Short Peace - Ranko Tsukigime's Longest Day: Kunst und Keule - A Farewell to Weapons, Meinung

(Special)

Ein Abgesang auf Waffen: A Farewell to Weapons (Film)

Länge: 28 Minuten

A Farewell to Weapons von Regisseur Hajime Katoki ist der einzige der vier Kurzfilme, der in der Zukunft spielt. Und zwar in einer nicht allzu fernen Zukunft. Der Streifen erzählt die Geschichte einer fünfköpfigen Mannschaft, die eine zerstörte Stadt in einer Wüste besucht.

Die karge Farbwahl in A Farewell to Weapons lässt eine Atmosphäre des Verfalls entstehen.Die karge Farbwahl in A Farewell to Weapons lässt eine Atmosphäre des Verfalls entstehen.

Dabei werden sie von einem einzelnen unbemannten, weil vollkommen automatisierten Panzer angegriffen. Es handelt sich um eine Artillerie-Drohne, bekannt als GONK. Alle möglichen Fluchtwege werden dem Team der Reihe nach abgeschnitten. Ein Entkommen aus den Ruinen der Stadt scheint unmöglich zu sein.

A Farewell to Weapons stellt sozusagen den Abschluss der Filmesammlung dar, auch wenn rein inhaltlich kein Bezug zu den anderen Werken besteht. Während jedoch die drei weiteren Kurzfilme in der Vergangenheit und das Spiel in der Gegenwart angesiedelt sind, entführt A Farewell to Weapons euch in eine ebenso hochtechnisierte wie freudlose Zukunft. Dadurch wird zumindest ein zeitlicher Bogen gespannt.

Bei diesem letzten Beitrag handelt es sich um eine Bilderflut, die schon fast an visuelle Ekstase grenzt. In erster Linie verdankt das der Film dem Umstand, wie detailliert und glaubhaft die darin vorkommende futuristische Technik animiert ist. Sei es der tödliche Gonk oder die Schutzanzüge des Teams, die den Trägern verstärkte physische Attribute verleihen.

Darüberhinaus verfügt A Farewell to Weapons über einen äußerst dynamischen Sinn für Perspektive. Ohne das Auge zu überanstrengen, wird der Betrachter in einen Strudel aus Bildern gezogen, behält dabei aber stets den Überblick. Gerade hier ist die Verbindung zwischen Spiel und Film besonders gut zu erkennen. Denn nicht der Film ist es, der seine Einflüsse in ein Spiel einbringt, sondern genau umgekehrt. Der Film bezieht seine visuelle Kraft aus einem gut inszenierten Actionspektakel aus dem Videospielbereich.

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Fakten:

  • enthält 4 Kurzfilme und 1 Spiel
  • die Filme lassen sich auf jedem "Blu-ray"-Spieler abspielen
  • in allen Bestandteilen japanische Tonspur, deutsche Untertitel
  • präsentiert sich als Geschichtensammlung
  • Spieldauer für Ranko Tsukigime's Longest Day liegt bei zirka einer Stunde
  • Gesamtlänge aller vier Filme liegt bei zusammen 66 Minuten
  • enthält den für den Oscar nominierten Kurzfilm "Possessions"
  • Combustible stammt vom Regisseur des Kult-Klassikers Akira
  • erhältlich für PS3

Meinung von Micky Auer

Schwierig, schwierig, schwierig ... Da haben wir auf der einen Seite vier kurze Filme, die sich so angenehm stilvoll aus der Masse billiger Animes hervorheben. Bildgewaltige und stimmungsvolle Geschichten mit tiefgründigen Charakteren, und kein Fernsehserien-Gekreische mit starren Gesichtern, wogenden Oberweiten und lächerlich infantilen Inhalten.

Dazu dann noch die Idee, insgesamt fünf Bestandteile, die eigentlich nicht viel miteinander zu tun haben, zu einer Anthologie zu verknüpfen, um so etwas Neues entstehen zu lassen. Ein Gedanke, der auf jeden Fall Anerkennung und Unterstützung verdient.

Doch dann als fünftes Standbein ein Spiel zu wählen, das man in der Form eher als "99 Cent"-Download für ein Smartphone erwartet hätte - diesen Gedankengang kann ich nicht nachvollziehen. Gut, die optische Gestaltung ist überraschend effektvoll. Aber Spieltiefe und vor allem Spiellänge verleihen dem Namen Short Peace (kurzer Frieden) einen ganz anderen Anstrich.

So flach das Spiel auch daherkommt, Vorspann und Zwischensequenzen sind wiederum vom Feinsten. Aber gerade in Ranko Tsukigime's Longest Day wird ein westliches Gehör in der Eröffnungssequenz auf eine harte Probe gestellt. Denn wenn sich zwei von drei japanischen Mädels in einer Tonfrequenz unterhalten, die einer kerngesunden Fledermaus die Schädeldecke wegsprengen würde, ist der Griff zur Fernbedienung ein recht schneller.

Trophäenjäger sollten sich übrigens nicht darüber wundern, dass das Spiel keine Platin-Trophäe beinhaltet. Das ist normalerweise nur bei Download-Spielen aus dem PSN-Store der Fall. Offenbar betrachtet der Vertrieb selbst die kurze Hatz nicht unbedingt als vollwertiges Spiel. Den vollen Preis bezahlt ihr dafür aber dennoch.

Was unterm Strich bleibt, sind vier hochwertige Kurzfilme und ein sehr kurzes und oberflächliches Spiel mit einer durchaus interessanten Geschichte. Freunden von gehobener Anime-Kunst sei das Werk auf alle Fälle empfohlen. Und würde diese Seite nicht spieletipps.de sondern filmtipps.de heißen, wäre unten in einem Kasten vermutlich eine Zahl über 90 zu sehen.

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Tags: Anime  

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