125 Jahre Nintendo - Teil 1: Zocker, Blumen, lange Nasen

(Special)

von Christian Detje (23. September 2014)

Nintendo wird 125 Jahre alt. Wir gratulieren mit einem Firmenporträt der Sonderklasse. Wusstet ihr, dass Napoleon der erste Nintendo-Held war?

„Sei akkurat, arbeite hart und entscheide dann, was getan werden muss!“ - das hört sich an wie das in den marmornen Schlussstein gemeißelte Schulmotto eines vornehmen Elite-Internats mit altphilologischem Schwerpunkt. Tatsächlich aber sind dies die Anweisungen, die ein Mann namens Sekiryo Kaneda (1882-1951) in den dreißiger Jahren auf großformatige Plakate drucken lässt, um seine Angestellten daran zu erinnern, wie wertvoll sie sind.

Kaneda ist kein Mann vieler Worte. Er spricht lieber durch die Plakate. Seine Leute sollen ihre Verantwortung begreifen. Sie sollen verstehen, dass sie nicht einfach die kleinen klebrigen Zahnräder in irgendeiner Saftfirma sind, sondern dass sie für den bedeutendsten Spielkartenhersteller ganz Japans, wahrscheinlich der gesamten östlichen Hemisphäre arbeiten. Sie sollen verstehen, dass sie für Nintendo arbeiten!

Als Sekiryo Kaneda Nintendo lenkt, gibt die Firma bereits Werbekataloge heraus.Als Sekiryo Kaneda Nintendo lenkt, gibt die Firma bereits Werbekataloge heraus.

Und Kaneda kennt auch seine eigene Verantwortung. Er ist seit 1929 der zweite Präsident von Nintendo und durch eine arrangierte Ehe der Schwiegersohn des Firmengründers Fusajiro Yamauchi.

Ein Patriarch im Bett

Um die Rolle des neuen Patriarchen ausfüllen zu können, hat er inzwischen den Nachnamen seiner Frau angenommen und nennt sich also fortan Sekiryo Yamauchi. Die Zeiten sind hart, denn der Zweite Weltkrieg zehrt Japans Wirtschaft fast vollständig auf. Wer hat nach Hiroshima noch Spaß an – geschweige denn Geld für – alberne Spielkarten?

Bis Anfang der 60er-Jahre - mehr als die Hälfte der Firmengeschichte - sind Spielkarten Nintendos einziges Produkt.Bis Anfang der 60er-Jahre - mehr als die Hälfte der Firmengeschichte - sind Spielkarten Nintendos einziges Produkt.

Als er 1949 zu einem bettlägerigen Pflegefall wird, übergibt Sekiryo die Geschäfte beklommen in die Hände seines Enkels Hiroshi. Aber hat Nintendo überhaupt noch eine Zukunft?

Wie er so daliegt und grübelt, wie seine Firma die nächsten Jahre überstehen soll, da denkt Sekiryo Yamauchi auch an früher – und schließlich sogar an ganz früher, an die Zeit, von der sein einstiger Chef Fusajiro ab und zu erzählt hat und die auch er nur aus Schulbüchern kannte. Irgendwie war damals doch alles besser …

Weiter mit: Karavellen voller Karten

Tags: Shigeru Miyamoto  

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