Call Of Duty 4 - Modern Warfare (PC)
Artikel veröffentlicht am 10.11.2007
Vorbei sind die Zeiten, in denen ihr zum x-ten Mal Bauernhöfe in der Normandie von den Deutschen befreien müsst oder beim D-Day am Omaha Beach zu kämpfen habt. Das WKII-Setting ist beim neuen Ableger der beliebten "Call of Duty"-Reihe endlich passè, stattdessen geht es in Teil 4, wie schon der Untertitel verlauten lässt, um moderne Kriegsführung. Der Kriegs-Shooter der neuen Generation schlägt jedenfalls ein wie eine Bombe und lässt uns oft nur staunend zurück. Wie sich das Genrehighlight spielt, klärt unser Test. Von Philipp Schneider
PC oder Konsole?
Zunächst einmal können PC-Besitzer aufatmen. Denn nachdem Teil 3 nur für die Xbox360 und später für die PS3 erschienen ist, kommt "Call of Duty 4: Modern Warfare" auch wieder für den Computer heraus. Bis auf minimale optische Unterschiede sind Konsolen- als auch PC-Fassung aber absolut identisch, so dass letztlich das bevorzugte Steuerungskonzept den Ausschlag geben sollte, falls ihr die Wahl habt. Aufgrund der kinoreifen Präsentation des Titels macht "Call of Duty 4" unserer Meinung nach aber den meisten Spaß auf einem großen Fernseher und einer angeschlossenen 5.1 Soundanlage.
Die Gefahr lauert überall
Anders als die Vorgänger versucht "Modern Warfare" sogar eine richtig spannende Geschichte zu erzählen. Ausgangspunkt ist der russische Terrorist Sakajew, der Mütterchen Russland wieder zur Weltmacht führen möchte. Der Plan dahinter ist allerdings perfide: Während Sakajew einen Anschlag auf die amerikanische Ostküste plant, sollen die USA durch einen Konflikt im Mittleren Osten abgelenkt werden, indem sie ihrem Ruf als Weltpolizei gerecht werden. Ihr erlebt die Geschichte aus gleich drei verschiedenen Perspektiven: Da wäre zunächst der US-Marine Paul Jackson, der in einem fiktiven Staat im Mittleren Osten mit der US-Armee für Ruhe und Ordnung zu sorgen hat. Gleichzeitig kümmert sich die britische Elitetruppe der Special Air Service (kurz SAS) um den russischen Terroristen. Hier schlüpft ihr in die Rollen von Sergeant McTavish und Captain Price.
Frachter in Seenot, Spielspaß ohne Grenzen
Da das Spiel nach fast jeder Mission den Helden wechselt, werdet ihr immer wieder ziemlich abrupt in einen neuen Storyzweig eingeführt. Doch sobald der erste Schuss fällt, wisst ihr, wer die Feinde sind und was zu tun ist. Wie schon bei den Vorgängern, die im 2. Weltkrieg spielten, haben die Entwickler abermals eine unglaublich packende Atmosphäre erschaffen. Schon die erste Spielstunde wird euch lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Zunächst werdet ihr auf einem großen Tanker mitten auf stürmischer See abgesetzt und müsst ein atomares Päckchen an euch nehmen. Dummerweise beginnt das Schiff kurzerhand zu sinken und ihr müsst innerhalb weniger Sekunden aus dem Frachtraum entkommen und an Deck in einen fliegenden Heli springen, wobei euch der Seegang und der schief liegende Frachter die Flucht stark erschweren. Noch während ihr nach Luft schnappt, um den actionreichen Beginn zu verarbeiten, befindet ihr euch plötzlich in der Haut eines arabischen Präsidenten, der als Gefangener quer durch die Straßen einer Stadt gefahren wird, in der überall der Krieg tobt. Nach diesen Eindrücken von der Rückbank eines Autos wird der Präsident dann auf einem Platz kurzerhand exekutiert. Das Ganze erlebt ihr aus der Ego-Ansicht, wodurch ihr mitten drin im Geschehen seid und schon ein paar Mal richtig zu schlucken habt.
Feind von oben
Solche emotionalen und gleichermaßen schockierenden Ereignisse gibt es bei "Call of Duty 4" im Rahmen der Solokampagne am Fließband. Das Spiel schickt euch gnadenlos über die Schlachtfelder und lässt euch keine Zeit, um Atem zu holen. Ständig passiert irgendetwas, ob nun ein Kamerad kurz vor euch mit einem Kopfschuss getötet wird oder ihr plötzlich unter Feindbeschuss von einer Brücke geratet; was "Modern Warfare" für ein Actionfeuerwerk hier abbrennt, ist absolut einzigartig und macht den größten Reiz des Shooters aus.
