Piraten! Die wahren Vorbilder von Assassin's Creed 4 (Teil 2 von 2)

(Special)

von Micky Auer (25. Januar 2015)

Oft wird das Piratenleben in Filmen und Spielen romantisch verklärt dargestellt. Doch wie war das alles wirklich? Im zweiten Teil unseres Blickpunktes tauchen wir noch tiefer in die Geschichte der Piraten ein.

Im ersten Teil dieses Beitrags lag der Fokus auf schillernden Gestalten wie Benjamin Hornigold, "Calico" Jack Rackham und Stede Bonnet. Allesamt mehr oder weniger gestandene Kerle. Wenn ihr die Lektüre bislang verpasst habt, schaut doch gerne mal hier rein: "Piraten der Karibik: Die wahren Vorbilder von Assassin's Creed 4 (Teil 1)".

Doch was ist eigentlich mit weiblichen historischen Figuren? Und gibt es noch mehr berühmte Piraten, die den Charakteren in Assassin's Creed 4 - Black Flag als Vorbild dienen? Lest weiter, und ihr werdet es erfahren, wenn ihr unserer Autorin Sabrina Menville auf eine Reise in die Vergangenheit begleitet.

Auch diesmal habt ihr am Ende dieses Artikels die Möglichkeit, eine von zwei Notre Dame Editionen von Assassin's Creed - Unity zu gewinnen. Diese Gelegenheit solltet ihr nicht verpassen! Doch jetzt heißt es wieder: "Arrrr! Setzt die Segel und stimmt ein Shanty an!"

Anne Bonny

Wie es aussieht, sind nun die Damen an der Reihe. Obwohl ich das Wort "Dame" jetzt nicht allzu laut aussprechen würde. Anne war gewiss nicht die einzige Frau, welche in Männerkleider schlüpfte und unter der schwarzen Flagge segelte, aber sie gehört mit Abstand zu den bekanntesten. Unzählige schöne und schaurige Legenden ranken sich um sie.

Die rothaarige Anne Bonny war in Wahrheit wesentlich burschikoser.Die rothaarige Anne Bonny war in Wahrheit wesentlich burschikoser.

Zum ersten Mal macht ihr im Spiel mit Anne in einer Taverne Bekanntschaft, wenn ihr ein hoffnungslos besoffener Rackham vor die Füße fällt, und Edward sich einen Rum bestellt. Auch vorher schon hockte sie im Hintergrund am Tisch. Vom ersten Augenblick an macht sie einen recht resoluten Eindruck und wirkt doch wie eine zauberhafte Blume auf einem Feld voller Mist.

Auf einer Verhandlung trifft man sie wieder, wo sie sich dem Tod durch den Strang entzieht, indem sie behauptet, schwanger zu sein. Zu guter Letzt schließt sie sich Edward an, um mit ihm über die Meere zu reisen. Ein Schelm, wer an mehr als Freundschaft denkt! Dass sie ihn begleitet, ist jedoch eine gute und irgendwie süße Wahl. Und hat sie nicht ein wunderbares Goldkehlchen?

Allgemein wird ein bisschen wenig über sie erzählt, also richten wir den Blick auf ihr historisches Original. Anne wurde in Irland als uneheliches Kind eines Anwalts und einer Magd geboren. Lange blieb sie aber wohl nicht auf der Grünen Insel, denn es heißt, dass man ihren Vater "höflich" aufforderte, Geliebte und Kind nach Amerika zu bringen. Was er dann auch tat, um sich dort ein neues, gerüchtefreies Leben aufzubauen.

Anne war ein lebhaftes Kind, dass sich auch nicht scheute, Jungs die ihr zu nah kamen, oder sie blöd anmachten, die Meinung zu sagen, oder ihnen gleich die Nase zu brechen. Der Verwendung eines Messers zu anderen Dingen außer Butter aufs Brot zu streichen, war sie auch nicht abgeneigt. Noch im jugendlichen Alter verliebte sie sich in einen abgehalfterten Seemann, einst ein Pirat (oder eher: Möchtegern-Pirat), den sie auch heiratete.

