Test Captain Toad - Rätsel ohne Kopfzerbrechen im Hüpfspiel ohne Hüpfer

Rätsel ohne Kopfzerbrechen im Hüpfspiel ohne Hüpfer

Wer die fünf "Captain Toad"-Abschnitte aus Super Mario 3D World kennt, der denkt zuerst an verzwickte Puzzles und auf engsten Raum verdichtete Schalter- und Plattformrätsel. Das erste eigene Spiel des Archäologen-Pilzkopfs (und seiner ebenfalls spielbaren Freundin Toadette) hält sich in puncto Denkaufgaben aber überraschend zurück. Für ein reinrassiges Puzzlespiel sind die Rätsel viel zu simpel, die Gegner wiederum viel zu aggressiv und die Geschicklichkeitstests zu dominant.

Von den mickrigen Blocklevels aus Super Mario 3D World ist nichts mehr übrig. Selbst die engsten bieten noch viel mehr Freiheit.Von den mickrigen Blocklevels aus Super Mario 3D World ist nichts mehr übrig. Selbst die engsten bieten noch viel mehr Freiheit.

Nein, keine Frage: Captain Toad - Treasure Tracker ist nicht das drollige Sammelsurium aus Schiebe-, Kletter- und Grübeleinlagen, das die Spielergemeinde erwartet hat, sondern kommt der stilistischen Vorlage Super Mario 3D World viel näher als gedacht.

Sind die "Captain Toad"-Passagen im Mario-Abenteuer noch fast würfelförmige Winzlevels mit eher abstrakter Kulisse, so erstrecken sich viele der 64 Haupt- und elf Bonuslevels des neuen Spiels ähnlich weit in die Breite, Höhe und Tiefe wie die Klempnerparcours.

Kamera im Dauereinsatz

Einziger gewichtiger Unterschied: des Kapitäns Forscherrucksack. Der ist mindestens so schwer wie der Käpt'n selbst. Damit auch noch springen? Gar nicht dran zu denken!

Während der Lorenfahrten seht ihr aufs Gamepad. Damit könnt ihr euch um 360 Grad drehen, als säßet ihr wirklich in der Lore statt im Sessel.Während der Lorenfahrten seht ihr aufs Gamepad. Damit könnt ihr euch um 360 Grad drehen, als säßet ihr wirklich in der Lore statt im Sessel.

Und so ist Captain Toad - Treasure Tracker also eine Art Mittelding aus Puzzle- und Hüpfspiel. Zu knobeln habt ihr zwar genug, doch selten halten euch Toads Probleme länger als ein, zwei Minuten in Atem. In den meisten Fällen geht es schlicht um die korrekte Reihenschaltung von versteckten P-Knöpfen oder um den günstigsten Blickwinkel der Kamera.

Wenn ihr nicht weiterwisst, dann schwenkt ihr sie einfach stufenlos mithilfe des rechten Analogsticks. Wie ein Hubschrauber umkreist sie dann Toads Mikrokosmos und deckt verborgene Höhlen und Zimmerchen auf, in denen womöglich der bislang vermisste Schatz schlummert.

Ja, diese kompakt verschachtelten Levels gibt es auch. Sie erinnern ein bisschen an ein Puppenhaus, bei dem ihr euch nie sicher sein könnt, ob ihr wirklich schon jeden toten Winkel entdeckt und jedes Geheimnis gelüftet habt.


Als wären grad noch die Klempner dagewesen

Dass Treasure Tracker ein Ableger von Super Mario 3D World ist, könnte kaum deutlicher sein: Fast wirkt das neue Spiel wie der kleine Bruder oder einfach wie die Toad-Version des letzten Mario-Marksteins. Schon ab der ersten Spielminute ist das unverkennbar. Denn Grafikstil, Gegenstände und Gegnerauswahl sind nahezu identisch. Zahlreiche Szenarien – wie zum Beispiel Lava-, Strand- und Dschungelabschnitte – orientieren sich ganz klar am Ursprungsspiel der "Captain Toad"-Idee.

Der wildgewordene Drache übernimmt gleich mehrfach die Rolle eines Zwischenbosses.Der wildgewordene Drache übernimmt gleich mehrfach die Rolle eines Zwischenbosses.

Die Doppelkirsche aus 3D World futtert der Käpt'n genauso gern wie Mario und die gläsernen Röhren sind im Pilzkönigreich noch immer in Mode. Selbst die Funktionen des Gamepad-Bildschirms dürften euch bekannt vorkommen: Ventilator-Fähren treibt ihr pustend an, blinkende Blöcke verschiebt ihr tippend. Mit halbherzigen oder gar faulen Entwicklern haben diese Ähnlichkeiten aber nichts zu tun. Jeder Level ist sorgsam durchdacht bis zur letzten Mauerritze.

