Hang zum kreativen Töten

(First Facts)

von Philip Ulc (15. September 2010)

Hauptsache tot war gestern - in Zusammenarbeit mit Brutalospiel-Entwicker Epic Games schmieden die polnischen People Can Fly ("Painkiller") an einem Ego-Shooter, der die USK verzweifeln lassen dürfte.

Ein Kopfschuss belohnt mit mehr Punkten als normale Körpertreffer.Ein Kopfschuss belohnt mit mehr Punkten als normale Körpertreffer.

Wenn Entwickler etwas von Epic Games lernen können, dann das Zusammenspiel aus grandioser Grafik und Gewalt - das zeigte eindrucksvoll die Erfolgsreihe Gears of War. Bulletstorm steht ganz in dieser Tradition. Auf der gamescom 2010 durften wir erstmals Hand an den Shooter anlegen, der bereits jetzt fantastisch aussah - und das sechs Monate vor geplanter Veröffentlichung im Februar 2011. Satte Farben, große Weitsicht, herrliche Effekte: Etwa, wenn wir einen Widersacher mit unserem Energielasso in die Lüfte wirbeln, dieser in Zeitlupe hilflos zappelt und wir ihm mit der Schrotflinte die Bauchdecke perforieren. "Volltreffer!" erscheint es auf dem Bildschirm und es hagelt Punkte. Das mag zynisch klingen, ist aber elementares Spielprinzip in Bulletstorm.

Das Energielasso ist Sekundärwaffe und schleudert Gegner hilflos in die Höhe.Das Energielasso ist Sekundärwaffe und schleudert Gegner hilflos in die Höhe.

Blutiges Schlachtfest mit Spiel

"Kill with skill" ("Töten mit Können") nennen das die Entwickler. Je kreativer ihr den Feind tötet, desto mehr Punkte bekommt ihr. Im Koop-Modus entwickelt sich dadurch ein Duell um Grausamkeit. Köpfe platzen, Arme fliegen, Haut verbrennt unter Starkstrom. Ihr ballert mit gängigem Mordwerkzeug wie Maschinengewehren und Shotguns oder abgedrehteren Waffen wie einer Armbrust mit Explosivgeschossen, tretet Widersachern unangenehm in die Magengegend oder rutscht über den Boden und fegt Feinde vom Boden. Dass dieses Spiel nicht den Weg in deutsche Händlerregale finden wird, scheint ausgemachte Sache der USK. Dennoch wird von Entwicklerseite betont, dass sich Blut und Effekte ausschalten lassen. Spielelemente kürzen kommt für Hersteller Electronic Arts trotzdem nicht in die Tüte. Bulletstorm wird damit wohl ein Fall für Import-Fans. Aber das kennen die Gears of War-Fans ja ohnehin nicht anders.

Die Fakten:

  • kreatives Töten wird belohnt
  • Schlauchshooter mit fetten Bossgegnern
  • enorme Waffenauswahl
  • ultrabrutal, trotz comichafter Grafik
  • kooperativ spielbar
  • Release in Deutschland ausgeschlossen

Meinung von Philip Ulc

Bulletstorm machte beim ersten Anspielen durchaus Spaß: Die Shooter-Mechanik ist solide, die Grafik phänomenal und die optisch drastisch dargestellte Brutalität hatte ihren Schauwert. Doch neben mehr als den augenscheinlichsten Merkmalen, nämlich Grafik und Gewalt, zeigte Entwickler People Can Fly nichts - keine spielerische Abwechslung, keine Taktik, keine Rätsel. Eher im Gegenteil: Die ständig in Horden auftauchenden Gegner nährten den Eindruck eines stumpfen Simpelshooters, dem schnell die kreativ-spielerische Puste ausgehen könnte - "Kill with Skill" zum Trotz.

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