125 Jahre Nintendo - Teil 2: Krisen, Kitsch und Kinderwagen - Pathos und Propaganda, Dekadenz und Schickeria

(Special)

Pathos und Propaganda

Kimi Yamauchi zieht zu ihrer Schwester und der kleine Hiroshi wächst bei seinen Großeltern auf. Jahrzehnte später erinnert er sich, dass es wohl gerade diese Lebensverhältnisse gewesen sein müssen, die aus ihm den so kühlen wie genialen Nintendo-Manager gemacht haben.

Was Nintendo im Krieg druckt, sieht zum Fürchten aus.Was Nintendo im Krieg druckt, sieht zum Fürchten aus.

Als zukünftiger Chef des Familienunternehmens fühlt er sich schon früh als der Herr im Haus und mimt den mürrischen Patriarchen schon als Schüler. Seine Oma verhätschelt ihn mit naiver Freundlichkeit ohne ihn jemals zurechtzuweisen. Aus Hiroshi wird ein verzogener Rotzbengel – der geborene Firmenboss.

Anfang der vierziger Jahre hat der Zweite Weltkrieg die japanische Wirtschaft voll im Griff. Die Menschen haben andere Sorgen als Spielkarten zu kaufen. Nintendos Rettung sind Bestellungen der Regierung. Der Spielkartenhersteller soll die Schulen des Landes mit nationalistischen Karten und anderen Spielen beliefern. Patriotische Motive sollen sie haben. Schwer zu sagen, ob das, was dabei herauskommt, einfach nur lächerlich oder doch eher grauenerregend ist.

Dekadenz und Schickeria

Im Januar 1940 stirbt Nintendo-Gründer Fusajiro Yamauchi mit 80 Jahren an einem Schlaganfall. Damit ist die zweite Generation des Konzerns nun endgültig auf sich allein gestellt. Die Familie hütet ihren Hoffnungsträger Hiroshi wie ihren Augapfel. Der Junge wächst heran und meistert 1945 die Aufnahmeprüfung an der weltbekannten Waseda-Universität. Noch im selben Jahr heiratet er die erst 15-jährige Michiko, seine Ehefrau bis zu ihrem Tod 67 Jahre später. Sekiryo lässt sich nicht lumpen und kauft dem Paar ein Haus in einem Nobelviertel. Einen künftigen Nintendo-Boss kann man in gar nicht genug Watte packen.

Die Waseda-Universität ist eine der renommiertesten in ganz Japan.Die Waseda-Universität ist eine der renommiertesten in ganz Japan.

Das exquisite Leben der verwöhnten Gesellschaftsschicht ist dem gerade recht. Was gehen ihn die Kümmernisse seiner von der Nachkriegszeit gebeutelten Landsleute an, solange er noch ein Glas Brandy in der Hand hält und ein Hummer vor ihm auf dem Teller liegt? Nintendo kommt derweil wieder mühsam auf die Beine. Sekiryo ist gerade wieder vorsichtig optimistisch. Doch dann wird er plötzlich krank.

Weiter mit: Der Nächste bitte, Nintendo führen wie bei Oma?

Tags: Shigeru Miyamoto  

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