Ihrem Vater missfiel das freilich. Der hatte sich inzwischen einen guten Namen als Händler gemacht, und wenn er eines nicht wollte, dann mit Sicherheit, dass sein Töchterlein sein Vermögen in den Hals eines Halunken stopft. Aber musste er sie deshalb gleich rauswerfen?

Anne, inzwischen nach Nassau umgezogen, bereute ihre frühe Heirat recht bald, denn ihr Ehemann James Bonny war alles andere als ein Gentleman oder guter Geschäftsmann. Reden wir also gar nicht erst davon, ob er wenigstens ein guter Ehemann war. War er nämlich ohnehin nicht.

Letztlich verlor auch Anne selbst noch den letzten Funken Respekt vor ihrem Mann und machte sich ein Vergnügen daraus, die Männerwelt von Nassau mit ihrem Körper zu beglücken. Kurzum: Sie ließ nichts anbrennen.

Anne trat in ihrer Piratenkarriere als Mann verkleidet auf.Anne trat in ihrer Piratenkarriere als Mann verkleidet auf.

In diesem Zeitraum, etwa Ende 1719, traf sie auf Jack Rackham und begann eine Liebschaft mit ihm. Bald wurde sie von ihm schwanger. Was daraufhin geschah, könnte man schon beinahe als kitschige Piratenromanze bezeichnen. Rackham bemühte sich um Anne, rannte sich die Hacken wund, um ihre Ehe annullieren zu lassen und mit ihr gemeinsam ein Leben ohne Kapern und Plündern führen zu können. Trotz aller Mühen und Beharrlichkeit gab man dem jungen Paar keine Chance, und James Bonny hätte Rackham lieber früher als später am Galgen gesehen.

Daher flohen sie nach Kuba, wo Anne ihr gemeinsames Kind zur Welt brachte. Was aus dem Knirps wurde, weiß leider niemand. Bald schon waren die beiden nämlich wieder unterwegs in der Karibik, wo Anne mehr noch als Rackham ihre Spuren hinterließ. Fortan trat sie nämlich nur noch als Mann verkleidet in Erscheinung. Sie galt als furchtloser Pirat, kämpfte wie ein Mann und trank und fluchte wie ein solcher.

In dieser Zeit wiederum kam auch Mary Read an Bord, woraus eine Legende entstand, die nicht zwangsläufig eine sein muss. So heißt es, dass Anne der ebenfalls verkleideten Mary große Zuneigung entgegenbrachte und ihr daher eines Tages offenbarte, dass sie eine Frau sei. Wie mag Marys Reaktion wohl ausgefallen sein? "Ich übrigens auch!" Ich hoffe, die beiden haben herzlich darüber gelacht. Es gäbe selbstverständlich noch eine andere Möglichkeit. Spekulationen über eine mögliche sexuelle Beziehung der beiden Frauen gibt es durchaus. Sie sollen sich wirklich sehr, sehr nah gestanden haben.

Ende 1720 schließlich ereignete sich jener legendäre Kampf, in welchem Anne und Mary sich allein einer Übermacht aus Piratenjägern stellten. Gezwungenermaßen, da alle anderen sturzbesoffen waren. Sie verloren und wurden vor Gericht gestellt, wo sich erneut eine legendär gewordene Szene abspielte. Die beiden Frauen behaupteten schwanger zu sein. Auch damals war es verboten, Schwangere zu exekutieren.

Wie sich herausstellte, waren die beiden tatsächlich schwanger und ihre Strafe wurde ausgesetzt. Man ist sich uneins, was später aus Anne wurde. Sicher ist nur, dass sie nicht gehängt wurde und vermutlich erst im hohen Alter starb. Sollte sie also freigekommen sein, unter welchen Umständen auch immer, so wird Anne Bonny ihren Weg gemacht haben. Auch wenn ihre Piratenkarriere nur kurz andauerte, dürfte Anne in ihrer Zeit bereits ein große Inspiration für Mädchen und Frauen gewesen sein. In einer Zeit, in der Frauen praktisch keine Rechte besaßen, suchte und fand sie ein Leben voller Freiheit und Abenteuer.

