Assassin's Creed - Brotherhood (Playstation 3)
Artikel veröffentlicht am 17.06.2010
Meuchelmörder aufgepasst: Die Bruderschaft lud zur öffentlichen Demaskierung auf der E3 in Los Angeles ein und hat die ersten bewegten Bilder zum neuen Ezio-Abenteuer gezeigt. Wir waren natürlich dabei und wollen euch unsere mörderisch guten Eindrücke nicht vorenthalten. Von Kevin Lunn
Mit den ersten Informationen zu Assassin's Creed - Brotherhood schließt Ubisoft offiziell die Gerüchteküche - zumindest was das Setting des nächsten Assassinen-Abenteuers angeht: Statt wie von Teil eins zu zwei einen Sprung in Richtung Gegenwart zu machen und mit einem neuen Helden daherzukommen, übernehmt ihr erneut die Rolle des bereits bekannten Ezio Auditore in den Anfängen des 16. Jahrhunderts und führt somit seine Jagd nach der Wahrheit fort.
Ubisoft führt eigenen Angaben zufolge absichtlich keinen neuen Charakter ein. "Genau wie in den vorherigen Spielen der Serie wollen wir sicherstellen, dass wir einen historisch kritischen Moment wählen." Dafür bietet es sich natürlich an, Italien zu Beginn des 16. Jahrhunderts erneut aufleben zu lassen. Schließlich war vor allem Rom in dieser Zeit das Zentrum der Welt. Religiöse, politische und kulturelle Mächte trafen hier aufeinander.
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Frodo lässt grüßen
Kaum sitzen wir vor dem Spiel, fühlen wir uns schon wie im Kino. Eine gewaltige Schlacht im Stile von Helms Klamm aus Der Herr der Ringe bietet sich uns - und zwar verflixt gut inszeniert: Unsere Stadt aus Assassin's Creed 2, die wir mit so viel Schweiß, Arbeit, Geld und Klinge renoviert haben, wird von den bösen Templern belagert. Eine Frechheit meint ihr? Wir auch!
Und trotz aller Wut gegen die kreuztragenden Feiglinge und ihrer riesigen Streitmacht müssen wir einsehen, dass wir hier trotz unseres unschlagbaren Könnens nicht weit kommen werden. Also müssen wir die Templer mit unseren Kanonen solange auf Abstand halten, bis es alle Zivilisten geschafft haben, aus Monteriggioni zu fliehen. Kein leichtes Unterfangen, können wir euch sagen!
Alle Wege führen nach Rom
Wir erinnern uns: Ezio, Sohn von Giovanni Auditore, ist ein reicher Florentiner, der gerne mal eine Nacht in fremden Gewässern verbringt. Kaum eine Tür bleibt ihm verschlossen, wenn er lange genug lieb lächelt. Das perfekte Leben also - wäre da nicht dieser schreckliche Morgen gewesen, als er mit ansehen muss, wie seine halbe Familie auf dem Marktplatz erhängt wird. Mit Mutter und Schwester gelingt es ihm gerade noch so aus seiner Heimat Florenz zu fliehen, denn es soll jeder der Auditore-Familienmitglieder sterben. So lernt er seinen Onkel kennen, der sich später als Assassine outet. Auch Ezio soll einer werden und viele, viele Auftragsmorde später reist ihr in seiner Rolle nach Rom, um dem Kopf der Verschwörung den Garaus zu machen: dem Papst.
Soweit der Plot von Assassin's Creed 2 im Schnelldurchlauf. Brotherhood schließt direkt an und führt Ezio erneut nach Rom. Der Grund: Der arrogante, gierige und machtbesessene Rodrigo Borgia, alias Papst Alexander VI, wurde nur benutzt - und zwar von seinem Sohn Cesare Borgia. Grund genug für unseren Helden, auch ihn seine Klinge spüren zu lassen.
Höher, schneller, weiter
Das Vorhaben, Cesare Borgia auszuschalten, könnte sich jedoch als schwieriger als gedacht herausstellen. Zum ersten Mal müsst ihr euch einem Gegner stellen, der weder kurz vor dem Tod aus Altersschwäche steht, noch eine Wampe hat, die das pure Vorwärtsgehen zum Kraftakt macht. Mit Cesare seht ihr euch einem Schurken gegenüber, der noch jung und knackig, kampferprobt und flink auf den Beinen ist.
Auf dem Weg dorthin begegnet ihr einem weiteren Hindernis: Die vergangenen Jahre habe Ezio zu einer lebenden Legende gemacht und auch wenn Legenden nicht sterben, versuchen die Templer genau dies zu erreichen. Immer schwieriger wird es für den Meister-Assassinen, sich zu verstecken und im Getümmel unterzutauchen - die Bekanntheit des Helden bringt aber auch Vorteile. Viele Vorteile, um genau zu sein: Um euch bildet sich eine immer größer werdende Gruppe von jungen, motivierten Helferchen - der namensgebende Bruderschaft (engl.: Brotherhood).
