Test Splinter Cell Conviction - Seite 2

Eine weitreichende Verschwörung nimmt ihren Lauf.Eine weitreichende Verschwörung nimmt ihren Lauf.

Im dunkeln hält es besser

Zugegeben, abgedroschen hin oder her, solange uns die Story an der Gurgel packt und emotional fesselt, ist ja alles gut. Aber eben genau das gelingt nur stellenweise. Denn in Conviction erwarten uns mehrere Handlungsstränge, die zwar irgendwie alle zusammenpassen, aber doch völlig unterschiedliche Emotionen bei uns auslösen. Da wäre zum einen die Verschwörung gegen die Regierung von Amerika - HA! Das ist ja noch viel abgedroschener! Mensch, Ubisoft, was macht ihr bloß für Sachen? Na gut, wir geben zu, dass diese abgedroschene Geschichte extrem viel Spaß macht und gut inszeniert wurde. Hier liegt der Fokus deutlich auf der modernen Action, die sich dem Spielprinzip wunderbar angleicht.

Auf der anderen Seite gibt es da ja noch die erwähnte mehr oder weniger tote Tochter von Sam. Zu Beginn ist es extrem atmosphärisch, wenn Sarah uns nachts in ihr Zimmer ruft, weil sie Angst im Dunkeln hat. Hier wird Sam als liebender Vater dargestellt, dessen Beruf ihm sogar ins Kinderzimmer folgt, so ist der folgende Dialog mit Sarah mehr als nur ein beruhigendes Gespräch. Sam erzählt ihr, dass die Dunkelheit auch nützlich sein kann. Man erkennt im Dunkeln viel mehr. Auch böse Monster. Allein während dieser paar Sekunden kommt eine unheimliche Atmosphäre auf, ganz einfach weil wir wissen, was Sam wirklich treibt und welche Verbindung er zu der Dunkelheit hat. Leider zieht sich diese emotionale Bindung zwischen Vater und Tochter nicht weiter durchs komplette Spiel. So versucht Ubisoft zwar schon, uns emotional an das Schicksal der Tochter zu binden, doch bleibt die Dramaturgie mehr oder weniger einfach auf der Strecke.

Was ist wirklich mit Sams Tochter passiert?Was ist wirklich mit Sams Tochter passiert?

Erste Sahne - oder auch zweite Schlagsahne

Das liegt daran, dass ein Teil der Erzählweise komplett verändert wurde. Während Zwischensequenzen nur stellenweise zur Erzählung beitragen, ist die Level-Umgebung ein ganz heißes Ding in der Dramaturgie. Ubisoft nutzt Wände oder Hausmauern, um darauf, als eine Art Projektion, kleine Sequenzen oder Rückblenden aus Fishers Leben zu zeigen. Das ist nicht nur innovativ, sondern auch ungemein frisch. Die Geschichte ist somit aktiver Bestandteil des Spiels selber - soll heißen, während wir töten und ballern, erleben wir die Geschichte in Sequenzen nebenbei mit. Aber da liegt auch das Problem: Während wir gerade dabei sind, zwei Wachen lautlos ins Jenseits zu befördern, poppt plötzlich eine Rückblende von Sarah auf der gegenüber liegenden Mauer auf. Was sollen wir jetzt tun? Die Wachen umnieten oder auf die Mauer starren? Durch diese kleine Reizüberflutung verliert dieses Umgebungs-Story-Feature seinen Reiz und schöpft sein Potenzial nicht ganz aus.

Es sei aber gesagt, dass die Story als Ganzes gesehen schon unheimlich gut ist und auf hohem Action-Niveau agiert. Die englischen Synchronstimmen sind erste Sahne, das Finale fällt packend aus, die Umgebung wird dann doch manchmal gut zum Geschichtenerzählen genutzt. Leider fällt die deutsche Synchronisation etwas aus dem Rahmen: Die Sprecher passen zwar allesamt zur Rolle, sind aber absolut und nicht mal im Ansatz lippensynchron. Und das stört mit der Zeit extrem. Zudem fehlen in diesem Zusammenhang weitere wichtige Rollen - natürlich lebt diese Hollywood-Story von abgedroschenen und bereits bekannten Charakteren und Wendungen, aber bei der umfangreichen Geschichte von Sam hätte man mehr dramaturgische Fäden ziehen können.

Der Koop-Modus rockt!Der Koop-Modus rockt!

