Knights of the Temple: Infernal Crusade (PC)
Artikel veröffentlicht am 06.05.2004
Die Kreuzzüge. Eine heldenhafte Zeit oder im wahrsten Sinne des Wortes dunkelstes Mittelalter? Eine Frage, über die man sich wohl lange streiten könnte. Über eine Tatsache lässt sich allerdings nicht streiten. Selbst noch so emanzipierte, erwachsene Frauen finden kaum einen Traum schöner, als von einem gut aussehenden, edlen Recken auf seinem weißen Ross aus den Klauen des Bösen befreit zu werden. Es muss nicht mehr länger ein Traum sein, dem Spiele-Entwicklerteam Starbreeze ("Enclave") sei dank. Ob auch die Umsetzung ritterlich ist, gilt es noch herauszufinden. Wohlan, zum Kampfe! Von Daniel Frick
Ritter wie im Bilderbuch
Da hat der frisch geweihte Tempelritter Paul nun nach jahrelangem, hartem Training endlich seine erste Mission in der Tasche und schon läuft alles ganz gewaltig aus dem Ruder. Statt die tugendhafte Adelle wie erwartet im Kloster Belmont anzutreffen, von wo aus er sie eskortieren soll, wimmelt es dort von wahnsinnig gewordenen Mönchen. Schon schnell erfährt Paul, dass die schöne Adelle, eine holde Jungfrau erster Güte und gesegnet mit göttlicher Macht, dem abtrünnigen Lord Bischof als Opfer dienen soll, um die Pforten der Hölle zu öffnen. Einzig und allein vom Wunsch beseelt, diese düstere Zukunft fernzuhalten, macht er sich auf, die schöne Adelle zu befreien und die Ausgeburten der Hölle dahin zu schicken, wo sie hingehören.
Features
In 20 sehr linear und nicht besonders abwechslungsreich designten Levels kämpft sich Paul seinen Weg durchs Kloster, antike Städte im heiligen Land und sieht sich schließlich selbst Dämonen und Geistern direkt aus dem Abgrund gegenüber. Doch während unser Recke sich zu Beginn mit einem verrosteten Schwert und schwacher Brust nur einige Wachen und durchgeknallte Klosterbrüder vom Leib halten muss, kommen schon bald die ersten dicken Brocken auf einen zu. Doch obwohl der Anspruch an die Kämpfe schnell steigt, die übrigens von Anfang an nicht von Pappe sind, lernt unser Held schnell. Nach gescriptetem Ablauf erlernt er automatisch Kombos und Spezialattacken und erlangt immer größere und schlagkräftigere Waffen. Derer gibt es übrigens vier: Wahlweise vermöbeln wir die Bösewichte mit Schwert, Axt oder Streitkolben. Als Distanzwaffe steht noch der Bogen zur Verfügung, dessen Benutzung aber nur selten von Nöten und auch sonst nicht sehr hilfreich ist, zu umständlich ist seine Handhabung geraten. So kann Paul, hat er erst einmal seinen Bogen vom Rücken geschnallt, zwar noch seine Hände bewegen, um zu zielen, doch ansonsten steht er wie angewurzelt am Fleck, egal ob ihm die Pfeile um die Ohren schwirren und er lieber Deckung suchen sollte.
Anspruch oder eher nicht ?
