Piraten! Die wahren Vorbilder von Assassin's Creed 4 (Teil 1 von 2) - Jack Rackham ("Calico")

(Special)

Jack Rackham ("Calico")

Als erstes Beispiel stellt sich sogleich "Calico Jack" Rackham vor. Er darf wohl getrost als der Paradiesvogel unter den Piraten bezeichnet werden. Und er wird sicher nichts dagegen haben. In Black Flag ist er ein flegelhafter, versoffener Taugenichts, in der deutschen Fassung wunderbar charakterisiert von Schauspieler Martin Semmelrogge.

Gestatten, Jack Rackham, genannt "Calico".Gestatten, Jack Rackham, genannt "Calico".

Eigentlich bekommt er so gar nichts auf die Reihe und am allerwenigsten taugt er zu einem Piraten, oder gar zum Kapitän, rennt dafür aber gern in bunter Kleidung durch die Gegend. Kommt euch diese Charakterisierung bekannt vor? Wie es scheint, diente Jack Rackham wohl auch als Vorlage für den schusseligen Captain Jack Sparrow aus der Film "Fluch der Karibik" (Pirates of the Caribbean) mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Diesen bunten Vogel der Piraterie in seiner Gänze zu beschreiben oder gar einzuordnen, ist nicht einfach. Zumal er seine Bekanntheit heute nicht etwa seinem Ruf als Pirat, sondern zwei Damen zu verdanken hat, deren Bekanntschaft er machte. Diese beiden überflügeln ihn in Sachen Ruhm bei Weitem. Die Rede ist von Anne Bonny und Mary Read. Ohne diese beiden schlagkräftigen Ladys wäre Calico Jack im Nebel der Geschichte untergegangen.

Wo er herkam, wann er geboren wurde ... das weiß niemand so genau. Als sicher gilt jedoch, dass er Engländer war. Der junge Jack begann seine Piratenkarriere als Steuermann unter einem Mann der ebenfalls bekannt sein dürfte: Charles Vane.

Von Rackham heißt es, er sei sehr mutig und verwegen gewesen. Auch sagt man ihm einiges an Charme und Attraktivität nach. Letzteres mag sogar stimmen, denn auf seine sonstigen Fähigkeiten konnte er sich kaum verlassen. Wenn die versagen, dann helfen Charme und ein hübsches Lächeln oft weiter.

Darstellung von Jack Rackham auf einem Schnitt.Darstellung von Jack Rackham auf einem Schnitt.

An sein erstes Kommando gelangte Rackham, wen würde es wundern, durch Meuterei. Gegen Ende des Jahres 1718 stand Charles Vane vor der Entscheidung ein gut beladenes, aber großes Schiff entweder anzugreifen, oder den Schwanz einzuziehen und wegzurennen. Vane entschied sich gegen einen Angriff und brachte damit nicht nur Rackham, sondern auch einen Großteil seiner Besatzung gegen sich auf.

Kurzerhand wurde Calico Jack zum neuen Kapitän ernannt und Vane, zusammen mit den ihm noch treuen Matrosen, auf einer Insel ausgesetzt. Rackham schließlich tat, was Vane zuvor verweigerte und enterte das Schlachtschiff. Das hat ihm gewiss einigen Respekt in der Mannschaft eingebracht. Wer weiß? Vielleicht stiegen ihm dieser Respekt und der kurze Ruhm auch zu Kopf. Oder nur der Rum, äh ... Ruhm.

Im späteren Verlauf seiner Karriere beschränkte Rackham sich allerdings auf kleinere, leicht zu enternde Schiffe. Verdenken kann man es ihm nicht. Wozu Leib und Leben riskieren, wenn man es einfacher haben kann? Wobei es als erwiesen gilt, dass die meisten Piraten damals sich eher auf Drohgebärden verließen, als dass sie tatsächlich die gesamte Besatzung der geenterten Schiffe töteten. Oder wir gestehen ihm schlicht und ergreifend ein wenig Faulheit zu.

Wie erwähnt, galt er als mutig. Was er aber an Mut zu viel besaß, hatte er in Sachen strategischem Denken womöglich ein bisschen zu wenig. Die Haudrauf–Methode funktioniert eben nicht immer und auch ein Pirat sollte vorausschauend planen.

Einen gewaltigen Dämpfer bekam sein Ego gegen 1719. Als er ein Handelsschiff kaperte, tat er das, ohne sich zu vergewissern, ob man ihn dabei möglicherweise beobachtete. Und genau das tat jemand. Nachdem Rackham und seine Mannschaft einen Landgang unternahmen, knöpften die ihm hinterher geschickten Piratenjäger ihm das Schiff kurzerhand wieder ab.

