Dark Planet (PC)
Artikel veröffentlicht am 01.04.2003
Mit "Dark Planet: Battle for Natrolis" wurde das Echtzeit-Strategiegenre um einen weiteren Titel ergänzt. Inwieweit das Werk des Entwicklerteams "Edgies" für neuen Schwung im Genre sorgt, könnt ihr in unserem Bericht lesen. Von Christian Meyer
Der nukleare Winter ist vorbei...
... und schon beginnen wieder Auseinandersetzungen und Kriege zwischen den verschiedenen Völkern des Planeten Natrolis um sich die knappen Ressourcen des Planeten für das eigene Überleben zu sichern. In dem Echtzeit-Strategiespiel werden dem Spieler die Auseinandersetzungen anhand von drei verschiedenen Kampagnen näher gebracht. Jedes einzelne der drei Völker hat eine eigene Kampagne. Ob man nun zu Beginn die Rasse der Sorin, einer hoch entwickelten Echsenart, wählt, den Stamm der Dreil, einer außerirdischen Spezies für sich entdeckt oder sich für das Volk der Kolonisten Corps, welches sich aus Menschen zusammensetzt, entscheidet, ist dem Spieler selbst überlassen. Die drei Kampagnen sind vom Schwierigkeitsgrad sehr gut aufgebaut. Zu Anfang wird man in einem optional wählbaren Tutorial in die Künste der Errichtung einer Zivilisation sehr verständlich eingeführt. Die Geschichte wird im späteren Verlauf durch Screens vermittelt, die vor dem jeweils nächsten Level eingeblendet werden, was gut gelungen ist. Der Anstieg des Schwierigkeitsgrades ist sehr gut gewählt und passt zu den mit der Spielzeit steigenden Fähigkeiten des Spielers. So wirkt das Spiel fast nie zu schwierig oder zu leicht.
Quantität statt Qualität?
Diese Frage müssen sich die Entwickler von Edgies wohl gefallen lassen, denn es wurde versäumt, das gute Konzept der Gebäude-Upgrades auf die Einheiten zu übertragen. Daher ist es in vielen Missionen zu leicht möglich, mit einer riesigen Armee eines Einheitentyps die Mission erfolgreich zu gestalten, sprich den Gegner zu besiegen. Dies wiegt besonders schwer, da es generell zu oft nur das Ziel ist den Gegner zu zerstören. Daher reicht es eigentlich immer aus immens viele Rohstoffe zu sammeln um nur genügend viele Einheiten für den Kampf zu bauen. Dazu ist es durch sehr niedrige Kosten für Arbeiter, die die Rohstoffe sammeln, sehr einfach viele Rohstoffe zu ergattern. Dagegen ist das Rohstoffsystem sehr anspruchsvoll gestaltet, denn es gibt sechs verschiedene Arten von Rohstoffen. Dies sind drei Grundrohstoffe und jeweils für jedes Volk eine spezifische Ressourcenart. Die drei Grundressourcen sind Holz (benötigt von Sorin und Dreil), Kristallerz (benötigt von Dreil und Kolonisten) und Stein (benötigt von Kolonisten und Sorin). Dazu kommen die Ressourcen der Energie für die Kolonisten, die durch so genannte geothermische Gase gewonnen wird, der Glaube für die Sorin, der durch Beten oder die Seelen besiegter Feinde gewonnen wird und die organische Energie der Dreil, die durch in Kokons eingesponnenen Feinden hergestellt wird.
Die Umwelt lebt!
Durch das abwechslungsreiche Leveldesign kommt fast nie Langeweile während einer Mission auf. Dies schafften die Entwickler von Edgies, indem sie durchgehend neue Tiere und Kreaturen abseits des Spielgeschehens auftreten lassen, was die Spielatmosphäre verbessert. So kann man schon mal mit ansehen wie ein wilder Sorin (Die Urform des Sorin) einen anderen wilden Sorin verhaut. Doch wenn ein wildes Tier die eigene Einheit angreift ist der Spaß meist schnell vorbei. Da dies sehr häufig im Laufe des Spiels vorkommt versetzt es dem Spielspaß nach einiger Zeit einen leichten Dämpfer. Zu erwähnen in dieser Hinsicht ist noch, dass die Tiere auch noch vom Spielgeschehen entfernt ein komplett eigenständiges Leben führen, wodurch an einigen Stellen der Karte Versammlungen von Tieren stattfinden und dort dann regelrechte Schlachten der Tiere von Statten gehen.