Der Schwierigkeitsgrad lässt sich zu Beginn des Spiels auf eine von vier Stufen einstellen. Doch schon in der zweiten Stufe sind die Gegner alles andere als das für solche Spiele sonst übliche Kanonenfutter. Diese greifen in Wellen von zwei bis vier Gegnern an, umzingeln einen oder drängen einen in die Ecke, blocken die Angriffe unseres Tempelritters mit einem Schmunzeln locker ab, nur um mit einem Schrei zum Gegenangriff auszuholen. Die Tatsache, dass in der Regel innerhalb eines Levels nur einmal an einem festen Speicherpunkt abgespeichert werden kann, macht die Sache dann auch nicht gerade leichter. Doch entgegen eurer Befürchtungen ist kein Frust angesagt, wenn ihr selbst auch etwas Klasse an den Tag legt und die Gegner nicht nur mit immer den selben 2 stupiden Kommandos austricksen wollt. Schließlich stehen einem schon recht früh im Spiel 6 Kombo- und 4 Spezialattacken zur Verfügung. Außerdem lernt unser Gotteskrieger schon bald heilige Kräfte zu nutzen. Vor allem das Heilungsgebet ist sowohl nützlich als auch mehr als nötig, besonders in den höheren Levels. Dort kann man dann auch noch heiligen Schutz erflehen und seinen Gegnern das Leben mit Feuerbällen und Erdbebenwellen schwer machen.
Grandiose Animationen
Doch die Fähigkeiten und verschiedenen Waffen, die dem Spieler wohl die Illusion von Rollenspielelementen weismachen sollen, sind genauso schmückendes Beiwerk wie die gelegentlichen Rätsel, auch wenn diese richtig nett verpackt sind. Schließlich und endlich geht es bei "Knights of the Temple" um den Spaß. Sprich: Bösewichte am Fließband meucheln. Und das muss man den Jungs von Starbreeze lassen: Diesen Job haben sie mehr als gut gemacht. Denn das Hauptelement, die Kämpfe, sind vom Allerfeinsten. Hervorragend animiert macht da unser heiliger Ritter den Schurken den Garaus, dass es die reinste Freude ist, einfach nur zuzusehen. Ohne sich umzudrehen stößt er sein Schwert nach hinten, um den Gegner abzuwehren, der ihm in den Rücken fallen möchte. Windmühlenartige Schwungbewegungen durchdringen die schier felsenfeste Verteidigung der Opponenten und ist unser Held dann doch Mal umzingelt oder in eine Ecke gedrängt, holt er zum alles ummähenden Rundum-Schwinger aus.
Grafik, Sound, Atmosphäre
Über Grafik und Sound kann man nicht meckern. Nette Licht- und Schatteneffekte und ein eigens von der Band 'Within Temptation' komponierter Gothic-Soundtrack sorgen für düstere Mittelalter-Stimmung. Die Story wird zwischen den einzelnen Levels bekanntermaßen in stimmungsvollen Zwischensequenzen weiter erzählt, was die Spannung zusätzlich fördert. Die dynamische Kamera ist gelegentlich ein Störfaktor, vor allem dann, wenn beim Wechsel der Perspektive hinter der nächsten Kurve Gegner stehen oder sich ein Objekt befindet. Vor allem in den Kämpfen sorgt die sich vollautomatisch drehende und zoomende Kameransicht gelegentlich für mangelhafte Übersicht. Die große Stärke sind aber wie schon erwähnt die klasse animierten Kämpfe. Die machen einfach unglaublich Laune und stellen so den besonderen Reiz dar.
Fazit
von Daniel Frick
"Knights of the Temple" ist was es ist: Ein stimmungsvolles Hack & Slay-Action-Spiel, wie es sein sollte. Die Zutaten stimmen, vor allem die genialen Animationen der Kämpfe machen Stimmung und fordern gleichermaßen immer wieder heraus. Die Fähigkeiten und Kombos sind ebenfalls eine nette Idee, auch wenn die dynamische Entwicklung des Charakters genau wie das Leveldesign und eigentlich das ganze Spiel sehr, ja fast zu linear ablaufen. Die Spieldauer ist recht kurz geraten, wobei weitere Herausforderungen mit einem höheren Schweirigkeitsgrad sicherlich reizvoll sind. Denn die große Stärke des Spiels ist und bleibt die toll eingefangene Stimmung. Da stört es nicht wirklich sehr, daß inhaltlich nicht allzu viel rüberkommt.
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