich kurz vorm Ende pinkeln muss, kann ich mir das Gequatsche danach nochmal anhören. Oder ich schaue tapfer weiter und... aber lassen wir das.

  • Kategorie Zwei sind überlange Feuergefechte mit Gegnerhorden, gefolgt von akrobatischen Sprüngen über Lavabecken, danach Gegnerhorden, die mich bei akrobatischen Sprüngen über Lavabecken beschießen, danach Verfolgungsjagden im Flugzeug, über Zugdächer und durch Rudis Resterampe. Endlich habe ich den Bossgegner im Visier, kämpfe ihn auf zwei Hitpoints runter, ziele ein letztes Mal und... klick. Da habe ich unterwegs wohl eine Klavierkiste mit Munition übersehen. Der Bossgegner lacht sich halb tot, macht mich ganz tot, und ich kann wieder vor den Lavabecken anfangen.

Vielen Dank ans Gamedesign und seine Savegame-Sparpolitik!

Welche Spielspaß-Killer nerven DICH am meisten? Mail sie mir!

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