Special 25 Jahre Mega Man: Kampfmaschine mit Kindchenschema

von Christian Detje (21. Dezember 2012)

Mega Man feiert Geburtstag! Aber kennt ihn überhaupt noch jemand? Vor zwei Jahren scheint Capcom sein einstiges Maskottchen ausgemustert zu haben. Was ist da bloß passiert?

Keiji Inafune erfindet zwar nicht Mega Man, aber den größten Teil seiner Welt.Keiji Inafune erfindet zwar nicht Mega Man, aber den größten Teil seiner Welt.

Haben Roboter überhaupt einen Geburtstag? Wohl eher nicht, denn Mutter und Vater spielen bei ihrer Herstellung nur selten eine Rolle. Stattdessen haben sie ein Konstruktionsdatum.

Das klingt unangenehm kühl und furchtbar technisch. Dabei ist Mega Man neben R2D2 und Wall-E der Roboter mit dem größten Herzen. Er hat nicht nur mehr als hundertmal die Welt gerettet, sondern ihr auch eine ganze Reihe von neuartigen Spielelementen spendiert.

Die Spielergemeinde verdankt Mega Mans Existenz dem Einfallsreichtum dreier Männer - zwei faltigen Alten mit Krawatte und Laborkittel und einem ganz jungen mit T-Shirt und gegelten Haaren. Der junge heißt Keiji Inafune und ist erst 22 Jahre alt, als er Mitte 1987 kurz nach seinem Uniabschluss zu einer von Capcoms Entwicklergruppen stößt.

Zu einer ganz kleinen, die sich ein möglichst innovatives Spiel für Nintendos NES ausdenken soll. Mit Inafune zusammen ist die Mannschaft ganze sechs Mann stark und entsprechend gefragt sind gute Ideen.

Der Neue wird's schon richten

Der Chefentwickler zeigt Inafune unfertige Skizzen von kindlich anmutenden Robotern und einem Greis, der aussieht wie der Weihnachtsmann als Chemielaborant. Der blaue Roboter soll der Held des neuen Spiels werden, vertraut der Chef seinem Mitarbeiter an.

Ohne seinen Helm sieht Mega Man fast wie ein normaler Junge aus.Ohne seinen Helm sieht Mega Man fast wie ein normaler Junge aus.

Die Erfindung der Figur Mega Man schreiben Anhänger zwar häufig ihrem Idol Keiji Inafune zu - tatsächlich denkt er sich zwar fast alle Freunde und Feinde von Mega Man aus, ihn selbst jedoch nicht. Inafune erinnert sich gerne daran, wie er die ersten Skizzen zu Elec Man angefertigt hat, seinem ersten selbst erdachten Robotermeister.

Das Konzept der Mega-Man-Serie ist in seiner Einfachheit genial und besteht bis zum neuesten Teil der Serie nahezu unverändert fort: Das Spiel Mega Man gilt als erstes nicht linear verlaufendes Abenteuer.

Es läutet für NES die dritte Revolution innerhalb von gut zwei Jahren ein. 1985 schlug mit Super Mario Bros. die Geburtsstunde des modernen Hüpfspiels mit vergleichsweise riesigen, flüssig scrollenden Levels.

Viele Wege führen zu Wily

The Legend of Zelda (1987) ist 1986 das erste sogenannte Open-World-Abenteuer, ein Spiel mit einer großen zusammenhängenden Landkarte. In welcher Reihenfolge Link die Kerkermeister in den Verliesen ausschaltet, ist aber gleichwohl größtenteils vorgegeben.

Der klassische Levelauswahl-Bildschirm. Sind alle weg, erscheint Wily in der Mitte.Der klassische Levelauswahl-Bildschirm. Sind alle weg, erscheint Wily in der Mitte.

Mega Man lässt dem Spieler die Wahl. Er bestimmt völlig unbeeinflusst, in welchem der sechs (ab Mega Man 2: acht) Levels er zuerst nach dem Rechten sieht. Der zugehörige Auswahlbildschirm ist ein Stereotyp der Mega-Man-Spiele und im Internetzeitalter eine Zielscheibe für Parodien.

Am Ende jedes Levels wartet einer der skurrilen Robotermeister, äußerlich halbstarke Wichtigtuer in albernen Kostümen. Aber eigentlich sind es hocheffizient programmierte Kampfroboter mit Waffen, die vom simplen Rasiermesser über den Juwelensatelliten bis zur Schlangenkanone reichen.

Ja, richtig gelesen, eine Kanone, die Schlangen verschießt, allerdings mechanische. Was ungeahnte Freiheit verspricht, mutet euch auf der anderen Seite aber auch ein zeitraubendes Rätsel zu.


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