125 Jahre Nintendo - Teil 2: Krisen, Kitsch und Kinderwagen - Das Trauma von Olympia, Reis als Rettung

(Special)

Das Trauma von Olympia

Aber man soll ein Jahrzehnt nicht vor dessen Ende loben. Begannen die Sechziger noch als ein einziger Siegeszug, entgleist der 1964 plötzlich auf freier Strecke. Bis heute rätseln Wirtschaftsanalysten, woran das bloß gelegen haben kann. Es muss mit diesen verfluchten Olympischen Spielen in Tokio zu tun haben, mutmaßt Yamauchi.

Micky freut sich für Nintendo auf die Olympischen Spiele in Tokio. Wenn der wüsste ...Micky freut sich für Nintendo auf die Olympischen Spiele in Tokio. Wenn der wüsste ...

Nur wenige Wochen vor Eröffnung des Medienspektakels bricht Nintendos Umsatz schlagartig zusammen. Unvermittelt scheinen die Kinder das Interesse an den Disney-Karten verloren zu haben. Hanafuda-Karten spielen schon längst keine große Rolle mehr. Die Kinder wenden sich von den Karten ab und Olympia zu, und als die Spiele vorbei sind, haben sie die Karten vergessen. Vielleicht ist das die bittere Erklärung.

Aber wie dem auch sei – Nintendo versinkt in einer tiefen Krise, denn auf ein derart abruptes Ende des Erfolgs ist niemand vorbereitet. Doch Yamauchi schöpft Hoffnung. Nun ist Zeit für die Projekte, die ihm damals auf dem Rückflug von Amerika durch den Kopf gegangen sind.

Reis als Rettung?

Yamauchi überlegt. Es gibt nur einen Markt, der weitgehend unabhängig ist von Wirtschaftskrisen und der wankelmütigen Gunst des Volkes: der Markt für Nahrungsmittel. Mitte der Sechziger sind gerade Instant-Produkte in Mode. Nudeln sind schon an einen Mitbewerber vergeben, also schnappt Nintendo sich die Reis-Sparte.

Nintendo-Reis. Würdet ihr das essen wollen?Nintendo-Reis. Würdet ihr das essen wollen?

Yamauchi bringt mit Disney-Helden illustrierte Instant-Reis-Menüs in die Regale der Supermärkte und investiert Unsummen in eine neue Fabrik, die allein für die Reisaufbereitung gedacht ist. Alles läuft nach Plan – bis auf einen lästigen Schönheitsfehler: Kein Mensch will das Zeug essen.

Yamauchi verfällt in gramerfülltes Brüten. Wenn er abends nach Hause in seine riesige Villa kommt, behandelt ihn seine Familie wie ein rohes Ei, denn fast immer hat er schlechte Laune. Am Abendbrottisch gibt es nur ein Thema: Nintendo. Doch meistens kommt Yamauchi gar nicht nach Hause oder erst in den Morgenstunden. Dafür ist er in den Bordellen Kiotos ein Stammgast mit Aussicht auf Mengenrabatt.

Weiter mit: Die Rotlicht-Panne, Jagd nach klugen Köpfen

Tags: Shigeru Miyamoto  

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