Gemeinsam seid ihr stark
Aus einzelnen Querulanten sammelt ihr euch im Laufe des Spielgeschehens eine schlagkräftige Truppe zusammen. Zuvor müsst ihr die Aufständischen jedoch rekrutieren, ausbilden und ausrüsten. Mit der Zeit wachsen die verdeckten Helfer richtig ans Herz, wir wollen sie also nicht verlieren. Passieren kann das allerdings schon mal, schließlich nehmen wir sie auf unsere gefährlichen Missionen mit. Via BAM-Feature (Brotherhood Assistance Movement) könnt ihr euren Nachwuchsassassinen auf Knopfdruck angeben, welches Ziel eliminiert werden soll.
Der Einsatz der Bruderschaft erinnert also stark an die Söldner aus den ersten beiden Teilen. Ihr tut etwas für sie (verkloppt Bösewichte oder lasst euren Geldbeutel aus Versehen fallen) und dafür helfen sie euch wiederum mit Faust, Waffe und Geschick. Jedoch bestimmt ihr nun selbst, wie sich eure helfenden Meuchelmörder verhalten, welche Ausrüstung sie besitzen und wann und wo sie zuschlagen.
Kombi statt Konter
Neben den neu aufgelegten Helfern hat Ubisoft zudem dem Kampfsystem ein bisschen Aufmerksamkeit geschenkt. Schnelligkeit und Reaktionsfreude heißt das neue Prinzip für den französischen Publisher und überarbeitet so die gewohnte Abfolge von Grund auf. Wir erinnern uns mal wieder zurück: Die Kämpfe in Assassin's Creed bestanden hauptsächlich daraus, zu warten, im richtigen Augenblick die Konter-Taste zu drücken und zuzusehen, wie Altair den Feind erledigte. In Assassin's Creed 2 versuchte sich Ubisoft zumindest etwas darin, dieses System zu verbessern. Es kamen verschiedene Gegnerklassen hinzu, die euch unterschiedliche Strategien abverlangten. Nach den ersten zehn Kämpfen wurde jedoch auch diese neue Reihenfolge von immer den gleichen Tasten langweilig.
In Brotherhood sollen die Kämpfe nun wesentlich spannender gehalten werden. Wie? Durch Kombinationen sollt ihr weniger passiv und dafür wesentlich aktiver und aggressiver ans Ziel kommen. Ihr sollt nicht länger das Gefühl haben, einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg zu räumen, sondern alle in einem Zug. Erste Bilder zu diesem System sehen klasse aus, für uns hört es sich jedoch auch nicht viel spannender an, als bisher. Hier heißt es abwarten und Tee trinken.
Rom - das Maß aller Dinge
Wie bereits erwähnt reist ihr als Ezio erneut nach Rom. Mit der italienischen Hauptstadt errichtet Ubisoft das bisher größte Areal der Serie. In fünf Bezirke soll sich die Stadt letzten Endes unterteilen: Den Vatikan als Schlüsselpunkt des Spiels, der als Sitz der Borgia-Familie dient; der belebten Stadtmitte mit vielen Akrobat-Sequenzen; dem Bereich um das Kolosseum mit vielen weiteren historischen Sehenswürdigkeiten und einigen versteckten Gruften; dem Fluss Tiber und dem Umland.
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und so werdet ihr zudem in der Lage sein, Rom weiter auszubauen. Wie bereits im Vorgänger bei der Stadt Monteriggioni werdet ihr Geschäfte erwerben, Gebäude renovieren und Banken kaufen. So kommt der ein oder andere notwendige Florentiner (die italienische Währung zu der Zeit) in euren Beutel, mit dem ihr euch und eure Anhänger ausrüsten könnt.
Ihr wurdet erhört
Mit Assassin's Creed - Brotherhood erweitert Ubisoft endlich die Welt rund um Desmond und seine Zeitreisen um einen lang erwünschten Multiplayer-Modus. Mehrere Spielmodi, verschiedene Spielkarten, unterschiedliche Charakterklassen und zahlreiche Fähigkeiten, Upgrades und Boni versprechen spannende Onlinegefechte in der italienischen Renaissance. Auch hier haben wir bereits einen ersten Blick drauf geworfen und sind der Meinung: Das könnte was werden!
Laut Ubisoft gibt es in der aktuell vorliegenden Vorversion des Mehrspielermodus "nur" acht verschiedene Charakterklassen, wie viele es letztendlich ins Spiel schaffen werden, ist also noch ungewiss. Wir finden die bisherigen, zum Beispiel den Priester, den Jäger oder die Kurtisane bereits jetzt toll und freuen uns darauf, was uns hier noch erwartet.
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Die Qual der Wahl der Qual
Vor Beginn einer Partie wählt ihr den Modus und die Spielkarte, auf der sich das muntere Meucheln abspielen wird. Daraufhin wird die Klasse gewählt und in einem Call-of-Duty-ähnlichen Klasseneditor ein bereits bestehendes Set herausgepickt oder ein neues zusammengestellt. Das bedeutet für euch, mit welchen Fähigkeiten euer Charakter das Spielfeld betritt. Dazu gehören unter anderem Rauchbomben und vorübergehende Tarnung, um eine mögliche Flucht zu vereinfachen. Wenn ihr soweit seid, kann es losgehen.