Korrekt sind also die Punkte, dass

  • Anne Bonny aus Irland kam,
  • sie Jack Rackham kannte,
  • sich dem Strang durch eine Schwangerschaft entzog und
  • sie mit Mary Read befreundet war.

Außerdem war sie tatsächlich rothaarig und, so sagte man jedenfalls, ziemlich hübsch. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit ist der Kampf gegen die Jäger tatsächlich so abgelaufen wie überliefertz. Ansonsten entspricht ihre Darstellung eher nicht dem Bild der realen Person. Im Spiel wirkt Anne ein wenig wie eine zarte Elfe (mit einer großen Klappe), was durch die Blüten im roten, gepflegten Haar unterstrichen wird. Das Wenige jedoch, was über sie erzählt wird, ist historisch richtig. Und ist es nicht eine romantische Vorstellung, dass sie mit Edward auf und davon reist?


Mary Read

Der echten Mary hätte ihr Auftritt in Black Flag gewiss das Herz erwärmt. Sie bekam hier eine wirklich schöne und geheimnisvolle Rolle spendiert. Dass sie in Männerkleidern auftaucht und sich James nennt, nun, das war zu erwarten. Übrigens gab es tatsächlich einen Piraten namens William Kidd, der einen mysteriösen Schatz vergraben haben soll. Offensichtlich war ihre Verkleidung sehr überzeugend, wenn sie trotz ihrer zierlichen Erscheinung als ganzer Kerl wahrgenommen wurde.

Ebenso wie Anne Bonny verkleidete sich Mary Read stets als Mann.Ebenso wie Anne Bonny verkleidete sich Mary Read stets als Mann.

Obwohl sie durchaus in Konkurrenz mit Edward steht, nimmt sie ihn ein wenig an der Hand und lenkt ihn fast behutsam in jene Richtung, in die er gehen soll. Selbst wenn sie droht, ihm sein bestes Stück abzuschneiden. Hin und wieder wirkt ihre ruppige Art aufgesetzt, ob beabsichtigt oder nicht, und auf der anderen Seite schimmern Ehrgeiz und eine wie selbstverständlich wirkende Sensibilität hervor.

Es ist wirklich ein schönes Bild, welches sie hier abgibt. Und wer hat nicht ein paar Tränen zerdrückt, als sie in Edwards Armen starb, der definitiv mehr tat, als sie nur wertzuschätzen? (Wehe, wenn ich mal wieder an dieser Stelle bin, mir noch die Wangen trockne und meine Besatzung nichts besseres zu tun hat, als "Leave her, Johnny" zu singen! Ich werf sie eigenhändig über Bord! Ja, ich weiß, in dem Shanty geht es um ein Schiff – aber es passt so gut. Viel zu gut.)

Wer also war nun die echte Mary Read? Na ja, Assassinin schon mal nicht! Anders als Anne Bonny wählte Mary ihren Weg und die Männerkleidung nicht aus einer Notwendigkeit heraus. Sie war es nicht anders gewohnt als sich so zu kleiden, und das Salzwasser und der raue Wind der See lagen ihr sozusagen im Blut.

Ihr Vater war Kapitän, aber sie lernte ihn nie kennen. Er starb vor ihrer Geburt. Außerdem hatte sie einen älteren Bruder, der ebenfalls in jungen Jahren starb, woraufhin ihre Mutter sie in Jungskleidung steckte und wie einen solchen aufzog. Warum sie das tat, wäre für einen Psychologen gewiss interessant herauszufinden.

Es wird angenommen, dass sie es des Geldes wegen tat, welches Marys Großmutter dem verstorbenen Bruder zukommen ließ. (Ja, sie gab Mary als ihren toten Bruder aus) So wuchs die kleine Mary also nicht auf wie ihre behüteten Alters– und Geschlechtsgenossinnen, lernte nicht Stricken und nicht Kochen, sondern zu kämpfen. Aber auch ihr Charakter dürfte dem entgegengekommen sein. Wie Anne war auch sie wohl einfach ein Wildfang.

