30 Jahre Tetris: Der Klötzchen-Krimi - Ein unbequemes Geheimnis

(Special)

Ein unbequemes Geheimnis

Damit wähnt sich Stein im Besitz der Tetris-Rechte für Computer und Konsolen. Generös verkauft er sie an Mirrorsoft und Spectrum Holobyte weiter. Um den Vertrag auch offiziell perfekt zu machen, laden die Vertreter des Computerzentrums Stein im Dezember 1986 nach Moskau ein.

Das war nichts! Wenn ihr dieses Bild kennt, dann wisst ihr auch, wie sich Robert Stein nach seiner Rückkehr aus Moskau gefühlt hat.Das war nichts! Wenn ihr dieses Bild kennt, dann wisst ihr auch, wie sich Robert Stein nach seiner Rückkehr aus Moskau gefühlt hat.

Die Russen haben jedoch keine Ahnung von der Videospielbranche. Steins geschäftiger Redefluss verunsichert sie zutiefst. Eine Lizenz für ein Computerprogramm zu verkaufen kommt ihnen von Anfang an komisch und nun auch sehr voreilig vor. Paschitnows Vorgesetzte verweigern die Vertragsunterzeichnung. Aus dem Tetris-Märchen wird ein Wirtschaftskrimi.

Enttäuscht kehrt Robert Stein zurück nach London. Dieser Vertrag war doch nur noch eine Formsache! Nie hätte er damit gerechnet, dass die Russen ihn nicht unterzeichnen. Ungemütlich wird es nun vor allem deshalb, weil Mirrorsoft und Spectrum Holobyte nichts davon ahnen, dass Stein die Rechte überhaupt nicht bekommen hat.

Im guten Glauben, die Tetris-Lizenz legal von Stein erworben zu haben, vertreiben sie schon seit Monaten eine leicht abgeänderte Version von Tetris in Großbritannien und Nordamerika – und scheffeln damit haufenweise Geld.

Das wiederum bleibt den Russen verborgen. Stein alleine kennt die volle Wahrheit und weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Die Sache gerät komplett außer Kontrolle. 1987 überwindet er sich schließlich und beichtet den Vertretern des Moskauer Computerzentrums, dass ihr Tetris zu einem unautorisierten Welterfolg geworden ist. Gleichzeitig drängt er sie, nun endlich seinem Vertrag zuzustimmen. Doch dann schaltet sich auf einmal der nächste Akteur ein.

Ein neuer Gegner

Die sowjetische Staatsfirma zur Vermarktung von Software trägt einen Namen, der jedem Endgegner zu maliziösen Ehren gereichen würde: Elorg. Als der Elorg-Chef von der Tetris-Angelegenheit erfährt, fällt er aus allen Wolken. Die Akademie der Wissenschaften habe gar nicht das Recht, wirtschaftlichen Handel zu treiben, tobt er. Ein elektronisches Spiel zu vermarkten sei einzig Aufgabe der Elorg.

Die ersten Westversionen von Tetris sind voller Motive, die als typisch russisch gelten.Die ersten Westversionen von Tetris sind voller Motive, die als typisch russisch gelten.

Und was sei nun das Problem? Ein Brite will die Lizenz für ein russisches Spiel, um es im Westen zu vertreiben? Abgelehnt! Wär ja wohl noch schöner! Stein ist allmählich fertig mit den Nerven. Mit dem Mut der Verzweiflung schickt er ein zornerfülltes Telex nach Moskau: Das werde der Elorg noch leid tun!

Ob sie überhaupt eine Ahnung hätten, wie es für den Westen aussehe, wenn die Sowjets einen praktisch schon zugesicherten Vertrag einfach kassierten! Stein reist im Februar 1988 seinem Telex hinterher, um noch einmal um die Tetris-Rechte zu verhandeln, diesmal mit ungleich härteren Bandagen.

Nach zähem Gefeilsche gelingt es Stein, der Elorg zumindest die PC-Rechte für Tetris aus dem Ärmel zu leiern. Gerade zu dieser Zeit ist der Markt für Konsolenspiele aber weitaus lukrativer. Mirrorsoft (die weiterhin nichts von der angespannten Rechtslage ahnen) beauftragt deshalb Atari, eine Konsolenversion des russischen Puzzlespiels zu entwickeln.

Atari wiederum delegiert den Auftrag an seine hauseigene Konsolenspielabteilung Tengen. Robert Stein könnte sich nun zufriedengeben und hoffen, dass niemandem auffällt, dass die Elorg ihm lediglich die PC-Rechte zugestanden hat. Stattdessen will er sich auch noch die Lizenzen für Spielhallenautomaten und mobile Geräte sichern.

Weiter mit: Tetris-Lizenzen, wohin man schaut

Tags: Fun  

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