Schnitte in Videospielen, Teil 3: Hakenkreuze, Sex und Kurioses - The Bard's Tale, Maniac Mansion

(Special)

Fall 11: The Bard's Tale

Das Rollenspielurgestein The Bard's Tale von 1985 gilt als Genre-Meilenstein, der jedoch schamlos von der Vorlage Wizardry abgekupfert hat. Allerdings hat die Bard's Tale schnell zahlreiche Anhänger gefunden. Auch deswegen, da Hersteller Interplay Teil 1 auf viele Plattformen umgesetzt hat, auch auf das NES.

Auf dem C64 (links) gibt es Wein, auf dem NES müsst ihr mit Traubensaft (rechts) Vorlieb nehmen. (Bild von schnittberichte.com)Auf dem C64 (links) gibt es Wein, auf dem NES müsst ihr mit Traubensaft (rechts) Vorlieb nehmen. (Bild von schnittberichte.com)

Aus der Ego-Sicht erkundet ihr Kerker und stellt euch vielen Rundenkämpfen. Jedoch ist die NES-Version sprachlich entschärft worden. In der städtischen Bar trinken die Helden beispielsweise statt alkoholischer Getränke lediglich Malzbier oder Traubensaft. Entsprechend abgeändert sind die Texte im ersten Kerker - dem Weinkeller. Dieser ist nun simpel ein "Keller".

Erstaunlich ist es, wie pingelig Nintendo damals vorgeht, um Referenzen auf Alkohol oder Tod zu umgehen. Denn im Kampf könnt ihr die Feinde nicht töten, sondern nur besiegen. Im Englischen heißt es nämlich "Defeated it" statt "Killing it". Dass im Spiel selbst überhaupt keine Gewalt oder Blut dargestellt wird, braucht man an dieser Stelle wohl kaum zu erwähnen. Das zieht sich übrigens auch durch andere Nintendo-Spiele. Der interne Verhaltenscodex schreibt zum Beispiel vor, dass Spieler statt "Leben" immer nur "Energie" verlieren. Spieler können nicht sterben, sondern verlieren schlicht einen Versuch. Es gibt auch keine "Feinde", sondern nur "Gegner". Achtet mal darauf!

Fall 12: Maniac Mansion

Es gibt weitere prominente Beispiele für Nintendos prüde Familienpolitik. Eines davon ist der Adventure-Klassiker Maniac Mansion von 1987, das neben Heimcomputern auch für das NES erscheint.

Auf dem NES (rechts) fehlt die nackte Marmorstatue (links). Ob der Held deswegen so traurig schaut? (Bilder von schnittberichte.com)Auf dem NES (rechts) fehlt die nackte Marmorstatue (links). Ob der Held deswegen so traurig schaut? (Bilder von schnittberichte.com)

Auch hier sind allerlei textliche Andeutungen gegenüber der Fassung für Heimcomputer entschäft. Oma Edna darf den Helden keine zweideutigen Avancen mehr machen ("I should have tied you to my bed!", "You're lucky you're not a boy" - "Ich hätte dich an mein Bett binden sollen!", "Du hast Glück, dass du kein Junge bist"). Auch Wörter wie "suck" ("Scheiße") und "pissed" ("angefressen") fallen auf der Nintendo-Konsole flach und werden durch andere Sprüche ersetzt. Aus einem "Smart Ass" ("Klugscheißer") wird beispielsweise ein "Tuna Head" ("Thunfischkopf"). Selbst das böse Wort "Kill" ("Töten") muss wie schon bei The Bard's Tale weichen.

Auch grafisch lässt das Spiel auf NES Federn. Eine Nacktstatue im Obergeschoss des Anwesens fehlt ebenso wie ein pixeliges Frauen-Poster und ein angedeuteter Playboy-Kalender. Selbst die virtuellen Spielautomaten in einem Raum sind zensiert. Darauf könnt ihr zwar nicht spielen, doch schon der Name ist Grund genug für die Zensur. Der "Die Enemy Die"-Automat verschwindet komplett und aus dem Spiel "Kill Thrill" wird "Tuna Diver". Heutzutage würde über derartige Kleinigkeiten wohl selbst Nintendo lachen.

Noch nicht genug? Dann schaut gerne in die beiden ersten Teile:

Tags: Uncut  

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