Mary fand Gefallen an ihrer Verkleidung. Als Erwachsene fand sie Arbeit als Soldat, sogar in der Kavallerie, und als Seemann. Trotzdem konnte sie sich natürlich auch schon mal verlieben. Was auch geschah. Sie heiratete einen jungen niederländischen Offizier und die beiden eröffneten ein kleines Hotel. Sehr lange währte das Glück nicht, denn ihr Mann starb nach wenigen Jahren. Überfordert mit der Führung des Hotels wandte sie sich wieder der Seefahrt zu. Noch ganz offiziell und auf der legalen Seite, versteht sich.

Auf dem Weg in die Karibik wurde ihr Schiff von Piraten überfallen (ausgerechnet von Rackham) und sie entschied, sich ihnen anzuschließen. Sehr viele Möglichkeiten wird sie auch kaum gehabt haben. Recht schnell machte sie sich einen Ruf als gefürchteter Pirat. Dass sie Edward drohte, ihn auch noch zu entmannen, sollte der Gute auf jeden Fall ernst nehmen. Denn auf Rackhams Schiff ereignete sich eine Szene, von der mancher vielleicht schon hörte.

Mary fand Gefallen an einem jungen Mann, der in die Besatzung gezwungen werden sollte, sich aber vehement weigerte. Das wiederum hätte dazu führen können, dass man ihren "Noch nicht ganz aber fast"-Liebhaber einfach tötete. Er aber sollte um sein Leben kämpfen. Mary, die mit gutem Grund um sein Leben fürchtete, nahm seinen Platz ein und gewann.

Um den rauen Männern zu zeigen, gegen wen sie verloren haben, soll sie ihr Hemd hochgehoben und ihre Brüste präsentiert haben, was erneut in einem Kampf gipfelte, den sie ebenso mühelos gewann und der mit mindestens einem Toten endete. So mussten die verbliebenen aber kampfunfähigen Männer wohl oder übel ihre Demütigung runterschlucken.

In einem legendären Kampf soll Mary für ihren anvisierten Geliebten eingesprungen sein.In einem legendären Kampf soll Mary für ihren anvisierten Geliebten eingesprungen sein.

Ob daraufhin etwas aus ihr und dem jungen Mann wurde? Wer weiß? Möglicherweise ist er nach einer solchen Demonstration freiwillig von Bord gesprungen. Es könnte aber auch sein, dass er der Vater ihres Kindes war.

1720 wurde sie, ebenso wie Anne und Rackham, geschnappt und entging dem Tod durch den Strang ebenfalls durch eine Schwangerschaft. Auch bei ihr ist unklar, was aus dem Baby wurde. Mary erkrankte schließlich an einem Fieber und starb. Möglicherweise zusammen mit dem Kind oder während der Geburt. Den blauen Himmel und die weite See sah sie nie mehr. Im Spiel stirbt sie wenigstens in Edwards Armen und nicht einsam in der kahlen Zelle.

Sowohl Anne als auch Mary werden trotz ihres burschikosen Auftretens recht weiblich dargestellt. Tatsächlich waren aber beide Frauen furchtlose Kämpferinnen, die sich in keiner Weise scheuten, Kehlen durchzuschneiden und knietief im Blut ihrer Gegner zu waten. Sie mögen verständlicherweise große Inspirationen gewesen sein, aber ob man denen wirklich nachts auf einer leeren Straße begegnen möchte?

Kommen wir zum Fazit über die berühmte Mary Read: Heutzutage ist man sich nicht mehr zu hundert Prozent sicher, ob alles, was über Mary bekannt ist, auch eben dieser einen Mary zuzuordnen ist (Rackham hatte wahrscheinlich gern weibliche Piraten an Bord.).

Es ist wahr, dass

  • sie nur in Männerkleidung umher lief,
  • sie mit Anne Bonny befreundet war,
  • sie eine herausragende Kämpferin war,
  • sie sich der Hinrichtung durch eine Schwangerschaft entzog und
  • sie im Gefängnis starb.

Ansonsten gilt für sie ähnliches wie für Anne Bonny. Aber in vielen Teilen kommt ihre Darstellung dem historischen Vorbild ausgesprochen nahe, wenn die echte Mary auch mit hoher Wahrscheinlichkeit burschikoser und kräftiger gewesen sein dürfte.

Weiter mit: Mary Read

Tags: Singleplayer   Science-Fiction  

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