Piraten! Die wahren Vorbilder von Assassin's Creed 4 (Teil 1 von 2) - Stede Bonnet

(Special)

Stede Bonnet

Ich erahne die hochgezogenen Augenbrauen und fragenden Blicke, die mir sagen wollen: "Ist das dein Ernst?" Aber ja! Den liebenswerten, aber irgendwie seltsamen Kauz Bonnet trifft Edward, der Protagonist von Black Flag, gleich zu Beginn der Geschichte. "Der war nie und nimmer Pirat, oder gar eine echte historische Figur!", werden jetzt einige schreien wollen, und ich kann das nachvollziehen. Und Bonnet wäre besser beraten gewesen, er wäre auch kein Pirat geworden. Zumindest hätte er dann länger gelebt, wenn auch unglücklich.

Stede Bonnet, wie ihr ihn aus Black Flag kennt.Stede Bonnet, wie ihr ihn aus Black Flag kennt.

Doch beginnen wir am Anfang. Trefft ihr auf ihn, stellt Stede sich als Händler und Besitzer einer Zuckerrohrplantage vor. Er erzählt recht freimütig von seinem Leben, seiner Ehe, seinen Kindern und wie aufregend er Edwards Leben findet. Dass er nicht am Hungertuch nagt, auch nie daran knabbern musste, erkennt ihr an jeder seiner Regungen, seiner Sprache, seinem Auftreten.

Nach dem Verlassen Havannas hört ihr dann eine Weile nichts von ihm und seht ihn schließlich auf Ed Thatchs Schiff wieder, quasi als Piratenlehrling. Wiederum später schließlich auf seinem eigenen Schoner. Wer war nun Stede Bonnet?

Die historische Figur war der Sohn eines reichen Landbesitzers und wuchs unter gut behüteten Verhältnissen auf. Warum also wurde ein wohlerzogener, junger Mann, der nur auf der Sonnenseite des Lebens herumhing, unter anderem auch den Rang eines Majors innehatte, ein Seeräuber? Nur am Mammon kann es nicht gelegen haben. Knete und feine Fummel hatte er sicher genug.

Daher wird angenommen, dass ihm einfach nur langweilig war. Vielleicht fühlte er sich in seiner Ehe eingesperrt, bar jedweden Traumes und ohne Ziele? Ja, schon damals hatten die Leute die gleichen Probleme wie heutzutage. Welch aufregendes Leben dagegen führten die Freibeuter und Piraten? Die Piraten noch eher als die Freibeuter, nebenbei bemerkt. Dass dieser Lebensstil auch noch obendrein gefahrvoll war, muss nicht extra erwähnt werden.

Ob er seine Pläne wirklich gut durchdacht hat, sei mal dahingestellt. Aber er ging mit einer gewissen Zielstrebigkeit an die Sache heran. Fest steht: Unter allen bekannten Piraten war er eine echte Ausnahme. Gewiss gab es in der gesamten Historie der Seeräuber keinen zweiten Piraten wie ihn, der sich stilsicher äußerst gewählt ausdrückte und höflich war. Ein Gentleman durch und durch. Da fragt man sich, wie die Besatzungen der von ihm angegriffenen Schiffe reagiert haben mochten? Hat er sie freundlich gebeten, ihm die Beute zu übergeben, oder hat seine Crew das mit reichlich Säbelrasseln erledigt?

Obwohl er ein solch komischer Kauz war, respektierte seine Crew ihn, zumindest ein wenig. Doch ihr dürft wohl annehmen, dass sie sich hinter seinem Rücken auch schon mal über ihn lustig machten. Dabei war er keineswegs erfolglos. Eher im Gegenteil. Er enterte ein Schiff nach dem anderen. Und bei der Besessenheit, mit der er das tat, möchte man annehmen, dass es ihm höllisch Spaß gemacht hat.

Er legte ungeheuer viel Wert darauf, dass ihm sein Ruf als Pirat vorauseilt. Ob er ein extrem angeknackstes Selbstbewusstsein besaß? Vielleicht berauschte ihn aber auch das Gefühl von Macht. Doch letztendlich übernahm er sich mit einem Angriff auf ein Kriegsschiff, verlor fast seine gesamte Mannschaft und auch beinahe sein Leben.

So soll Steve Bonnet, genannt der "Gentleman-Pirat" tatsächlich ausgesehen haben.So soll Steve Bonnet, genannt der "Gentleman-Pirat" tatsächlich ausgesehen haben.

