30 Jahre Tetris: Der Klötzchen-Krimi - Die Klötzchen in der Schrottpresse

(Special)

Die Klötzchen in der Schrottpresse

„Die Russen arbeiten nur deshalb mit Nintendo zusammen, weil sie mehr zahlen als wir!“, brüllt er durch den Gerichtssaal. Paschitnow, der als Zeuge für Nintendo ausgesagt hat, sei nur noch eine Marionette der Japaner. „Ihr habt uns unser Spiel gestohlen!“, poltert Nakajima in Richtung Nintendo. „Dabei haben Sie uns doch regelrecht gedrängt, Tetris für das NES zu entwickeln!“

Verständlich, dass die Nintendo-Maskottchen feiern. Immerhin hat der Konzern gerade seinen unangenehmsten Gegner gedemütigt.Verständlich, dass die Nintendo-Maskottchen feiern. Immerhin hat der Konzern gerade seinen unangenehmsten Gegner gedemütigt.

Verbittert resümiert er, Nintendo wolle sich wohl schlicht für Ataris Antitrust-Klage an Nintendo rächen. Doch den Ausbruch hätte Nakajima sich sparen können. Richterin Smith hat schon entschieden: Der von Stein unterzeichnete Zusatzartikel definiert einen Computer ganz eindeutig. Und diesem Bild entspricht das NES in seiner herkömmlichen Form ganz und gar nicht.

Es gebe weiterhin keinerlei begründeten Anhaltspunkt dafür, dass Tengen die Konsolenrechte jemals erhalten habe. Folglich gibt Smith Nintendos Antrag auf eine Einstweilige Verfügung statt: Atari darf ab sofort keine Tetris-Module mehr verkaufen. Die 300.000 schon produzierten sind unverzüglich zu vernichten.

Nach diesem Urteil liegen nun also zweifelsfrei fast sämtliche Tetris-Rechte bei Nintendo. Gleichzeitig beschleunigt das Ataris unrühmlichen Niedergang. Die Tetris-Geschichte könnte nun zu Ende sein. Sie macht für ihren Epilog jedoch noch einmal kurz Halt, um sich ein letztes Mal zu drehen – diesmal ins Tragische.

Zwar könnte der Erfolg des Spiels in den Folgejahren kaum größer sein – zur zeitlosen Legende wird Tetris erst durch den Game Boy - doch für die Helden und Antihelden unserer Geschichte sieht die Zukunft nicht sonderlich rosig aus.

Tschaikowskis Triumph

Robert Stein hat seit seinem Ungarn-Ausflug 1986 so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Mit Mühe hält er sich mit seiner kleinen Firma Andromeda über Wasser. Stein, der Tetris ganz alleine in den Westen gebracht hat, ist ein gebrochener Mann. Robert Maxwell ertrinkt 1991 bei einem Segeltörn. Nach seinem Tod kommen sowohl seine unermesslichen Schulden wie auch seine dubiosen Geschäfte ans Licht, in die auch seine Söhne verstrickt sind.

Als das Gerichtsverfahren 1989 ausgestanden ist, zeigt Rogers dem Tetrisschöpfer Japan und stellt ihn auch Nintendo-Boss Hiroshi Yamauchi vor.Als das Gerichtsverfahren 1989 ausgestanden ist, zeigt Rogers dem Tetrisschöpfer Japan und stellt ihn auch Nintendo-Boss Hiroshi Yamauchi vor.

Auch Kevin Maxwell landet im Gefängnis. Und Paschitnow selbst? Lange ist sein ganzer Verdienst an Tetris ein Computer, den ihm sein Arbeitgeber als sogenannte Anerkennung schenkt. Aber fragt man ihn, ob er verbittert sei, dann zuckt Paschitnow die Schultern. Wieso denn?

Immerhin habe sein Spiel Hunderte Millionen Menschen glücklich gemacht. 1996 fallen ihm die Tetris-Rechte doch noch zu. Reich macht ihn das Spiel jetzt nicht mehr, doch Paschitnow entschließt sich zur Gründung von The Tetris Company zur weiteren Verwaltung der Rechte.

Seine geniale Idee vom 6. Juni 1984 zieht unzählige Klone – auch von Paschitnow selbst – nach sich. Doch an die kulturelle Druckwelle von damals kann er nie mehr anknüpfen. Vielleicht ist der Komponist Peter Tschaikowski der Einzige, der (lange nach seinem Tod) wirklich von Tetris profitiert.

Sein „Tanz der Zuckerfee“ aus der NES-Version wird zum Tetris-Synonym und macht Tschaikowsky dadurch zum wohl meistgehörten klassischen Komponisten – immerhin einen Landsmann von Paschitnow.

Tags: Fun  

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