30 Jahre Tetris: Der Klötzchen-Krimi - Tetris-Lizenzen, wohin man schaut

(Special)

Tetris-Lizenzen, wohin man schaut

Denn Tetris ist eine noch reichhaltigere Goldgrube, als er geahnt hat. 1988 ist es das in England und den USA das meistverkaufte Videospiel, die Presse lobt es in den Himmel und die renommierte Software Publishers Association kürt es in gleich zwei seiner Preiskategorien zum strahlenden Sieger.

Robert Stein ist heute 80 Jahre alt, hat sich aus dem Geschäftsleben aber noch nicht zurückgezogen.Robert Stein ist heute 80 Jahre alt, hat sich aus dem Geschäftsleben aber noch nicht zurückgezogen.

Stein versichert Mirrorsoft, es werde nun wohl kein Problem mehr sein, auch noch die Spielhallenrechte an Tetris zu ergattern. Mirrorsoft verhökert sie schon arglos im Voraus an Atari. Und Atari erlaubt wiederum Sega, Tetris-Spielautomaten für den japanischen Markt herzustellen.

So breiten sich die Tetris-Lizenzen und -Unterlizenzen in immer unübersichtlicheren Kaskaden über den ganzen Globus aus und nach wie vor läuft die gesamte Vermittlerarbeit zwischen West und Ost alleine bei Robert Stein zusammen.

Und dann stellt sich die Elorg auch noch stur: Weitere Rechte werde Stein frühestens dann erhalten, wenn seine Firma Andromeda endlich mit den Tantiemenzahlungen anfange. Das ist bisher aber noch ganz unmöglich, denn auch Stein hat noch keinen Penny von seinen westlichen Geschäftspartnern bekommen.

Dazu sind die Verwertungsketten einfach schon zu lang und arbeiten zu behäbig. Noch bevor Stein sich herausreden kann, fällt der Vorhang im Tetris-Drama. Und als er sich wieder hebt, sind wir auf einmal in Japan.

Nintendo greift ein

Ungefähr zur selben Zeit, als Stein die PC-Rechte an Land zieht, entdeckt der in Tokio lebende Niederländer Henk Rogers die "Spectrum-Holobyte"-Version von Tetris am Stand einer Videospielmesse. Rogers ist Geschäftsmann und genauso hingerissen wie alle anderen, die Tetris zum ersten Mal in Aktion erleben.

Die Tengen-Version trägt den Untertitel "The Soviet Mind Game". Die russische Herkunft von Tetris ist von Anfang an ein Werbeknüller.Die Tengen-Version trägt den Untertitel "The Soviet Mind Game". Die russische Herkunft von Tetris ist von Anfang an ein Werbeknüller.

Noch am selben Tag kauft er Spectrum Holobyte die Tetris-Rechte für den japanischen Markt ab und zwar sowohl für PCs als auch für Konsolen. Mackonochie von der Schwesterfirma Mirrorsoft ist empört: Genau diese Rechte habe er doch schon an Atari verkauft! Wenigstens die Tetris-Lizenz für Computer mit Floppydisk-Laufwerk bekommt Rogers aber dann doch zugestanden.

Die Verwertungsrechte für japanische Heimkonsolen folgen nach einigen Verhandlungsgesprächen mit der Firma Tengen. Rogers reibt sich die Hände, weiß er doch, welches Schwergewicht auf dem Spielemarkt sich ganz besonders über eine exklusive Version des Spiels freuen dürfte, das die Welt in Atem hält, für die Konsole, die dasselbe tut.

Henk Rogers' Entwicklerstudio trägt den Namen Bullet Proof Software. Mit der fertigen Tetris-Kassette für Nintendos Famicom (im Westen als NES bekannt) rennt er in Kyoto offene Türen ein. Ja, dieses Spiel sei wahrlich goldrichtig für Nintendos Vorzeigekonsole und werde dessen Absatz sicher noch weiter anheizen.

Nintendo of America (NOA) schaltet schnell und beauftragt Tengen, den vermeintlichen Eigentümer der Konsolenrechte für den amerikanischen Markt, mit der Entwicklung einer NES-Version von Tetris, damit auch die westlichen Nintendo-Spieler möglichst zügig dem Klötzchenrausch verfallen.

Wenn Rogers Nintendo noch nützlicher sein wolle (und das solle natürlich sein Schaden nicht sein), dann möge er sich doch bitte auch noch um die Rechte für mobile Konsolen bemühen. So lockt ihn der damalige NOA-Präsident Minoru Arakawa. Denn Nintendo plant kurz vor der Markteinführung seines Game Boy, die japanische Taschenkonsole und den russischen Blöckereigen zu einer einzigartigen Symbiose zusammenzuschweißen.

Weiter mit: Wer bringt Tetris in die Westentaschen?

Tags: Fun  

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