125 Jahre Nintendo - Teil 1: Zocker, Blumen, lange Nasen - Ein Hauptquartier aus schiefen Brettern

(Special)

Ein Hauptquartier aus schiefen Brettern

Fusajiro Yamauchi (1859-1940) ist gewaltig auf Draht und hat einen regelrechten Heißhunger auf Kuchen. Hanafuda-Karten haben sein ganzes Leben geprägt. Sie waren so etwas wie ein Symbol für seine Jugendzeit. Jahrelang hat sich der begabte Handwerker bei einem Spielefabrikanten in Kyoto die Finger wundgearbeitet – und in jeder freien Minute Karten gedroschen. Er ist ein begnadeter Spieler. Seine Arbeit als Angestellter füllt ihn aber nicht aus. Yamauchi träumt davon, als sein eigener Herr die prächtigsten Spielkarten der Gegend unter die Leute zu bringen.

Das erste Nintendo-Hauptquartier im Kyotoer Stadtteil Ohashi. 2004 musste es nach 115 Jahren einem Parkhaus weichen.Das erste Nintendo-Hauptquartier im Kyotoer Stadtteil Ohashi. 2004 musste es nach 115 Jahren einem Parkhaus weichen.

Kurz bevor er 30 wird, wagt er den Schritt in die Unabhängigkeit. Er kündigt bei seinem Chef und zimmert sich einen bescheidenen überdachten Holzstand. Hier will Yamauchi seine eigenen Karten entwerfen, herstellen, bemalen und schließlich verkaufen. Es ist ein Montagmorgen, der 23. September 1889, als Fusajiro Yamauchi die windschiefe Holzpforte zu seinem winzigen Ladenlokal aufschließt. Er beginnt mit der Arbeit. Nintendo hat geöffnet.

Nintendo - nur ein kitschiger Sinnspruch?

Ob die Passanten draußen wohl ahnen, dass der junge Mann da gerade die Pforten einer Firma öffnet, die einst zu einem der bedeutendsten Unterhaltungskonzerne der Welt werden soll? Vermutlich nicht. Yamauchi ist optimistisch, aber damit rechnet wohl nicht mal er selbst. Ein bisschen Geld verdienen mit der eigenen Firma, irgendwann vielleicht ein bisschen mehr, damit er sich mit einem kleinen Polster zur Ruhe setzen kann – mehr kann er nicht erwarten. Und schon das ist ein anspruchsvolles Ziel in einer Zeit, in der es beinahe an jeder Ecke einen Hanafuda-Händler gibt.

Das Kyoto des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist geprägt von enthusiastischer Verwestlichung.Das Kyoto des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist geprägt von enthusiastischer Verwestlichung.

Zuallererst malt Fusajiro sechs Kanji-Schriftzeichen an die Fensterscheibe. Yamauchi Nintendo heißt sein kleines Geschäft nun. Yamauchi erklärt sich von selbst. Aber Nintendo? Was soll das eigentlich heißen? Bis vor wenigen Jahren übersetzte man die drei Silben Nin, Ten und Do – mal wortgetreu, mal eher frei – mit einem ziemlich banalen Spruch wie aus dem Poesiealbum: „Letztendlich entscheidet nur der Himmel über dein Schicksal.“

Fusajiros Nintendo-Rätsel

Mittlerweile legt die Forschung einen anderen Schluss nahe. Fusajiro Yamauchi hat allerdings keinerlei Aufzeichnungen über seine Beweggründe hinterlassen. Mehr als spekulieren können wir also immer noch nicht über dieses rätselhafte Wort, das übrigens auf der ersten Silbe betont wird und ein langes i wie in Nina enthält: Zuerst die letzte Silbe, denn die können Experten besonders einleuchtend erklären.

Do bedeutet so viel wie Tempel oder heilige Stätte und wer in Japan eine Firma gründet, der kommt leicht in Versuchung, diese Silbe in den Firmennamen einzubauen. Eine heilige Stätte – prestigeträchtiger geht es ja wohl kaum, oder?

Was das Wort Nintendo bedeutet, wäre doch mal ein hübsches Thema für die nächste Nintendo-Direct-Ausgabe, oder?Was das Wort Nintendo bedeutet, wäre doch mal ein hübsches Thema für die nächste Nintendo-Direct-Ausgabe, oder?

Die Silbe Nin ist auch kein großes Geheimnis, denn sie lässt sich wörtlich übersetzen mit „etwas tun dürfen“ oder „jemanden etwas tun lassen“. Viel schwerer fällt die Entschlüsselung der Silbe Ten. Steht sie wirklich schlicht für Himmel oder Gott, wie Magazine und Internetseiten es jahrzehntelang kolportierten?

Weiter mit: Das Monster mit der langen Nase

Tags: Shigeru Miyamoto  

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