Test Ryse - Son of Rome im Test: Der Tag an dem Rom fiel

von Joachim Hesse (22. November 2013)

Ihr habt euch eine Xbox One zugelegt und sucht nach exklusiven Spielen? Nun, da seid ihr bei Ryse - Son of Rome richtig. Das war es aber auch schon fast mit den guten Nachrichten.

Ryse - es sieht gut aus.Ryse - es sieht gut aus.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Ryse kommt zur rechten Zeit. Punktlandung. Genau jetzt beeindruckt die Mimik der Figuren, zaubern im Sonnenschein glänzende Rüstungen einen Freudenschimmer in die Augenwinkel. Das Römer-Epos versprüht den Duft der neuen Konsolengeneration. Herrlich! Atmet ihr jedoch länger ein, fehlt die persönliche Note. Manchmal ist ein Spiel eben doch nur die Summe seiner Teile.

"Erhebe dich, Sohn Roms! Dein Reich braucht dich!", hallen in eurem Schädel die Worte der Geisterfrau, die da spärlich bekleidet mit wallender blonder Mähne über euch schwebt. So ähnlich dürfte es wohl aussehen, falls Peter Jackson irgendwann Ben Hur neu verfilmen sollte und Jason Statham die Hauptrolle spielt. Euer virtuelles Ich liegt nach harter Schlacht (Knöpfchenhämmern) am Boden. Verwundet, erschöpft, besiegt. Ihr und der geschundene Körper des Helden Marius Titus geben sich der Zwischensequenz hin.

Ryse - Son of Rome wirkt mitunter mehr wie ein Film als ein Spiel. Filmspiel statt Spielfilm sozusagen. Ihr lauscht ausufernden Dialogen, die ihr meist nicht überspringen könnt. Hat solcher Zwang schon jemals Spieler zufriedener gemacht?

Manchmal dürft ihr mit Marius bei solchen Handlungsinjektionen auch durch die Gegend schlendern, während das Joypad jede andere Art von Befehl verweigert. Dieses "Spiel mit angezogener Handbremse", dieser Anstrich von Aktivität, bremst schon in Call of Duty - Ghosts oder Assassin's Creed das Spieltempo auf die Vorgaben der Entwickler runter. Gassi gehen statt zu spielen ist modern.

Zum Glück klingen in Ryse die deutschen Sprecher exzellent. Und die Schlachten des alten Roms sind noch nicht bis zur Bewusstlosigkeit ausgelutscht wie etwa der Zweite Weltkrieg oder irgendwelche Fehden zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China. Nero durch Rom geleiten? Im Kolosseum das Volk zur Ekstase treiben? Barbaren in York abschlachten? Coole Wurst! Das tröstet zunächst über Vieles hinweg.

Sterben und sterben lassen

Für das Szenario dürft ihr dem Frankfurter Entwickler Crytek (Far Cry, Crysis 3) also dankbar sein. Im Abspann steht, dass es sieben Jahre gedauert hat, bis die Idee zum fertigen Spiel gereift ist. Herausgekommen ist optisch eine Art Herr der Ringe ohne Orks.

Spielerisch erwartet euch hingegen Final Fight-Stangenware mit einer Prise God of War - kurz: Kloppen bis das Kurzschwert glüht! Ab und an, dürft ihr auch einen Speer werfen.

Ein bisschen einfallsreicher hätte das Kampfsystem nach der langen Reifephase gerne ausfallen dürfen. Im Grunde drückt ihr im Takt auf drei bis vier Knöpfen herum, bis eine Spielfigur blutend am Boden liegt und weint. Mit "X" und "Y" verdrescht ihr Angreifer, aus der Gefahrenzone rollt ihr mit "B". Entscheidend sind die Konter, die ihr über die "A"-Taste einleitet: Sobald euch mehr als drei Gegner umringen, kommt es hauptsächlich darauf an, dass ihr im entscheidenden Moment blockt und danach schnell zurück schlagt. So könnt ihr auch mehrere Angriffe zu Ketten kombinieren.

Kurz vor dem K.O. blendet das Spiel einen Totenkopf über dem angeschlagenen Feind ein. Mit RT, der Abzugtaste am rechten Zeigefinger, startet Ryse seinen integrierten Gewaltporno: Hinrichtungen in Zeitlupe. Die dürften vor allen Dingen Jugendlichen gefallen, die aber Ryse nach dem Willen der USK gar nicht spielen dürfen.

Abgetrennte Arme, Klingen in der Magengrube und Kehlenschnitte, das kommt gut an auf dem Pausenhof. Richtig derbe wirken die Aktionen allerdings nicht, denn nennenswerte Schadenstexturen fehlen (von besagten Armen abgesehen).

Da geht sie hin, die Karriere als Hand-Model.Da geht sie hin, die Karriere als Hand-Model.

Wenn euer Schwert in eine Schulter kracht, spritzt zwar eine Pixelblutfontäne, der Hieb hinterlässt jedoch keine Wunde. Da sind die Zuschauer der Fernsehserie Spartacus Expliziteres gewohnt. Im ganzen Spiel wartet gerade mal ein abgetrennter Kopf auf euch. Auch die schmucken Römerrüstungen verlieren nie ihren Stempelglanz. Besser hätte es auch Meister Proper nicht hinbekommen.

Um die Hinrichtungen in den Spielfluss einzubetten, leuchten die Feinde in der Zeitlupe vor jedem Schlag gelb oder blau: Das Signal für euch, die entsprechende Taste zu drücken. Je schneller ihr das hinbekommt, desto mehr Erfahrungspunkte, Energie und so weiter sackt ihr dafür ein. Mit den im Kampf verdienten "Ehre"-Punkten kauft ihr zusätzliche Hinrichtungen und verbessert eure Spielfigur. Mit Echtgeld könnt ihr euch aber nach und nach auch so einen Superheld zusammenkaufen.

Weiter mit: Kinect 2.0 und Kooperativ-Modus

Inhalt

Tags: Singleplayer   Koop-Modus   Multiplayer  

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