Super, Jack! Vielleicht hättest du ein paar Männer an Bord lassen sollen? Zur Verteidigung, zum Beispiel. Na ja, vielleicht hat er das und die Jäger waren einfach in der Überzahl. Mit Sicherheit kann das nicht mehr festgestellt werden.

Wie er es geschafft hat, nach Nassau zurückzukehren, weiß niemand. Geschwommen dürfte er kaum sein. Obwohl ... nein, nein, eher nicht. Fest steht: Rackham kehrte nach Nassau zurück und nahm das Pardon von Woodes Rogers an, nachdem der diesem weismachte, Vane hätte ihn zur Piraterie gezwungen. Etwas, das Rogers ihm nur zu gern glaubte.

Man kann Rackham gewiss nachsagen, dass er sich zumindest bemühte, ein ehrliches Leben auf die Beine zu stellen. Es wollte nur nicht so recht funktionieren. Und was tut man, wenn etwas partout nicht klappt? Man versucht es weiter. Oder man wendet sich dem zu, was man wenigstens kann. Oder woran man sich gewöhnt hat. Er wurde wieder Pirat.

Bevor er dies tat, so wird angenommen, lernte er jedoch Anne Bonny kennen und die Chancen stehen gut, dass es in einer Taverne gewesen sein könnte. Zumindest zu Beginn ihrer gemeinsamen Zeit dürfte es anstrengend gewesen sein, denn die gute Anne war verheiratet. Als Beweis seiner Mühen um ein friedliches Leben an Land kann man wohl ansehen, dass er und Anne lange und beharrlich versuchten, deren Ehe auflösen zu lassen.

Nachdem ihnen das verweigert wurde, flohen sie nach Kuba (Annes Ehemann war auch nicht gerade ein Sonnenschein) und ließen sich dort eine Zeitlang nieder. Anne gebar ihr gemeinsames Kind, über dessen Verbleib nichts überliefert wurde. Einige Quellen berichten auch von zwei Kindern, mir persönlich erscheint dafür die Zeit ein wenig kurz.

Lange währte dieses Leben an Land nicht. Jack, Anne, die inzwischen dazugekommene Mary und ein paar andere Piraten stahlen ein Schiff und Rackham setzte sein Piratenleben fort.

Aber das Glück hatte ihn verlassen, denn sein neuer alter Weg dauerte ebenfalls nur noch kurz an. Oder er lag zu oft besoffen unter dem Tisch einer Taverne. Mit einem riesigen Kater segelt es sich eben nicht gut.

Ende 1720 schnappte man ihn. Dass Anne und Mary alleine gegen die Übermacht kämpften, während die Mannschaft und Jack betrunken unter Deck lagen, wird allgemein, aber nicht unbedingt, als Gerücht angesehen. Der Gedanke ist trotz des bedauerlichen Endes reizvoll und trägt seinen Teil zur Piratenromantik bei.

Es heißt jedoch, dass es Anne erlaubt wurde, Rackham ein letztes Mal zu sehen. In diesem Zuge soll sie ihren berühmten Satz gesagt haben: „Es tut mir leid, dich hier zu sehen. Aber hättest du gekämpft wie ein Mann, würdest du jetzt nicht hängen wie ein Hund.“

An der Legende kann also durchaus etwas dran sein. Kurze Zeit darauf hauchte er sein Leben aus. Seinen Körper stellte man noch eine Weile als Warnung für andere Piraten in einem Stahlkäfig öffentlich zur Schau. Natürlich erlitt nicht nur er dieses Schicksal, was bedeuten dürfte, dass eine solche Warnung nicht sonderlich fruchtbar war.

Was ist heute von Jack Rackham geblieben? Man mag es kaum glauben, aber die Piratenflagge in ihrer bekanntesten Form – also schwarz, mit Totenschädel und gekreuzten Schwertern – soll seine Erfindung gewesen sein.

Die klassische Piratenflagge soll Reckhams Erfindung sein.Die klassische Piratenflagge soll Reckhams Erfindung sein.

Wenn auch in Black Flag nicht viel von ihm erzählt wird und er keinen wirklich großen Auftritt spendiert bekam, so kann man doch sagen, sein Spiel–Pendant kommt dem Original verblüffend nahe. Es ist wahr, dass

  • Jack Rackham ein lausiger Pirat und schlechter Kapitän war,
  • dass er Anne Bonny kannte,
  • dass er Charles Vane auf einer Insel aussetzte,
  • dass er kurz nach dem Kapern eines großen Schiffes dieses wieder abgenommen bekam (im Spiel ist es die Jackdaw, das echte Schiff trug den Namen "Kingston")
  • dass sein Körper in einem Käfig landete,
  • und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist es wahr, dass er eine Schlacht verlor, weil er zu betrunken zum Kämpfen war.

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Tags: Singleplayer   Science-Fiction  

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