Test Lionheart - King's Crusade - Seite 2

Zu Weihnachten gibts ein neues Kettenhemd.Zu Weihnachten gibts ein neues Kettenhemd.

Französische Kavallerie oder die deutschen Tempelritter?

Den höchsten Grad an Realismus erreicht das Spiel zwischen den Kämpfen. Dort entscheidet ihr, welche Verbündeten ihr unterstützt, um sich deren Vorteile zunutze zu machen. Gleichzeitig werden andere Fraktionen zwangsläufig enttäuscht und versagen ihre Hilfe. Wie im richtigen Leben spielen Macht, Intrigen und politisches Kalkül eine entscheidende Rolle über Sieg oder Niederlage. Eine hübsche Idee, denn zumindestens in den höheren Schwierigkeitsstufen sollte genau überlegt werden, wen man sich zum Freund macht und wen ihr vor den adeligen oder päpstlichen Kopf stoßt. Die Chance, aus diesen Machtkämpfen interessante Zwischensequenzen zu spinnen, lässt das Spiel jedoch völlig ungenutzt. Auf eine animierte Fortführung der Geschichte verzichtet es komplett.

Etwas anders sieht es in der Sarazenen-Kampagne aus. Dort sind sich alle einig über den Feind. Stattdessen können die gewonnenen Erfahrungspunkte in neue Truppenarten investiert werden. Der Feldzug läuft praktisch identisch ab und am Ende steht die Eroberung Jerusalems.

Eure Truppen drehen den Gegnern gerne mal den Rücken zu.Eure Truppen drehen den Gegnern gerne mal den Rücken zu.

Schon damals gab es Klonkriege

Die jeweiligen Figuren sind originalgetreu ausgerüstet und schön animiert. Allerdings haben die Entwickler scheinbar gedacht, dass die einzelnen Soldaten so beeindruckend sind, dass sie beliebig oft reproduziert werden können. Ein gepanzerter Ritter kann noch so glänzend daherkommen: Wenn er seinen Kameraden aufs Haar gleicht, wirkt das Ganze doch wieder eintönig. Ebenso wie die Bewegungen der Truppenteile. Ein ganzes Battalion Bogenschützen, das seine Pfeile völlig synchron abschießt, mag für den Prozessor angenehm sein, aber der Realismus bleibt auf der Strecke.

Auch die Landschaften retten nichts, denn ihr kämpft hauptsächlich in der Wüste. Und die ist und bleibt öde anzuschauen. Die wenigen zu erobernden Städte wirken wie aus immer den gleichen Bausteinen zusammengesetzt. Vor allen Dingen die Mauern sind einer aktuellen Grafik nicht würdig und sehen kaum besser aus als im Vorgänger Crusader Kings.

Manche Spielszenen würden auch auf Postkarten eine gute Figur machen.Manche Spielszenen würden auch auf Postkarten eine gute Figur machen.

Mehr für's Ohr, weniger fürs Auge

Trotz der recht anspruchslosen Grafik hat das Spiel ausgesprochen stark mit Leistungsproblemen zu kämpfen: Nichts drückt den Spielspass mehr, als Ruckler und Abstürze kurz vor dem Sieg. Große Truppenbewegungen führten im Test häufig zu einer Art Rundenstrategie. Ein Bild, zwei Sekunden warten, das nächste Bild. Ein flüssiger Ablauf schien ein wenig Glücksache zu sein.

Die Akustik wirkt dagegen sehr atmosphärisch. Das Stampfen der Infanterie, das Schwirren der Geschosshagel bringt echtes Schlachtenflair. Bei den Kommentaren der Hauptmänner auf einen Befehl hätte jedoch ein wenig mehr Abwechslung gut getan. Bei der Hintergrundmusik gibt es unauffällige, aber sehr stimmungsvolle Stücke, passend zur Zeit und zum Szenario.

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