Piraten! Die wahren Vorbilder von Assassin's Creed 4 (Teil 1 von 2) - Charles Vane

(Special)

Charles Vane

Von drei eher untypischen Vertretern gelangen wir nun zu einem, der genau das verkörperte, was einen Piraten ausmachte. Charles Vane war brutal und gewissenlos. Nur einer war schlimmer als er. Und es ist nicht der, von dem ihr vermutlich glaubt, dass er es ist. Auch im Spiel ist er das, was man als „Rauhbein“ bezeichnen würde, was in dem Fall aber eher schon ein Kosename wäre, doch zeigt er anfangs sehr wohl menschliche, sogar sympathische Charakterzüge.

Der brutale Charles Vane in Black Flag.Der brutale Charles Vane in Black Flag.

Es wird ein Mann gezeichnet, der sich um die Freiheit Nassaus sorgt und alles tun würde, um diese sicherzustellen. Er geht sogar soweit, ein Schiff als Brandsatz zu benutzen, indem er es in eine gegnerische Flotte jagt. Trotz dessen, dass diese Taktik Erfolg hatte, wird er auf einer einsamen Insel ausgesetzt, auf der er recht schnell den Rest seines Verstandes verliert.

Anschließend hört man erst wieder von ihm, als er im Knast sitzt, nun vollständig verrückt. Schade, dass man nie erfuhr, was genau den so entsetzlich war, dass ihm der Anblick den Verstand raubte. Im Spiel verschmelzen mehrere bekannte Ereignisse aus Vanes Leben zu einem einzigen. Anders hätte man es vermutlich auch nicht in den Rahmen der Geschichte pressen können.

Nun, wer war der echte Charles Vane? Wie bei so manch anderem Pirat, begann auch Vanes Aufstieg während der Zeit des Spanischen Erbfolgekriegs. In Kurzform: Karl II. von Spanien hatte keine Kinder, und um Macht hat man sich ja seit jeher gern gekloppt. Aber gut, darum geht es nicht. Als seine erste Handlung könnte man 1716 die Plünderung einer spanischen Schatzflotte sehen, welche knapp ein Jahr zuvor durch einen Hurrikan vor der Küste Floridas versenkt wurde.

Klingt das vertraut für euch? 1718 bot man allen Piraten das Pardon an, unter anderem ausgeführt von Woodes Rogers (dessen Vater übrigens Woods Rogers hieß; wie ... originell). Ein Pardon ohne Kompromisse, was bedeutete, die ehemaligen Piraten würden als freie Menschen leben können, sofern sie der Piraterie abschworen. Eigentlich eine mehr als faire Angelegenheit.

Zur Sicherheit nahm Rogers aber auch noch vier Kriegsschiffe mit, um den Piraten, die sich weigerten, das Fürchten zu lehren. Vanes damaliger Kapitän, auch viele andere, nahmen das Pardon an, ebenfalls fast die gesamte Mannschaft. Vane jedoch weigerte sich. Spottete gar darüber. Warum auch hätte er seine letzte reiche Beute aufgeben sollen, nur um sicherzustellen, dass man ihn nicht aufknüpfte? Reichtum oder Leben? Tja, schwere Entscheidung.

Man kann ihm, nicht nur ihm, daher auch ein wenig Arroganz zugestehen. Nach dem Motto "Mich erwischt ihr eh nicht!" machte er weiter und belud sein zuvor gekapertes Schiff mit Schwarzpulver, das er in Brand steckte und den Kriegsschiffen entgegenschickte. Im Wirrwarr der brennenden Bucht entkam Vane. Rogers schlug das wohl arg auf den Magen, denn er erklärte Vane zu seinem Lieblingsfeind, beziehungsweise zu dem Piraten, den er unbedingt fangen und zur Strecke bringen wollte.

Mit seinem neu geklauten Schiff brach Vane mit anderen auf, die ebenfalls das Pardon verweigerten. Darunter auch Jack Rackham. Innerhalb weniger Monate sammelte Vane eine kleine Flotte um sich und machte sich einen Namen als gefürchteter und grausamer Pirat. So hatte er unter anderem die Mannschaft eines gekaperten Schiffes schwer misshandelt, weil sich sich ergaben, anstatt zu kämpfen.

Auch sonst hielt er nicht viel vom Piratenkodex. Er betrog seine Männer um ihren Anteil an der Beute, tötete Seeleute denen er Gnade versprach, wenn sie sich ergaben und behandelte sie auch dann grausam, wenn sie sich sofort ergaben. Ein bisschen verrückt musste er also bereits gewesen sein.

Was genau Vane den Verstand raubte, ist nicht geklärt.Was genau Vane den Verstand raubte, ist nicht geklärt.

Als Woodes Rogers in Nassau eintraf und ein letztes Mal das Pardon anbot, musste Vane einsehen, dass seine Lage zu hoffnungslos war. Nach wie vor hatte er nicht im Sinn, sein bisheriges Leben zu überdenken oder gar aufzugeben, auch wenn er zuvor zum Schein in das Pardon einwilligte. Letzteres tat er nur, weil er bereits in die Enge getrieben worden war. Doch kaum bekam er eine Möglichkeit, sich herauszuwinden, ergriff er sie. Um Nassau wieder unter seine Kontrolle zu bringen, kaperte er ein französisches Schlachtschiff und natürlich auch noch andere, um seine Crew bei Laune zu halten.