Wir haben uns für euch in den "Wanted"-Modus gestürzt, indem es darum geht, ein vorgegebenes Ziel auszuschalten, ohne dabei selbst das Opfer eines anderen Attentäters zu werden. Für jedes erfolgreiche Attentat gibt es Punkte, für jede erfolgreiche Flucht ebenso. Wie viele Punkte ihr bekommt, hängt von der Auffälligkeit eurer Aktionen ab. Tötet ihr still und leise, gibt es also mehr Punkte für den Sieg, als wenn ihr euch auf die offene Straße stellt und wie wild um euch schießt.
Suchen, finden, töten
Wir versetzen uns in die Rolle einer mordlüsternden Kurtisane. Sobald alle Mitspieler der Partie beigetreten sind, bekommt jeder ein Ziel zugeteilt, das ausgeschaltet werden muss. Welcher Klasse unser Ziel angehört, wird durch eine kleine Grafik am rechten, oberen Rand angezeigt. Wie viele Assassinen uns auf den Fersen sind, wird auf der anderen Seite dargestellt.
Unsere erste Aufgabe ist es, das Opfer zu lokalisieren. Eine schmale blaue Radaranzeige weist uns den Weg und je näher wir dem Ziel kommen, desto breiter wird der Streifen. Stehen wir unmittelbar in der Nähe des Opfers, wird die Anzeige zu einem vollständigen Kreis. Durch eine weitere visuelle Warnung werden wir darauf hingewiesen, dass wir nun jederzeit vom Ziel entdeckt werden können. Es muss also schnell gehen.
Wie der Elefant im Porzellanladen
Einen Augenblick später sieht sich der Gegenspieler mit einer durchtrennten Kehle auf dem Boden liegen. Unser Fächer hat seine Aufgabe erfüllt, wir ernten 100 Punkte. Leider war unsere Aktion nicht gerade sehr diskret und so haben wir einen anderen Killer auf den Plan gerufen, der nun direkt hinter uns her ist: der Doktor. Der Spieß wird umgedreht und nun sind wir der Gejagte. Eine Rauchbombe hilft uns ein wenig Abstand zu gewinnen, doch die Hatz ist noch nicht vorbei.
Es heißt also weiter um unser Leben zu laufen. Durch sogenannte "Chase Breakers", die wir bereits aus Assassin's Creed 2 kennen, wenn wir mal wieder auf der Jagd nach einer fliehenden Wache waren, versperren wir unserem Auftragskiller den Weg. In diesem Fall zwei Gittertüren, die den Doktor dazu zwingen, einen anderen Pfad einzuschlagen. Wir nutzen die Gunst der Stunde und tauchen mithilfe der "Morph"-Fähigkeit unter, solange wir außerhalb seines Sichtbereiches sind. Ein Timer läuft an, einige Momente später haben wir den Verfolger endgültig abgehängt. Weitere 100 Punkte für unser Konto auf dem Highscore. Automatisch bekommen wir ein neues Ziel zugewiesen.
Pro
- spannende Story-Weiterführung
- Bruderschaft-Taktiken
- Rom als gigantische Spielwiese...
- ...die ausgebaut werden kann
- endlich mit Multiplayer-Modus
Contra
- Setting eventuell ausgelutscht
Fazit
von Kevin Lunn
Der Multiplayer von Brotherhood wirkt schon in dieser frühen Version sehr durchdacht und spannend. Der Singleplayer winkt zwar ebenfalls mit vielen interessanten Wendepunkten, Ereignissen und Neuerungen, dennoch frage ich mich, ob das durch Assassin's Creed 2 nicht mehr ganz so unverbrauchte Szenario vielleicht schon etwas abgelutscht werden könnte. Ich hoffe, dass Ubisoft hier das Flair des Vorgängers beibehalten kann.
Besondere Hingucker sind die Assassinen-Helfer und das neue Kampfsystem. Ersteres könnte mich vielleicht dazu verleiten, den Nachwuchs als regelrechtes Kanonenfutter zu nutzen um dann gemütlich dem eigentlichen Ziel den Gnadenstoß zu versetzen. Und nachdem das Kampfsystem aus Teil eins und zwei bereits so langweilig war, dass gleich beide Füße auf einmal einschliefen, bin ich zudem skeptisch, ob die Einführung von Kombinationen an den Kämpfen viel ändern wird.
Aber nun genug der bösen Worte. Diese Kritikpunkte sind noch rein spekulativ und im Angesicht einer grandiosen Story mit bombastischer und dramatischer Inszenierung sowie vielen neuen Ideen, Änderungen und Verbesserungen vermutlich nur Makulatur. Assassin's Creed - Brotherhood schaut einfach verdammt klasse aus!
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