Test R.U.S.E.: Zweiter Weltkrieg, völlig anders

von Philip Ulc (07. September 2010)

Lahmes Setting, totes Genre? Ubisofts Geheimrezept: Man schraube an der Zugänglichkeit und feile an der Präsentation. Heraus kommt ein Überraschungshit.

In der mittleren Ansicht türmen sich eure Einheiten zu Symbolen auf.In der mittleren Ansicht türmen sich eure Einheiten zu Symbolen auf.

Strategiespiele sind ein aussterbendes Genre - ob Starcraft 2 trotzdem oder gerade wegen dieses Umstandes mehr als drei Millionen Exemplare verkaufen konnte, sei dahingestellt. Fakt ist: Auf der Konsole sind Taktik-Fans seit jeher unterbesetzt, was in erster Linie an der fummeligen Steuerung über einen Controller anstatt Maus und Tastatur liegt. All das ist kein Geheimnis und daher wirft Ubisofts Strategieausflug R.U.S.E. auch viele Konventionen über Bord und etabliert eine frische Herangehensweise: Dramatik in der Präsentation, Stromlinien im Spielablauf und Eingängigkeit der Steuerung.

Entwickler Eugen Systems (Act of War) hetzt euch im Zweiten Weltkrieg anfangs als amerikanischer Kommandeur durch 23 Missionen von Nordafrika bis nach Europa. Euer Feind? Na klar, die Deutschen, die ihr nur in späten Missionen alternativ steuern dürft. R.U.S.E. setzt als Strategiespiel klar auf Zugänglichkeit. Erwartet daher keine Kriegssimulation, die beispielsweise Schusswinkel oder Entfernungsabweichungen mit einrechnet. Somit ist das Spiel auch für Neulinge interessant, bietet aber dennoch taktische Tiefe - und zwar dank dreier Kniffe.

1 von 8

R.U.S.E.

Jede Einheit besitzt eine andere Sichtweite - der Aufklärer z.B. sieht (fast) alles.Jede Einheit besitzt eine andere Sichtweite - der Aufklärer z.B. sieht (fast) alles.

Kniff 1 - der Zoomfaktor

Optisch spektakulär ist der Iriszoom, der uns zudem das Gefühl eines Befehlshabers am Taktik-Brett gibt: Stufenlos saust ihr per Analog-Stick über die Karte - und das ganz ohne Ruckeln. Aus großer Entfernung seht ihr die gesamte Karte und große Symbole, die eure Truppen und die des Gegners zeigen. In der mittleren Ansicht geben farbige Pfeile die Truppenbewegungen und den Angriffsradius an. In der größten Zoom-Ansicht seid ihr nur wenige Meter vom Schlachtfeld entfernt und erkennt einzelne Einheiten. Allerdings werden hier auch die detailarmen Polygonmodelle erkennbar. Auf mittlerer Stufe habt ihr ohnehin die beste Übersicht und so die Marschrouten, Aufgaben und sämtliche Truppen(-Symbole) im Blick. Der "Fog of War" lässt euch gegnerische Einheiten allerdings nur als kryptische Symbole sehen: Nähert euch oder spioniert den Feind per List aus.

Nur wenn ihr hin und wieder einzelne Einheiten gezielt auswählt, verlasst ihr den übersichtlichen Mittelzoom. Praktischerweise werden Truppentypen über einfachen Tastendruck auf einen Streich ausgewählt. Die Bedienung klappt für eine Konsolen-Strategie gut, das viele Geklicke beziehungsweise Button-Gedrücke ist genrebedingt.

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