Vorschau Das neue Call of Duty

von Jochen Gebauer (28. Mai 2010)

Da hätte selbst der KGB Bauklötze gestaunt: Die Präsentation des neuen Call of Duty erinnerte uns zeitweise an einen Agentenaustausch am Checkpoint Charlie. Viel zu sehen gab's nicht. Alles Top Secret. Aber das, was es zu sehen gab, war verflixt spannend. Und den Rest - den haben wir uns kurzerhand zusammenspioniert. Wortwörtlich.

Knarren für Penner, Messer für Männer - auch im Krieg.Knarren für Penner, Messer für Männer - auch im Krieg.

Ein fensterloser Raum, auf dem Tisch ein rotes Telefon, an der Wand eine Weltkarte aus den 80er Jahren und eine Reihe von Uhren mit der Lokalzeit in New York, London, Havanna. Hier treffen wir Mark Lamia, Chefentwickler von Call of Duty - Black Ops. Er spricht schnell und gestikuliert viel, redet eine Menge und sagt ziemlich wenig. "Wir wollen das bestmögliche Spiel machen", ist einer seiner Lieblingssätze, er sagt ihn häufig, es wirkt einstudiert. Unser Blick schweift durch den Raum, bleibt an einer der Uhren hängen. Es ist 10:35 Uhr in Havanna. Aber wieso eigentlich Havanna?

Plötzlich kommt Lamia in Fahrt. Er spricht von den "Black Operations", jenen verdeckten Operationen, die dem Spiel seinen Namen geben und die von den zuständigen Regierungen mit Beharrlichkeit geleugnet werden. "Wer weiß eigentlich wirklich, was im Kalten Krieg passiert ist?", fragt Lamia. "In der Kuba-Krise zum Beispiel, in der Schweinebucht?" Und wieder fällt unser Blick auf die Lokalzeit in Havanna. Es ist 10:38 Uhr. Bislang ist noch keine Black-Ops-Mission in Kuba angekündigt, auch nicht gerüchteweise. Zufall? Ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Dieser arme Russe leidet an einem akuten Anfall von Schwerkraft.Dieser arme Russe leidet an einem akuten Anfall von Schwerkraft.

Weapons of Mass Destruction

Es sind Kleinigkeiten wie diese, ein Satz hier, ein Detail dort, die uns hinter die sorgfältig einstudierte Fassade schauen lassen, einen Blick werfen auf das, was die Entwickler geheim halten. Es wirkt wie ein Agenten-Spiel, eine Schnitzeljagd. So auch in der ersten Mission, die wir an diesem Tag sehen. Wir bekommen keinelei Information, wissen nicht, wo sie spielt oder wann. Nur ihren Namen kennen wir: WMD. Wieder ein Schnitzel, wenn auch ein offensichtlicher. WMD ist die englische Abkürzung für Weapons of Mass Destruction, zu deutsch Massenvernichtungswaffen.

Der Einsatz beginnt spektakulär. Wir steigen in ein Flugzeug, offenbar eine SR-71 Blackbird, die erste einsatzfähige Maschine mit Stealth-Technologie, im Dienst zwischen 1966 und 1998, erhalten unsere Startfreigabe, geben Schub ... und befinden uns kurz darauf in einer Höhe von 25 Kilometern, buchstäblich im Weltall. Das Funkgerät knistert, wir erfahren unseren Auftrag. Weit, weit unter uns hat ein Squad der Black Ops sein Einsatzziel erreicht. Wir sind Augen und Ohren, behalten auf unserem Display die Gegner im Auge und geben mit dem Analogstick ein Zeichen, wenn die Luft rein ist und die Kameraden weiter vorrücken können.

Perfekt inszeniert: Per Seil durchs Panorama-Fenster die Wachen verdutzen.Perfekt inszeniert: Per Seil durchs Panorama-Fenster die Wachen verdutzen.

Und der Rest ist Ego-Shooter

Dann schwenkt die Action um und plötzlich liegen wir inmitten einer schneeverwehten Landschaft, keinen Steinwurf von der feindlichen Patrouillie entfernt, die wir eben noch aus sicherer Höhe ausmanövriert haben. In ihrem Rücken robben wir weiter, im Anschlag eine Armbrust, lautlos, tödlich. Zwei Wachen auf halbem Weg, die eine Zigarettenpause machen. Es ist ihre letzte Kippe. Schließlich erreichen wir einen Außenposten direkt an einem Steilhang. Von dort geht's per Seil nach unten und dann, in Zeitlupe, mit den Füßen voran durch ein Panorama-Fenster mitten in einen zweiten Außenposten. Die Wachen sind erst verdutzt und dann tot.

Keine Zeit, um die spektakuläre Inszenierung des Ganzen zu genießen. Wir erreichen eine schwer verteidigte Basis. Ein Relais sollen wir hier zerstören. Wo "hier" ist, wissen wir immer noch nicht, aber wir können einen Tipp abgeben, denn das Kauderwelsch der Gegner klingt russisch. Viele Gegner, links, rechts. Schleichen wäre eine Option. Per Explosiv-Pfeil den nahen Tankwagen in die Luft zu jagen, eine andere. Der Rest ist Ego-Shooter.

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