125 Jahre Nintendo - Teil 2: Krisen, Kitsch und Kinderwagen - Bürgerkrieg bei Nintendo, Alles besser in Amerika?, Allianz mit Disney

(Special)

Bürgerkrieg bei Nintendo

Anschließend verdreifacht er das Firmengelände durch abenteuerlich hohe Geldausgaben. Noch nie in der 60-jährigen Unternehmensgeschichte musste Nintendo einen Kredit aufnehmen, doch jetzt ist es soweit. Die meisten der 110 Angestellten schütteln die Köpfe. Der Kerl wird sie alle auf der Straße enden lassen! Also streiken sie und winken mit Demo-Plakaten.

Der Streik bei Nintendo schlägt auch in der Presse Wellen.Der Streik bei Nintendo schlägt auch in der Presse Wellen.

Doch eine Minderheit hält zu Yamauchi und geht auf die Meuterer los. Nintendo versinkt in bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die letztendlich sogar in Hungerstreiks besonders verbitterter Mitarbeiter enden. Aber der Boss setzt sich dann doch durch. Es kehrt wieder Ruhe ein, und wer gegen ihn war, hat am nächsten Tag seine Kündigung auf dem Tisch. Der Präsident bleckt die Zähne. Doch wie soll es weitergehen?

Hiroshi Yamauchi ist klug genug, um zu erkennen, dass Nintendo sich auf seine herkömmlichen Kartenspiele nicht mehr verlassen kann. Noch laufen sie ganz gut, aber die Zukunft gehört ihnen gewiss nicht. Also sieht er sich an, wie andere es machen.

Alles besser in Amerika?

1956 fliegt Hiroshi mit einer kleinen Delegation in die Vereinigten Staaten und besichtigt den Spielkartenkonzern US Playing Cards Company. Voller Erwartungen auf das Land, dem man unbegrenzte Möglichkeiten nachsagt, tritt er in die Fabrikhalle – und ist augenblicklich enttäuscht.

Die Reise nach Amerika ist für Yamauchi nicht einfach - er leidet unter Flugangst.Die Reise nach Amerika ist für Yamauchi nicht einfach - er leidet unter Flugangst.

Je mehr er vom größten Spielkartenhersteller der Welt zu sehen bekommt, desto läppischer kommt er ihm vor. Überlegene Produktionsverfahren? Fehlanzeige! Ökonomische Brillanz? Nicht der Rede wert. Zuhause in Kioto läuft der Laden ganz genauso, nur ist der japanische Markt nun mal von Natur aus viel kleiner.

Als der Nintendo-Boss zurückkehrt, keimen in ihm bereits Ideen für neue Produkte. Aber noch hat er die Spielkarten nicht abgeschrieben. Seit ein paar Jahren kennen auch japanische Kinder die Disney-Helden Micky, Donald, Goofy und all die anderen. Yamauchi wittert die letzte Chance für seine Spielkarten und reist 1959 noch einmal nach Amerika. Mit Roy Disney wird er sich schnell einig.

Micky Maus, das neue Zugpferd

Die beiden Männer unterzeichnen einen Vertrag, der es Yamauchi erlaubt, die Disney-Figuren auf Nintendo-Spielkarten zu drucken – eine blendende Idee, denn Japans Kinder sind hingerissen von den fröhlichen Motiven. Das liegt vielleicht auch an der raffinierten Werbung dafür: Zum ersten Mal nutzt Nintendo dafür das Fernsehen. Die Symbiose zwischen den beiden Medien währt also schon seit 1959.

Nintendos erste Fernsehwerbung läuft schon 1959 und bewirbt natürlich Spielkarten.Nintendos erste Fernsehwerbung läuft schon 1959 und bewirbt natürlich Spielkarten.

Die sechziger Jahre beginnen und Nintendo ging es noch nie besser. Yamauchi lässt seine Firma sogar an der Börse von Kioto registrieren, so sicher ist er inzwischen, dass ihm eine rosige Zukunft bevorsteht. Fast alle Angestellten stehen jetzt hinter ihm. Das „verzogene Früchtchen“ hat sich bewährt.

Mit jedem neuen Geschäftsjahr bricht Nintendo alte Umsatzrekorde. Das müsste man eigentlich feiern! Außerdem sollen die Börseninvestoren nicht denken, Nintendo beschränke sich auf Spielkarten. Deshalb benennt Yamauchi den Konzern schon wieder um, diesmal in Nintendo Co. Ltd. Diesen Namen trägt er bis heute.

Weiter mit: Das Trauma von Olympia, Reis als Rettung

Tags: Shigeru Miyamoto  

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