Trackmania Sunrise (PC)
Artikel veröffentlicht am 18.05.2005
Neben Ego-Shootern dürften Rennspiele noch vor Strategiespielen zu den beliebtesten Computerspielen überhaupt gehören. Im letzten Jahr gab es für den PC jede Menge Rennspiele. Es waren etliche Überraschungen darunter, aber auch simple Kopien erfolgreicher waren am Start. Zweifellos zu ersterem dürfte "Trackmania" gehören, ein kniffliges Rennspiel der etwas anderen Art. Nun versucht Publisher Nadeo mit "Trackmania Sunrise" an den Überraschungshit anzuknüpfen und eine Serie zu etablieren. Von Daniel Frick
Ein Rennspiel der anderen Art
Nadeo setzt clever auf Inhalte und Features, die nicht unbedingt typisch sind für ein Rennspiel. Geschicklichkeit und Kombinationsgabe braucht man, je nachdem, welchen der 4 Modi man dann Spielen möchte in unterschiedlicher Gewichtung. Im Gegenzug wird der Realismus gänzlich geopfert, gewisser maßen als "überflüssiger Ballast". Denn während auf der Skala zwischen "Funracer" und "Rennsimulation" viele andere Rennspiele den Spagat in der Mitte versuchen. "Trackmania Sunrise" präsentiert sich als Funracer im ureigensten Sinne. Nicht in der schlechtesten Art und Weise, wohlgemerkt, und im Rahmen von "Fun" überaus abwechslungsreich. Neben 4 Singleplayer-Modi und des klassischen Online-Mulitplayer-Modus steht ein umfangreicher Editor und ein Mehrspieler-Modus für bis zu 8 Personen, die nacheinander an einem PC gegeneinander antreten. Dies passt zum Spielprinzip von "Trackmania Sunrise": Klassische Rennen gegen Computergegner gibt es nicht. Statt dessen fährt man gegen vorgegebene Bestzeiten in Gestalt von Ghost-Drivern oder aber gegen den Kampf, mit möglichst wenigen Versuchen, einen Hindernis-Parcours mit Sprüngen, Schikanen und einigem mehr zu absolvieren.
Die 4 Single-Player-Modi
Im Detail sieht das dann so aus: Im Modus "Rennen" geht es schlicht und ergreifend darum, eine Bestzeit zu erreichen. Die 3 vorgegebenen Bestzeiten zum Gewinner einer Bronze-, Silber- oder Goldmedaille fahren auf der Strecke als "Ghosts" mit. Da man aber eigentlich um eine Bestzeit fährt und die Ghosts über keine Kollisionsabfrage verfügen, fährt man de facto alleine. Zu Beginn ganz schön ungewohnt, weil man instinktiv ausweicht, werden sie mit der Zeit zu echten Motivationsspritzen: Man hat immer einen Anhaltspunkt, wie man gerade steht und braucht nicht immer nach der Stopuhr zu schielen. Gewöhnungsbedürftig blieb es für mich dennoch. Im Modus "Plattform" geht es darum, einen Parcours auf einer Plattform mit Sprüngen zu absolvieren, und das mit möglichst wenigen Versuchen. Beim Modus "Crazy" gilt es, Rennstrecken mit Loopings und Halfpipe-ähnlichen Sprungschanzen zu absolvieren, ebenfalls mit möglichst wenigen Versuchen. Der Modus "Puzzle" bietet eine besonders gute Idee: Hier muss man eine "löchrige" Strecke mit einer begrenzten Menge von Streckenbauteilen komplettieren und dann mit dem Rennwagen abschließen.
