125 Jahre Nintendo - Teil 1: Zocker, Blumen, lange Nasen - Das Monster mit der langen Nase

(Special)

Das Monster mit der langen Nase

Nein, sagen die Linguisten und Historiker heute und deuten auf das Bild eines ziemlich beängstigenden japanischen Fabelwesens, auf den Tengu. Das müssen sie nun aber mal genauer erklären. Die populären Hanafuda-Karten haben ihren Namen von ihren Blumenmotiven, denn Hana ist das japanische Wort für Blume. Dieselbe Silbenfolge kann aber auch Nase bedeuten. Und wer ist berühmt für seine stattlichen Riesenzinken? Okay, Pinocchio auch, aber die Japaner denken da zuerst an den Tengu, der für seine ellenlange Nase noch nicht mal lügen muss.

Das ursprünglich chinesische Fabeltier Tengu hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Das Wort bedeutet Himmelshund.Das ursprünglich chinesische Fabeltier Tengu hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Das Wort bedeutet Himmelshund.

Zur Zeit des Kartenspielverbots traute sich kaum jemand, seinen Spieltrieb einfach auszuposaunen. Statt ein aufgekratztes „Wo kann man denn hier mal gepflegt zocken gehen?“ durch die Straßen des feudalen Japans zu grölen, tat man gut daran, sich lieber verstohlen die Nase zu reiben. Diese Geste war zum Passwort geworden. Wer sich vor einer Kneipe die Nase streichelte, den geleitete der Türsteher ebenso verstohlen ins geheime Hinterzimmer zu den anderen Kartenkloppern.

Mit der Lizenz zum Zocken

Und der Tengu, der Kerl mit der größten Nasenreibfläche, entwickelte sich zum Symbol für alle Hanafuda-Spieler. Fast war er so etwas wie ihr Schutzpatron. Dass die zweite Silbe im Wort Nintendo auf das Fabelwesen anspielt, liegt schon deshalb nahe, weil die relevanten Schriftzeichen in beiden Wörtern identisch sind.

Auf die Verbindung zwischen Hanafuda und Tengu spielen nach Aufhebung des Verbots viele der neuen Kartenkonzerne mit ihrem Namen an.Auf die Verbindung zwischen Hanafuda und Tengu spielen nach Aufhebung des Verbots viele der neuen Kartenkonzerne mit ihrem Namen an.

Fusajiro lebt in einer Zeit, in der jeder Japaner unweigerlich an Spielkarten denkt, wenn er das Wort Tengu liest. Er kann sich also darauf verlassen, dass seine Botschaft ankommt. Und wie lautet die nun? Was heißt Nintendo? Nach dieser Interpretation steht es in etwa für „den heiligen Tempel, dem es erlaubt ist, Hanafuda-Karten herzustellen“. Damit bezieht sich Fusajiro auf das Kartenverbot, das gerade mal vier Jahre zurückliegt und in vielen Köpfen womöglich noch nachwirkt. Nintendo ist also nicht nur ein Firmenname, sondern gleichzeitig auch ein ganz schön raffinierter Werbeslogan.

Napoleon, der erste Nintendo-Held

Die frühen Karten sind nicht größer als eine Streichholzschachtel, dennoch aber sehr aufwändig herzustellen. Maschinen dafür gibt es noch nicht. Spielkartenproduktion ist reine Handarbeit. Fusajiro Yamauchi hebt sich von der Konkurrenz ab, indem er nur die besten in seine Auslage legt und die zweite Wahl konsequent wegwirft. Das allererste Kartendeck, das Fusajiro fertigstellt, soll dessen Qualität bildlich verdeutlichen. Voller Stolz nennt er es deshalb Präsidenten-Karten – und malt dann ein Bild von Napoleon Bonaparte auf den Deckel, ein Mann, der niemals Präsident gewesen war. Wahrscheinlich wollte Fusajiro George Washington, den ersten amerikanischen Präsidenten, porträtieren, verwechselt dann aber die Vorlagen. Promis aus dem Westen kennen die Japaner damals nur vom Hörensagen.

Napoleon ist sozusagen der Super Mario von 1889 - auch wenn Fusajiro ihn für George Washington hält.Napoleon ist sozusagen der Super Mario von 1889 - auch wenn Fusajiro ihn für George Washington hält.

Nintendos Erste-Wahl-Philosophie ist teuer. Zwar sind die Karten beliebt, doch es kommt der Tag, an dem alle Haushalte der Nachbarschaft eingedeckt sind mit Präsidentenkarten. Die Nachfrage bricht zusammen. Was nun?

Weiter mit: Der Weg in die Spielhallen

Tags: Shigeru Miyamoto  

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