Multiplayer
Dark Planet verfügt über einen Standard Multiplayerpart, der sich durch im Echtzeitstrategiegenre neuartige Modi sich hervorhebt. So sind neben dem standardmäßigen Geplänkelspiel, welches das Ziel der Zerstörung des Gegners in den Vordergrund rückt, auch die von Taktik- und Ego- Shootern bekannten Modi Capture the Flag, wobei man die Aufgabe hat, eine Flagge aus der gegnerischen Basis oder einem anderen Punkt der Karte in die eigene Basis zu transportieren. Auch der Domination-Modus, wo es gilt bestimmte Punkte der Karte zu besetzen und im Anschluss gegen die gegnerischen Horden zu verteidigen, bringt frischen Wind in den Multiplayer-Modus. Hierzu kommt noch der Kooperationsmodus als eine weitere Neuerung in diesem Genre. So können bis zu acht Spieler die Kampagnen gemeinsam bewältigen. Dabei passt sich das Spiel der Menge der Teilnehmer an und vergrößert entsprechend der Anzahl der Spieler, die Karte und die Anzahl der Gegner bzw. Ziele. In den Modi Geplänkel, Capture the Flag und Domination gibt es eine Vielzahl veränderbarer Optionen, die es ermöglichen das Spiel nach seinen eigenen Bedürfnissen zu gestalten. So ist durch die vielen verschiedenen Modi stundenlanger Multiplayerspaß garantiert. Da heißt es nur noch genügend Gegner und Verbündete für die Multiplayerpartien zu finden und loszulegen.
Atmosphäre
Die Grafik glänzt vor allem bei der Darstellung von Spezialeffekten. So sieht eine Explosion eines Gebäudes, was manchmal etwas übertrieben wirkt, sehr gut aus. Etwas verbesserungswürdig wäre die Menge der Details von manchen Gebäuden und Einheiten. So sehen einige Einheiten und Gebäude teilweise sehr lieblos gestaltet aus. In Titeln wie diesen, die Anspruch auf den Genrethron haben, sollte man schon etwas mehr Liebe zum Detail walten lassen. So kommen auch meist die Animationen der Einheiten nicht an "WarCraft 3" heran. Lobend zu erwähnen ist, dass stufenloses Zoomen möglich ist, man die Sicht in 90° Schritten drehen kann und die Ansicht beliebig nach vorne bzw. nach hinten gekippt werden kann. Das Spiel ist trotz der Verwendung von 3D-Grafiken sehr übersichtlich geworden und lässt in dieser Hinsicht auch bei größeren Gefechten mit vielen Einheiten keine Wünsche offen. Der Sound ist am Anfang des Spiels noch sehr ungewohnt. Doch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hören sich die Musik und die Effekte gut an. Allerdings beginnt der Sound nach einiger Zeit zu stören, da immer die gleichen Soundeffekte und die gleiche Musik ertönt. Dies ist das einzige Manko des Sounds.
Fazit
von Christian Meyer
Das Echtzeitstrategie-Genre hat mit "Dark Planet: Battle for Natrolis" einen weiteren Titel dazu gewonnen, den man in das obere Mittelfeld einordnen kann. Mit Konkurrenten wie "WarCraft 3" kann das Spiel nicht mithalten, ist aber trotzdem ein Titel, mit dem man einige Stunden vor dem PC verbringen kann. Allerdings finde ich die innovative Idee der verschiedenen Multiplayermodi aus dem Bereich der Taktik- und Ego- Shooter sehr gut. Ich denke, dass man diese Modi eventuell sogar in den kommenden Echtzeitstrategie-Hits wieder finden könnte. Eine Überlegung wäre es allemal wert! Alles in allem ist es sicher für absolute Fans dieses Genres eine Überlegung wert, sich das Spiel anzuschaffen. Für Neulinge ist es weniger empfehlenswert, hier ist die Genre-Referenz "WarCraft 3" sicherlich die bessere Wahl.
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