Vorschau Homefront: Nordkorea erobert die USA

von Jochen Gebauer (11. Juni 2010)

Panik an der Heimatfront: Nordkorea hat den Westen der USA gestürmt, den Mississippi radioaktiv verseucht und die Ostküste mit einem elektromagnetischen Impuls zurück in die Steinzeit bombardiert.

Krieg im Einkaufszentrum: Hier explodieren keine Freiheitsstatuen, hier wird an der echten Heimatfront gekämpft.Krieg im Einkaufszentrum: Hier explodieren keine Freiheitsstatuen, hier wird an der echten Heimatfront gekämpft.

Jetzt haben die Spiele-Hersteller endgültig den Verstand verloren, könnte man da denken. Nordkorea tritt den USA in den Hintern, das ist doch in etwa so plausibel wie der Papst auf einem Nudistenkongress, richtig? Keineswegs. Denkt jedenfalls Tae - und Tae sollte es wissen, denn er war jahrelang Korea-Spezialist bei der Central Intelligence Agency, den meisten Menschen besser bekannt unter der Abkürzung CIA. Tae ist klein, schmächtig und unscheinbar, wirkt wie ein College-Student auf dem Weg ins Seminar, aber als er auf der Bühne des Director's Guild Theatre in Manhattan spricht, könnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Die anwesenden Journalisten, aus Frankreich, Deutschland, England, Australien, sie lauschen ihm mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Faszination.

"Nordkorea hat die fünftgrößte Armee der Welt", sagt Tae und entwirft ein Szenario, das ebenso unerhört wie entsetzlich glaubwürdig klingt: 2012 stirbt Diktator Kim Jong-il; ihm folgt der junge, charismatische Kim Jong-un. 2015 wiedervereinigt sich Korea unter Führung des Nordens. 2018 schluckt das vereinte Korea - durch Übernahme des Südens urplötzlich zur globalen Wirtschaftsmacht aufgestiegen - Japan. Und im Jahr 2025 ist es stark genug für eine Invasion - auf dem US-amerikanischen Festland. Nie im Leben? "Wer hätte 1933 gedacht, dass Adolf Hitler neun Jahre später fast ganz Europa beherrscht?", fragt Tae. Und beantwortet seine Frage kurzerhand selbst: "Genau. Keiner."

Amerikanische Vorstadtidylle unter Tarnnetzen.Amerikanische Vorstadtidylle unter Tarnnetzen.

Tatort Gartenzaun

Homefront, das ist bei der Präsentation in New York allgegenwärtig, lebt nicht zuletzt von seinem absurd-realistischen Szenario. Hier fliegen uns weder Weißes Haus noch Freiheitsstatue um die Ohren - der Krieg ist persönlich, findet statt in idyllischen Vorstädten und auf dem Walmart-Parkplatz, typisch amerikanisch und in dieser Weise doch noch nie in einem Spiel zu sehen. THQ und Kaos Studios verzichten auf den pathetischen Bombast eines Roland-Emmerich-Streifens und zeichnen ihre Zukunftsvision beklemmend kleinbürgerlich.

Dazu passt auch die eigentliche Story. In der Rolle von Marine-Pilot Jacobs haben wir eine denkbar banale Aufgabe: Sprit auftreiben. Und eben jenen Sprit irgendwie zu den kümmerlichen Resten der US-Armee zu schaffen, damit die einen letzten, verzweifelten Gegenangriff starten kann. Das Ganze beginnt im besetzten Colorado. Hier hat sich eine Rebellen-Gruppe inmitten einer zerbombten Vorstadt ein kleines Stück des amerikanischen Traums bewahrt. Es gibt eine provisorische Schule, einen Barbecue-Grill, schaukelnde Kinder ... es wirkt beinahe idylisch, wären da nicht die Tarnnnetze, die das alles vor der nordkoreanischen Luftaufklärung verbergen.

Gewissenskonflikt: Den Feind brennen lassen oder erlösen?Gewissenskonflikt: Den Feind brennen lassen oder erlösen?

Dann bricht Inferno aus

Weiter geht's auf einem Supermarkt-Parkplatz. Hier sollen die Benzintanks stationiert sein und entsprechend gut gesichert ist der ehemalige Kapitalisten-Komplex. Es wimmelt von nordkoreanischen Truppen. Vorsichtig schleichen wir uns über die Dächer heran ... und hören plötzlich laute Rock-and-Roll-Musik. Ein weißer Truck rast heran, das Radio voll aufgedreht mit "Great Balls of Fire", wir ertappen uns beim Mitsummen, die koreanischen Soldaten scheinen völlig verdutzt. So etwa müssen die Trojaner geguckt haben, als sie merkten, dass ihnen über Nacht irgendwer ein riesengroßes Holzpferd vor die Haustür gestellt hat. Und dann bricht Inferno aus.

Feuer, überall. Der Gegenangriff hat begonnen. Lichterloh stehen feindliche Soldaten in Flammen. "Die armen Schweine", sagt eine Kameradin vom Widerstand über Funk. "Lass' die Mistkerle brennen!", ruft ein anderer. Wir stehen vor einer Entscheidung: Erlösen wir sie von ihrem Elend - oder lassen wir sie tatsächlich brennen? Spielerisch ist unsere Entscheidung ohne Auswirkung. Moralisch indes? Es sind Momente wie dieser, die den Krieg und seinen Wahnsinn in einem Spiel greifbar machen, uns ansatzweise begreifen lassen, wie sich reale Menschen in einem realen Inferno fühlen. Dass die Story von John Millius stammt - dem Drehbuchautor von Apocalypse Now - es wundert uns nicht.

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