Türen, Waffen, Lichtschalter, too much

Der geschichtliche Fokus auf Action hat natürlich auch auf das Gameplay an sich Auswirkungen. Die Story kann nur so actionreich sein wie das Gameplay selber. Und auch hier hat Ubisoft der bisherigen Serie den Rücken gekehrt und auf actionlastige Feuergefechte gesetzt. Sam ist in Conviction viel dynamischer, es fühlt sich einfach anders an, wenn wir ihn aus der Schulterperspektive von Deckung zu Deckung jagen. Dabei fällt das Deckungssystem sehr komfortabel aus: Mit der Schultertaste geht Sam in Deckung. Zur nächsten Deckung geht's per A-Knopf und der anvisierten Position. Nun bewegt sich Sam lautlos und völlig automatisch durch die Levels. Das Problem an der Sache ist nicht das System selber, sondern der A-Knopf und die Unfähigkeit der Entwickler. Denn der A-Knopf hat noch jede Menge weitere Aufgaben: Türen öffnen, unter ihnen hindurchschauen, Licht ausschalten, Waffen aufsammeln, wir könnten ewig so weiter machen. Wenn wir nun neben einer getöteten Wache in der Deckung kauern, über uns ein Lichtschalter ist, unter uns eine neue Waffe liegt und vor uns auch noch eine Tür ist, wird es extrem schwierig, da die richtige Aktion auszuführen.

Natürlich ist das überspitzt formuliert, aber es ist schon ab und zu passiert, dass wir einfach das falsche gemacht haben, weil zu viele Interaktionsmöglichkeiten keinen Überblick gewährleisten. Leider ist der Mister Fisher auch etwas unbesiegbar geworden, denn die "Markieren und Ausschalten"-Funktion ist ein wenig zu viel der gutgemeinten Action. Sobald wir eine Wache im Nahkampf erledigt haben, was übrigens auch erneut per simplen Knopfdrück funktioniert, können wir mit dem Y-Knopf zuvor markierte Ziele völlig automatisch und fast ohne jedwedes Risiko ausschalten. Es sieht gut aus, kommt gut rüber und verhilft in schwierigen Situationen zu einem erfolgreichen Spielerlebnis. Allerdings verflüchtigt sich damit ein wenig die schon recht sparsame Schleich-Mechanik - statt einer Wache erledigen wir nun eben drei. Natürlich müssen wir erst einmal eine Wache getrennt von der Gruppe erledigen, doch die anderen zwei hätten wir ohne das Feature auch ausschalten können. Nun automatisiert sich das Ganze.

Unsere letzte bekannte Position.Unsere letzte bekannte Position.

Lampe kaputt

Es gibt in den Levels natürlich noch genug Möglichkeiten, in alter Fisher-Tradition lautlos zu schleichen und klettern. Wir huschen von einer Deckung zur anderen, knipsen Lichtquellen aus und erklimmen Rohre, um dann von oben gekonnte Stealth-Kills zu machen. Allerdings wurden die Stealth-Elemente etwas vereinfacht. Die Gegner bemerken nicht, wenn eine Lampe kaputtgeschossen wurde. Verschiedene Bodenmaterialien gibt es nicht mehr, technische Hilfsmittel fallen anders aus. Und auch wenn man entdeckt wurde, ist es nicht schwer, die Feinde umzunieten. Den Deckungs- und Stellungsgefechten sei Dank wechseln sich ruhige und nervenaufreibende Schleich-Passagen mit brachialer und bildgewaltiger Action ab - ungewöhnlich für diese Reihe, hat aber durchaus seinen Reiz.

Dennoch wird uns teilweise zu viel geschossen und geballert. Die Slow-Motion-Tötungen von Sam sind ungewohnt brutal und setzen die Ballerei noch mehr in Szene. Zudem können wir eine Pistole und ein Gewehr tragen, sodass wir eigentlich immer schwer bewaffnet sind. Unsere Standard-Waffe hat natürlich unendlich Munition - so ist's leicht, nach der Entdeckung zwei, drei Feinde auszuschalten, weil wir eben immer eine Waffe haben.

Weitere Kniffe von Sam vermissen wir schmerzlich: Wir können keine Leichen mehr verstecken. Da ärgert es uns einfach, wenn wir die Wachen rufen hören, dass sie gerade die ausgeschalteten Kollegen entdeckt haben. Dabei würde es den ganzen Schleichmissionen unglaublich viel Taktik und Tiefe verleihen. Ebenso können wir keine Wachen mehr anlocken - so fällt es einfach schwer, Level um Level komplett schleichend zu absolvieren.

Dieses Video zu Splinter Cell Conviction schon gesehen?

Weiter mit:

Kommentare anzeigen

Final Fantasy 15 für euch durchgespielt: Kein schlechtes Spiel

Final Fantasy 15 für euch durchgespielt: Kein schlechtes Spiel

Nach einer vollen Dekade der Spekulationen, Ankündigungen und ersten spielbaren Häppchen, erscheint nun Final (...) mehr

Weitere Artikel

Südkorea: Hohe Haft- & Geldstrafen gegen Cheat-Entwickler eingeführt

Südkorea: Hohe Haft- & Geldstrafen gegen Cheat-Entwickler eingeführt

Das südkoreanische Parlament hat eine Gesetzesänderung erlassen, welche die Entwicklung und den Vertrieb von (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Meinungen - Splinter Cell - Conviction

Cuccus
84

Gelungenes Spiel

von gelöschter User

Alle Meinungen

Splinter Cell Conviction (Übersicht)