30 Jahre Tetris: Der Klötzchen-Krimi

(Special)

von Christian Detje (07. Juni 2014)

Die Mutter aller süchtig machenden Spiele hat Geburtstag. Statt eines Ständchens erzählen wir euch den vielleicht spannendsten Krimi der Videospielgeschichte. Dabei sehen diese sieben Blöcke doch so unschuldig aus …

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg blickt der englische Autor George Orwell in eine düstere Zukunft: In seinem wohl berühmtesten Roman zeichnet er ein furchterregendes Bild eines weltweiten Überwachungsstaates, der sich lästiger Kritiker durch generalstabmäßige Gehirnwäsche entledigt.

Der Titel des Buchs ist identisch mit dem Jahr, in dem es spielt: 1984. Orwells Schreckensvision ist nicht wahr geworden – und wenn doch, dann nur für einzelne Staaten. Ausgerechnet 1984 aber geht dennoch eine Waschmaschine in Betrieb, die so ziemlich alle Gehirne im Schleudergang bearbeitet.

S- und Z-förmige Blöcke gelten in Tetris-Kreisen als potentielle Mobbing-Opfer.S- und Z-förmige Blöcke gelten in Tetris-Kreisen als potentielle Mobbing-Opfer.

Tetris scheint ein geradezu läppisch simples Puzzlespielchen zu sein, frisst sich aber schon bald gierig durch den Tagesablauf von beinahe der ganzen Welt. Noch dazu kommt es mitten im Kalten Krieg und ohne Vorwarnung aus dem vermeintlich schwarzen Herzen des kommunistischen Ostblocks.

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30 Jahre Tetris: Die sieben Blöcke der Völkerverständigung

Hatte Orwell also doch noch Recht behalten? Sind sieben Klötzchen das perfide Rezept der Sowjets zur Konditionierung des Westens? Na, schauen wir mal …

Ein Holzspiel am Computer

Jedes Kapitel der fast unendlichen Tetris-Geschichte würde genug Stoff für einen aufregenden Film liefern. Jede Szene macht den Eindruck, als habe sie ein Hollywood-Autor für ein übertrieben reißerisches Drehbuch geschrieben. Die erste dieser Szenen spielt in einem Moskauer Spielzeugladen und hat noch den Anschein eines harmlosen Märchens.

Onkel Jo in Los Angeles mit Tetris-Erfinder Alexei Paschitnow (rechts) im Juni 2014.Onkel Jo in Los Angeles mit Tetris-Erfinder Alexei Paschitnow (rechts) im Juni 2014.

Ihr Hauptdarsteller ist ein bärtiger Hüne, der sich gerade an der Kasse nach einem alten Geduldspiel aus Holz erkundigt. Der Hüne heißt Alexei Paschitnow und ist ein junger Hobbymathematiker und begabter Programmierer am Computerzentrum der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften.

Bei Paschitnows Tetris-Vorbild Pentomino bestehen die Blöcke aus je fünf unterschiedlich angeordneten Quadraten, bei Tetris aus vier.Bei Paschitnows Tetris-Vorbild Pentomino bestehen die Blöcke aus je fünf unterschiedlich angeordneten Quadraten, bei Tetris aus vier.

Das Spiel, das der Ladeninhaber tatsächlich vorrätig hat, heißt Pentomino und es geht darum, aus zwölf fünfgliedrigen Figuren ein lückenloses Rechteck zu formen. Als Junge hat Paschitnow Pentomino sehr gern gehabt. Und als Erwachsener bekommt er nun Lust, ein elektronisches Spiel daraus zu machen. Dank der technischen Möglichkeiten an seinem Arbeitsplatz dürfte das nicht weiter schwerfallen.

Alexei Paschitnow hat schon 1971 – da war er 15 – sein erstes Computerprogramm geschrieben. Bei einem Mathematikwettbewerb kam er einst bis ins Finale. Paschitnow war vielleicht kein Wunderkind, Talent hatte er aber zweifellos schon immer mehr als genug.

Zurück am Computerzentrum, setzt er sich an seinen damals schon überalterten Elektronika 60, einen kümmerlichen Rechner mit acht Kilobyte Arbeitsspeicher. Keiner seiner Kollegen ahnt, dass der junge Mann, der dort am Nachbarschreibtisch so vertieft über hellgrünen Programmzeilen brütet, gerade dabei ist, den Weltmarkt der Videospiele durcheinanderzuwirbeln.

Pentomino ist für Paschitnow dabei nicht mehr als eine Inspiration: Neben dem Ziel des Spiels ändert er auch dessen Inventar: Aus zwölf werden sieben Objekte und aus fünfgliedrigen viergliedrige Bausteine. Daraus ergibt sich der Name des neuen Spiels: Während penta das griechische Wort für fünf ist, steht tetra für vier (daher zum Beispiel auch der Name des viereckigen Tetra-Paks).

Weiter mit: Ein Steppenbrand in Russland

Tags: Fun  

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