Geskriptete Perfektion
Dabei ist das Gameplay natürlich auch aller Ehren wert. In bester Shootertradition feuert ihr mit modernen Schießeisen auf die Terroristen, werft Granaten oder weicht feindlichen Granaten aus und sucht euch strategisch günstige Positionen, um den Gegnerscharen Herr zu werden. Sowohl die eigenen Teamkameraden als auch die Feinde verhalten sich sehr clever. Geschickt umgehen euch die Widersacher oder beharken euch von zwei Seiten gleichzeitig. Sicherlich mögen viele der Angriffe geskriptet sein, etwa wenn plötzlich auf einem nahen Dach ein Raketenwerfer auftaucht. Doch in der Hektik des Kampfes bleibt kaum Zeit darüber nachzudenken.
Pressefreiheit war gestern
Trotz des Effektoverkills bleibt das Spiel stets fair. Regelmäßige Checkpoints bringen euch nach einem Ableben schnell wieder zurück aufs Schlachtfeld; zudem dürft ihr den Schwierigkeitsgrad frei wählen. Interessant: Im Rahmen des Tutorials schätzt "Call of Duty 4" eure Spielstärke ein und schlägt einen passenden Schwierigkeitsgrad vor. Selbst auf der einfachsten Stufe werdet ihr allerdings durchaus gefordert werden, wie beispielsweise bei einem Einsatz in einer TV-Station. Mitten im Nachrichtenstudio liefert ihr euch mit den Terroristen eine minutenlange Schießerei. Am Ende steht kein Computer und Fernsehschirm mehr an Ort und Stelle. Das liegt auch daran, dass die Physik nun noch akkurater arbeitet. Selbst hinter Mauern dürft ihr euch nun nicht mehr sicher sein. Starke Waffen durchdringen Zäune oder Häuserwände spielend.
8 Stunden Krieg - 8 Jahre gealtert
Es fällt uns schwer, überhaupt schwerwiegende Kritikpunkte bei dem Actionfeuerwerk zu finden. Sicherlich lässt die Geschichte kaum ein Klischee des Terrorismus aus und die Levels sind extrem linear designt. Außerdem ist die Spielzeit mit gerade einmal acht Stunden nicht allzu lang ausgefallen. Dafür dürften diese acht Stunden die beeindruckendsten eurer Videospielkarriere sein. Zudem hat "Call of Duty 4" neben der Einzelspielerkampagne natürlich auch noch einen umfangreichen Mehrspielerpart zu bieten. In gleich fünf verschiedenen Modi kämpft ihr auf 16 abwechslungsreichen Maps gegen andere menschliche Mitspieler. Ein motivierendes Erfahrungssystem sorgt etwa dafür, dass ihr später neue Visiere für eure Waffen erhaltet oder ihr mit eurem Helden schneller laufen könnt. Auch eine klasse Idee ist die "Kill Cam", die euch nach jedem Ableben zeigt, wer dafür verantwortlich ist. Und da Rache bekanntlich süß ist, dürfte klar sein, gegen welchen Rivalen ihr in der nächsten Runde besonders eifrig zur Sache geht.
Moderne Kriegsführung in moderner Grafik
In einem Sumpf müßt ihr einen zerstörten Panzer verteidigen, mehrere Minuten rollen die Feindwellen.Wie kein zweites Spiel lebt "Call of Duty 4 - Modern Warfare" von der packenden Präsentation. Viele der phänomenalen Szenen würden ohne die Next Gen-Grafik kaum derart klasse herüberkommen. Die Optik leistet sich im Grunde keine Aussetzer und sieht sowohl auf dem PC als auch der 360 in allen Bereichen superb aus, seien es nun die beeindruckenden Lichteffekte, die realistischen Animationen von Freund und Feind oder die detailverliebten Straßenzüge. Wohl nur "Crysis" wird in diesem Jahr optisch ein ähnliches Kaliber auffahren können. Auch wenn es fast nicht geht, besser ist sogar noch der Sound. Sehr gute deutsche Sprecher und die knalligen Explosions- sowie Waffengeräusche geben der Action den nötigen Wumms. Zudem untermalt ein stimmungsvoller Soundtrack das Geschehen.
Fazit
von Philipp Schneider
Ein ganz dickes Lob gibt es für die Entwickler zunächst schon mal für den Settingwechsel, noch einen Shooter im 2. Weltkrieg hätte es wirklich nicht gebraucht. Da euch "Call of Duty 4" sogar noch eine spannende Geschichte auftischt, machen die, wie gewohnt, perfekt inszenierten Kämpfe gleich doppelt so viel Spaß. Aussetzer leistet sich der Titel bis auf die vielleicht etwas kurze Solospielzeit überhaupt nicht, so dass ihr hier einen der besten und intensivsten Ego-Shooter überhaupt erleben dürft, angefangen von der Präsentation über die abwechslungsreichen Schauplätze und die perfekt zu steuernden Schießereien bis hin zum tollen Mehrspielerpart: hier passt einfach alles. Und bevor die Frage aufkommt, welchen der beiden neuen Topshooter (CoD 4 oder Crysis) ihr spielen sollt: natürlich beide!

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