Der Patch am "Day One": Unvermeidliches Übel oder einfach nur scheiße?

(Kolumne)

von Joachim Hesse (19. November 2014)

"Onkel Jo, kannst du mir den Sinn von "Day One Patches" erläutern? Ich verstehe das nicht", hat mich Denis auf meiner Facebook-Pinnwand gefragt. Gute Frage.

Warum veröffentlichen Hersteller Aktualisierungen zum Erstverkaufstag ihrer Spiele? Nachdem ich geantwortet hatte, dachte ich, das Thema sei vielleicht auch für eine breitere Diskussion gut. Ich möchte es hier also einfach mal zum Abschuss freigeben. Wäre klasse, wenn ihr euch beteiligt. Lest die folgenden Überlegungen zum Thema durch und danach verratet eure persönliche Meinung in den Kommentaren!

Wie sieht der Status quo aus? Sogenannte Patches gehören auf dem PC schon länger zum Spieler-Alltag. Ihr ladet die Dateien herunter und verändert damit die Programmroutinen der installierten Spiele. Im Bestfall beheben die Patches Fehler oder erweitern das Programm. Konsolenspieler brauchten sich im Grunde erst seit den Festplatten der Xbox 360 und PS3 mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Mit der aktuellen Konsolengeneration herrschen inzwischen allerdings Zustände wie in Sodom und Gomorrha, was das angeht.

Aktualisierungen werden immer größer.Aktualisierungen werden immer größer.

Aus Sicht der Xbox One fing es mit Forza Motorsport 5 (6 Gigabyte), Dead Rising 3 (13 Gigabyte) und Sniper Elite 3 mit einem "Tag 1"-Patch von 16 Gigabyte an richtig zu schmerzen. Ein Wolfenstein - The New Order läuft auf der PS4 irgendwann nur noch in Zeitlupe ohne Riesen-Patch. Inzwischen erlaubt es sich Microsoft sogar, den Mehrspieler-Modus eines Halo als "Tag 1"-Patch auszulagern und gar nicht mehr auf Disc zu pressen.

Nahezu alle großen Spiele-Veröffentlichungen der Vorweihnachtszeit, von Assassin's Creed - Unity bis hin zu Grand Theft Auto 5, setzen auf den Patch zum Erstverkaufstag. Und selbst danach läuft nicht alles rund - siehe das Fehlstart-Debakel von Driveclub. Auch nach dem Erstverkaufstag werden Spieler mit gelegentliche "Updates" mit Download-Größen von mehreren Gigabyte behelligt. Klar, alles für die bessere Spielerfahrung. Konnte ja vorher keiner wissen, dass man auch mal speichern will oder die Auflösung auf mehr als 240p stellt.

Bei einigen Spielen frage ich mich inzwischen, wieso die überhaupt noch auf Datenträgern erscheinen, wenn man für die Käufer Murks darauf speichert. Da habe ich nicht mehr das Gefühl ein wertiges Produkt zu erwerben, sondern erwerbe in der Tat nur ein eingeschränktes Nutzungsrecht. Und wie ist das, wenn ich in ein paar Jahren die Spiele mal starten möchte? Komme ich dann überhaupt noch an die nötigen Download-Daten? Interessiert das wirklich keinen mehr? Akzeptiert ihr diese Entwicklung offenen Auges? Ihr zahlt für die Spiele immerhin um die 60 Euro. Ihr habt das Recht euch zu beschweren!

Stattdessen lese ich von vielen Spielern bloß nassforsche Kommentare wie "Wohnst du auf dem Land oder was interessiert dich der Patch?". Die Gegenposition existiert natürlich auch: Manche möchten am liebsten die Verantwortlichen nackt durch den Ort treiben. Andere schreiben mir, dass sie auf den Kauf eines solchen Spiels verzichten. Konsequent. Aber das alles ist ja irgendwie auch keine Lösung für die breite Masse.

Wie kam es zu dieser Situation?

Die Aktualisierungen hatten ursprünglich einen durchaus schönen und kundenfreundlichen Hintergrund. Nämlich den, dass Entwickler nicht am Abgabetag die Tastatur fallen lassen, sondern weiterarbeiten, um den Käufern ihres Werks das bestmögliche Spielerlebnis zu bieten. Am PC beschränkte sich das am Anfang auf kleine Fehlerkorrekturen und neue Inhalte, die der Spieler freiwillig installieren durfte - oder eben auch nicht.

Inzwischen scheinen die Patches bei den meisten Herstellern als Produktionsinstrument eingerechnet zu sein und werden dafür missbraucht, dass man Spiele am Abgabetag gar nicht mehr fertig haben muss. Das spart Geld, denn Verschiebungen von Spielen kosten die Hersteller immer Geld. Schließlich muss man Leute länger bezahlen, Marketing-Pläne sind auf Daten abgestimmt, Produktionskapazitäten gemietet.

Die immer laxere Qualitäts-Politik der Konsolenhersteller fördert diese Entwicklung leider. Vor einigen Jahren etwa wäre ein Nintendo-Spiel nie mit bekannten Fehlern oder allen erdenklichen Prüfungen in Produktion gegangen. Ein Patch wie bei Zelda - Skyward Sword? Früher undenkbar! Besonders Sony und Microsoft scheinen im Hinblick auf den Trugschluss "Unsere Spieler sind eh alle Online" da inzwischen fast alle Hemmungen fallen gelassen zu haben.

Ich warte auf das erste Spiel, das von Disc gar nicht mehr ohne Patch läuft. Dem verleihe ich dann meine persönliche Auszeichnung "Murks des Monats".

Mich interessiert, wie ihr zu dem Thema steht. Lasst mich an euren Gedankengegängen teilhaben ...

Schreibt hier in die Kommentare eure Meinung zu Patches am Erstverkaufstag, fehlerhaften Spielen auf Disc und großen Downloads!

Tags: Online-Zwang   Onkel Jo  

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