25 Jahre Game Boy: Die schilfgrüne Revolution - NES für unterwegs und Köderspiel

(Special)

Ein NES für unterwegs

Mag Yamauchis Antwort auch gewohnt patzig gewesen sein, so enthält sie doch eine versteckte Anerkennung: „Wenn jemand weiß, wie das Ding aussehen muss, mit dem wir unsere Gegner ausschalten, dann sind Sie das!“, lautet der Satz, den auszusprechen ihm nur die Eitelkeit verbietet.

Die Werbung stellt den Game Boy 1989 möglichst futuristisch dar.Die Werbung stellt den Game Boy 1989 möglichst futuristisch dar.

Aber damit hat der Nintendo-Boss vollkommen recht: Yokoi weiß tatsächlich schon präziser, als er selbst ahnt, was die tragbare Konsole können sollte, um sich von ihren Herausforderern abzuheben. Auch weiß er, was er lieber weglässt, damit das Gerät nicht zu teuer wird.

Eigentlich genau die gleichen Voraussetzungen wie damals bei der Entwicklung des NES – und das ist es auch, was Yokoi erreichen möchte: eine Art NES für unterwegs zu erfinden, einen kleinen Bruder für den großen grauen Spielekasten für Zuhause.

Und damit ist der Name dieses kleinen Bruders geboren: Das neue Gerät wirkt wie ein leichtfüßiger Junge gegenüber den behäbigen Heimkonsolen-Pendants, wie ein ... ja, im Grunde wie ein Game Boy.

Mit Grün und Grau gegen bunte Farbenpracht

Klein, billig, leicht und haltbar soll er sein, dieser Game Boy. Die Dritthersteller will Yokoi mit besonders simplen Mechanismen für die Entwicklung neuer Spiele ködern. Damit der Game Boy gleich ans vielgepriesene NES denken lässt, kopiert Yokoi die Knöpfe von dessen Controller fast unverändert auf das Gehäuse der Handkonsole.

Gegen diese Grafikmacht von Segas Game Gear soll der spartanische Game Boy ankommen? Na, denn mal zu!Gegen diese Grafikmacht von Segas Game Gear soll der spartanische Game Boy ankommen? Na, denn mal zu!

Die Monate vergehen und allmählich reift in den schmucklosen Hallen der Abteilung R&D 1 ein ungemein robustes Stück Hardware heran. So minimalistisch wie genial, so selbstverständlich wie bezaubernd. Fast alle Risiken eines Fehlschlags hat Yokoi lässig gebannt: Der Game Boy kostet weniger als halb so viel wie die Konkurrenzprodukte von Sega und Atari, läuft mit weniger Batterien mindestens dreimal so lange und sieht auch noch besser aus.

Nur wer die neue Nintendo-Konsole einschaltet, der wird Yokoi mutig oder auch übermütig nennen, denn mit seinen vier trostlosen Grüngraustufen ist der Game Boy grafisch ein Witz gegen die strahlenden Farbbildschirme von Game Gear und Lynx.

Auf der Suche nach dem Köder-Spiel

Nur weil der Game Boy so günstig ist und so wenige Batterien verschleißt, werden die Spieler dem Atari Lynx und Segas Game Gear wohl kaum den Rücken kehren. Nintendo ist mit seiner Taschenkonsole ein paar Monate früher dran als die Kontrahenten. Diesen Vorsprung – das weiß jeder Nintendo-Mitarbeiter, der diese Bezeichnung verdient – gilt es zu nutzen. Und zwar durch raffinierte Überzeugungsarbeit in Form erstklassiger Spiele.

Kein potentieller Kunde auf der Welt dürfe weniger Game-Boy-verrückt als dieser Typ hier sein!Kein potentieller Kunde auf der Welt dürfe weniger Game-Boy-verrückt als dieser Typ hier sein!

Die Leute sollen von ihnen so hingerissen, ja besessen sein, dass sie über den Einwand, die Grafik sei doch ziemlich bescheiden, nur befremdet die Stirn runzeln würden – nur um sich sofort wieder in ihren heißgeliebten Game Boy zu verbeißen.

Am besten käme solch ein Suchtgarant gleich zum Start der Konsole auf den Markt. Doch was könnte das sein? Minoru Arakawa, Yamauchis gnädig geduldeter Schwiegersohn und seit 1980 erster Präsident von Nintendo of America, stellt sich genau dieselbe Frage. Die Antwort bekommt er aus einem Land, dem er sie wohl als letztes zugetraut hätte.

Weiter mit: Sieben Klötzchen als Retter

Tags: Shigeru Miyamoto   Anime  

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