Während der Zeit seiner Genesung kam er auf Blackbeards Schiff. Edward Thatch hat ihn aber wohl aus ganz praktischen Gründen aufgenommen, und zwar hat er wohl ein Auge auf Bonnets Schiff geworfen. Das war erwiesenermaßen ausgesprochen gut. Danach war Stede sein Schiff los, aber vorerst schien er es Thatch nicht übel zu nehmen.

Bonnet mag geglaubt haben, dass er in ihm einen Freund, oder wenigstens Kameraden fand, aber er irrte sich. Denn als Thatchs Schiff auf Grund lief, vertraute Bonnet ihm ein weiteres Mal und musste dies ebenso bereuen. Während er und seine Männer auf Thatchs Wunsch hin an Land waren, um eine Begnandigung zu erbitten (womit er übrigens auch Erfolg hatte), machte Blackbeard sich aus dem Staub. Mit Schiff, samt Besatzung und natürlich der reichen Beute.

Den Rest von Bonnets Männern setzte er aus, doch Bonnet gelang es, sie zu retten. Natürlich schwor er Rache. Man benötigt nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie das enden würde. Aber Bonnet traf nie wieder auf Thatch. Was für ihn, Bonnet, sicher ein Glücksfall war.

Andererseits, allzu viel würde ich doch nicht auf Blackbeards überlegenen Sieg setzen. Stede besaß eine hervorragende militärische Ausbildung. Wenn nicht auf physischer, so mochte er Thatch doch durchaus auf psychischer Ebene überlegen gewesen sein und die eine oder andere gute Taktik im Gepäck gehabt haben.

Stedes Piratenflagge hatte besondere Merkmale.Stedes Piratenflagge hatte besondere Merkmale.

Kurz darauf änderte Bonnet seinen Namen und zog noch eine ganze Zeit erfolgreich plündernd über die Meere. Ende 1718 war jedoch Schluss damit. Mehrere Stunden lang soll Bonnet versucht haben, sich seinen Weg durch die näherrückenden Piratenjäger freizukämpfen, was einem tatsächlich ehrlichen Respekt abnötigt.

Man verhandelte wohl noch darüber, ihn nach England zurückzuschicken, doch letztlich teilte er das Schicksal seiner Männer durch Tod am Strang. Pirat hin oder her, aber unter allen Piratengeschichten ist die seine die traurigste. Den Vater früh verloren, nur drei seiner Kinder überlebten, unglücklich in der Ehe, unzufrieden mit seinem Leben, zweimal schlimm betrogen und dann ein Ende am Galgen. Armer, reicher Kerl ...

Es ist wahr, dass

  • Bonnet ein wohlhabender Händler war,
  • dass er nicht selbst sein Schiff steuern konnte,
  • er eine Zeitlang mit Blackbeard reiste, nur leider aus den falschen Gründen.

Schade, man hätte mehr über ihn erzählen können. Denn leider geht in seiner Darstellung unter, dass er ein recht erfolgreicher Pirat war, offenbar gar besessen davon, ein "Bad Boy" zu sein. Im Spiel kommt er ein bisschen wie ein Waschlappen rüber. Ich zweifle daran, dass er tatsächlich vor Blackbeard zurückgewichen wäre, um seinen Gott um Gnade anzuflehen. Bei allem, was Stede so auf dem Kerbholz hatte, hätte er ihm eher die Stirn geboten.

Gewiss wie ein echter Gentleman und überaus höflich. Sicher war er bereits aufgrund seiner Herkunft und seines Auftretens eine echte Ausnahme unter seinen "Kollegen", aber ein Feigling und Weichei dürfte er kaum gewesen sein. Der Hintergrund ist also tatsächlich zu großen Teilen korrekt, doch sonst unterscheiden sich reale Figur und Spielcharakter relativ stark.

Dieses Video zu AC 4 schon gesehen?

Weiter mit: Benjamin Hornigold

Tags: Singleplayer   Science-Fiction  

Kommentare anzeigen

5 x Taktik-Perlen: Shadow Tactics - Blades of the Shogun und seine Echtzeit-Väter

5 x Taktik-Perlen: Shadow Tactics - Blades of the Shogun und seine Echtzeit-Väter

Das Münchner Entwicklerstudio Mimimi Productions belebt mit Shadow Tactics ein faszinierendes, nahezu in (...) mehr

Weitere Artikel

Leserwahl zum GOTY 2016 - Entscheidet hier über das Spiel des Jahres + tolle Gewinne

Leserwahl zum GOTY 2016 - Entscheidet hier über das Spiel des Jahres + tolle Gewinne

Ihr habt die Wahl! Ihr entscheidet, welches Spiel das schönste, beste und tollste dieses Jahr war. Ab sofort d&uum (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Meinungen - Assassin's Creed 4 - Black Flag

Alle Meinungen

AC 4 (Übersicht)