Als Rogers nach Nassau zurückkehrte, um die Einhaltung des Pardons zu überwachen, beschoss Vane die eintreffende Flotte. Allerdings nur mit wenig Erfolg. Allein dafür hätte ihm schon der Strick gedroht.

In der Nacht schließlich, setzte Vane sein eigenes Flaggschiff in Brand und schickte es der Flotte entgegen, in der Hoffnung, sie mit einem Schlag zu versenken. Doch es funktionierte nicht ganz nach Plan, denn die Flotte konnte schnell genug Anker lichten und aus der Gefahrenzone segeln. Allerdings entkam auch Vane mit seinen Schiffen. Sein fragwürdiger Ruhm steigerte sich, aber er hörte nicht auf, von einer Piratenrepublik zu träumen und wollte das verlorene Nassau zurückerobern.

Im letzten Viertel des Jahres 1718 traf er sich mit Blackbeard, um diesen zu bitten, ihm bei einem Angriff auf Nassau beizustehen. Doch Thatch lehnte ab, da er gänzlich andere Pläne hatte. Danach setzte Vane Segel in Richtung New York und sein Niedergang begann. Er übernahm sich an einem Kriegsschiff, was wiederum dazu führte, dass Rackham ihn von Bord warf.

Ganz so schnell wollte Vane aber doch nicht aufgeben und ihm und seinen ihm verbliebenen Männern gelang es erneut eine kleine Flotte, bestehend aus fünf Schiffen, um sich zu sammeln. Eine Zeitlang ging alles nochmals ganz gut für ihn und er schlug sich plündernd und marodierend einen neuen Weg in die Bekanntheit. Aber nicht für lange Zeit. Und beinahe hätte ihn ein ähnliches Schicksal ereilt wie Hornigold.

Seine Flotte geriet in einen Hurrikan, wurde zerstört und er erlitt Schiffbruch. Natürlich auf einer einsamen Insel. Nach einigen Monaten schließlich, wurde er von einem britischen Schiff entdeckt. Bedauerlicherweise erkannte dessen Kapitän jedoch wer vor ihm stand und ließ Vane zurück. Im Spiel wird diese Stelle vermutlich repräsentiert, als Edward gerettet wird, man aber für lange Zeit nichts mehr von Vane hört.

Kurz darauf wurde aber auch Vane gerettet, nachdem ein anderes Schiff vorbeikam und er einen falschen Namen angab. Dort arbeitete er als Matrose und wurde von den anderen Crewmitgliedern als fleißiger Arbeiter geschätzt. Dumm nur, dass der Kapitän der ihn zuvor zurückließ, auf das Schiff kam und ihn erkannte. Vane landete in Ketten und im Gefängnis.

Natürlich folgte eine Anklage wegen Piraterie, jedoch erst knapp ein Jahr nach seiner Gefangennahme. Man ist sich uneins, warum es so lange dauerte. Den meisten Piraten wurde sehr schnell der Prozess gemacht. Vielleicht versuchte man noch Zeugen für Vanes Barbarei aufzutreiben. Als es dann zum Prozess kam, gab Vane alles zu, ohne Reue, ohne Bedauern und ohne sich in irgendeiner Form zu rechtfertigen, oder zu verteidigen.

Ende März 1729 wurde er gehängt und sein Körper ebenfalls als Warnung ausgestellt. Interessant ist wohl, dass mit dem Ende dieses Piraten auch das „Goldene Zeitalter der Piraterie“ seinem Ende entgegenging.

Es ist wahr, dass

  • Vane ein Brandschiff benutzte, um eine Flotte zu versenken. Allerdings war es sein eigenes, nicht Rackhams.
  • er auf einer einsamen Insel landete und dort mehrere Monate verbrachte,
  • er eine eigene Flotte besaß,
  • er lange Zeit im Gefängnis saß,
  • es sehr gut möglich ist, dass sowohl die einsame Insel, als auch das Gefängnis seinen Verstand zu Bröseln verarbeiteten.

Bis auf ein paar wenige Abwandlungen im Zeitrahmen ist Charles Vanes Darstellung korrekt.

Folgende Quellen wurden zur Recherche für diesen Beitrag herangezogen:

  • Latin American History
  • Geo - Pirates of the Carribean
  • Wikipedia
  • diverse Reportagen zum Thema "Piraten der Karibik"

Wie geht es weiter?

Im zweiten Teil erfahrt ihr mehr über weitere schillernde Persönlichkeiten aus der Welt der Piraten. Vor allem geht es dann um die holde Weiblichkeit. Denn auch die zog säbelrasselnd über die Meere. Mehr darüber erfahrt ihr ab Morgen in Die historischen Vorbilder von Assassin's Creed 4 - Black Flag, Teil 2.

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Tags: Singleplayer   Science-Fiction  

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