Multiplayer-Modus und Streckeneditor
Immer mehr Bedeutung erlangen auch bei Rennspielen Multiplayer-Modi. Mit den mitgelieferten Streckeneditoren können eigene Levels gebaut werden und man kann diese im Internet mit anderen Spielern tauschen und gegeneinander antreten. Hier knüpft "Trackmania Sunrise" an und stellt genau diese Funktionen zur Verfügung. Der mitgelieferte Editor bietet 400 Elemente und lässt keine Wünsche offen. Mit dem integrierten Media-Tracker kann man dann auch noch "Filmregisseur" spielen. Und das geht so. Nach dem Bau einer Strecke kann man mit dem Media-Tracker an jeweils 3 festgesetzten Punkten (Start, während dem Rennen und im Ziel) "Videos" einbauen. So kann man zum Beispiel zu Beginn des Rennens auf unterschiedliche Art und Weise über die Strecke fliegen. Auch kann man während dem Rennen mit einem platzierten Auslöser eine Zwischensequenz einfügen. So aufgepeppt machen die erstellten Rennstrecken noch mehr her und bestechen nicht nur durch ausgeflippte Ideen, sondern auch durch eine tolle Präsentation. Die selbst erstellten Strecken können dann im Internet ausgetauscht werden. Eine ebenfalls nette Idee ist der "Hot Seat Modus". Analog einem Split-Screen Modus können hier an einem PC bis zu 8 Spieler nacheinander um die beste Zeit kämpfen. Der Mulitplayer-Part sowie der Editor bieten tolle Abwechslung und eine hohe Langzeitmotivation durch neue Herausforderer und Strecken. Toll!
Grafik, Sound und Präsentation
Die grafische Aufmachung von "Trackmania Sunrise" besticht durch ein von mir jetzt mal als "Pop-Grafik" bezeichnetes Design. In 3 verschiedenen Umgebungen (Insel, Küste, Bucht) mit je 4 Tageszeiten passt sich die optische Präsentation ins Gesamtbild ein. Gut soll's aussehen, und nicht unbedingt realistisch; und auch das ist gelungen. Palmen, Buchten und Abenddämmerungen schimmern in satten, phantastischen Farben und man neigt fast dazu anzunehmen, die Programmierer hätten sich das Ziel gesetzt, sich ganz bewusst von der immer besser werdenden Grafik in Rennspielen abzugrenzen. So erinnert mich das Spiel mit den zum Teil grellen Farben was die Optik betrifft an Rennspielklassiker auf Spielhallen-Automaten, bei denen ja neben der Grafik auch Spaß und Geschwindigkeit schon immer im Vordergrund standen. Die 3 verschiedenen Autos können farblich verändert werden, sie entscheiden sich im Fahrverhalten und der Geschwindigkeit erheblich voneinander, lassen sich aber mit etwas Übung sehr gut steuern. Lediglich der Sound kommt etwas schwach daher, aber das ist auch der einzige Punkt, der die Brillanz der ansonsten sehr gelungenen Gesamtpräsentation etwas schmälert.
Fazit
von Daniel Frick
"Trackmania Sunrise" ist was es ist und versucht erst gar nicht, den Simulationsanteil eines Rennspiels gemeinsam mit dem Spaßfaktor unter einen Hut zu bringen. Mit den zahlreichen innovativen Ideen, der sehr gelungenen Gesamtpräsentation und einem mutigen Konzept haben die Programmierer ein frisches Produkt für erstklassige Unterhaltung entwickelt. Geschwindigkeit, optische Opulenz und jede Menge geschicklichkeitslastiger Spielspaß sind garantiert. Bei all den konzeptionellen Zugeständnissen an den Realismus fehlt mir persönlich aber trotz allem positivem das "Rennfeeling". Nie wäre ich auf die Idee gekommen, mein Lenkrad anzuschließen. Durch die gelungene Mischung dürften sich aber Action-und-Fun-Rennfahrer ebenso angesprochen fühlen wie Geschicklichkeits-Fans. Und die wahren Simulationsfans spielen dann eben "GTR" oder warten auf "Juiced". In diesem Sinne: Ich muss noch ein paar Goldmedaillen holen und meine Bestzeiten im "Rennmodus" noch etwas aufmöbeln...
Disclaimer: © 1998-2012 Spieletipps.de GmbH. Nutzung nur für den privaten Gebrauch! Vervielfältigung sowie Reproduktion ist nur nach schriftlicher Genehmigung gestattet.