Der Rucksack zu schwer, die Waffen vergessen

Unter der Oberfläche ist Treasure Tracker sowieso ein ganz anderes Spiel als 3D World – mit gänzlich anderen Ansprüchen und Schwerpunkten. Mit seiner bislang ungekannten Mischung aus zwei Genres kommt es fast der Gründung eines neuen Spieletyps gleich: Was tun, wenn man in einer Welt voll turmhoher Bauten und trudelnden Plattformen nicht mal den kleinsten Hopser zustande bringt und einem die Füße unmittelbar aus der Hüfte wachsen?

Toads Welt wimmelt vor rupfbaren Pflanzen wie einst Subcon. An manchen hängen Münzen, an anderen viel Wertvolleres.Toads Welt wimmelt vor rupfbaren Pflanzen wie einst Subcon. An manchen hängen Münzen, an anderen viel Wertvolleres.

Nun, es dauert eben alles ein bisschen länger und erfordert ein paar Gehirnwindungen mehr. Die großzügig verteilten Gumbas, Shy Guys und all das übliche Kroppzeug aus der Tierwelt des Pilzkönigreichs kümmert das herzlich wenig. Hapert es bei den meisten von ihnen zwar auch beim Springen, so sind sie doch alle schmerzhaft wehrhaft.

Den armen tapferen Toad drängen sie in die Defensive. Seine monströse Grubenlampe mit dem "300 Watt"-Scheinwerfer musste natürlich mit auf den Archäologentrip - eine Waffe hat er vergessen.


Der leuchtende Pilz mit den Rüben des Grauens

Aber zur Not tut's auch Gemüse. Diese alte Volksweisheit von Peachs Untertanen hat sich schon vor 26 Jahren in Subcon (Super Mario Bros. 2) bewahrheitet. Höchste Zeit also, mal wieder ein paar vegane Kostbarkeiten durch die Gegend zu schmeißen. Kapitän Toad zieht dralle Rüben aus dem Boden und wer die an den Kopf kriegt, dem hilft nur noch Dr. Marios vielgepriesenes Skalpell aus der unfallchirurgischen Abteilung des städtischen Klinikums von Toad Town - wenn überhaupt!

Jetzt fehlen nur noch Mouser, Wart und Birdo. Gemüse als Wurfgeschoss gab es zuletzt 1988 in Super Mario Bros. 2.Jetzt fehlen nur noch Mouser, Wart und Birdo. Gemüse als Wurfgeschoss gab es zuletzt 1988 in Super Mario Bros. 2.

Diese aufmüpfigen Herumtreiber behindern nur den Forschungsauftrag des Kapitäns. Und der führt ihn sogar auf wackeligen Loren über unterirdische Schienen. Irgendein Möchtegern-Archäologe aus Hollywood soll das ja auch mal versucht haben, aber diese traurige Gestalt hatte ja noch nicht mal ein Rübengeschütz an Bord! Während der Lorenfahrt dient das Gamepad als Zielvorrichtung mit Gyroskopsteuerung. Ansonsten fungiert es lediglich als alternativer Bildschirm und der Touchscreen als Steuerelement für die beweglichen Blöcke.

Archäologen machen früh Feierabend

So bezaubernd Treasure Tracker auch ist, so ist es doch auch recht zurückhaltend in vielerlei Hinsicht. Es gibt weder einen Mehrspieler- noch einen Online-Modus, keine Extraspielchen oder Sondermodi, noch nicht mal ein Optionsmenü. Die drei Welten zieht ihr in höchstens sechs Stunden durch – bleiben noch zwei weitere, um jedes der drei (recht schlampig versteckten) Superjuwelen pro Level aufzustöbern sowie je eine Zusatzaufgabe zu meistern: Finde den Goldpilz, lass dich nicht treffen, betätige nur drei Schalter und so fort.

Auch optisch ist Treasure Tracker ein kleiner Leckerbissen.Auch optisch ist Treasure Tracker ein kleiner Leckerbissen.

Doch schwierig ist das alles nicht. Keine Aufgabe lässt euch verzweifeln, kein Rätsel raubt euch den Schlaf. Hinterher habt ihr das Gefühl, eure Zeit mit einem kleinen und besonders wertvollen Juwel zugebracht zu haben – aber eben nur mit einem kleinen. Gut möglich aber, dass uns Kyoto demnächst mit neuen Levelpaketen in Downloadform überrascht. Dann würde Treasure Tracker doch noch zu einem Spitzenspiel – und Kapitän Toad bräuchte dringend Ersatzbatterien für die Stirnlampe.

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Tags: Shigeru Miyamoto   Singleplayer  

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