Mario Kart: Eine Rennserie zum Verlieben - Der Trick der 16 Blickwinkel

(Special)

Der Trick der 16 Blickwinkel

Dabei passiert alles nur im Kopf des Spielers: Die Objekte auf dem Bildschirm kommen nicht etwa näher, sie werden nur größer. Ähnlich ist es bei den acht Fahrern. Vor jedem Rennen saust die Kamera um sie herum. Wirklich? Nein. Das Spiel zeigt euch nur in schneller Folge 16 verschiedene Bilder eines Charakters, eines für jeden Blickwinkel.

Sehen wir Mario hier von vorne? Das schon, aber die Kamera hat sich nicht um ihn gedreht. Das Spiel zeigt euch einfach ein anderes Sprite.Sehen wir Mario hier von vorne? Das schon, aber die Kamera hat sich nicht um ihn gedreht. Das Spiel zeigt euch einfach ein anderes Sprite.

Super Mario Kart mausert sich zum dritterfolgreichsten der etwa 1500 SNES-Spiele, dabei konnten die Entwickler eine Idee gar nicht umsetzen: Ursprünglich wollten sie den geteilten Bildschirm im Zweispielermodus vermeiden. Beide Fahrer sollten auf ein großes Bild blicken. Aber das wäre erstens technisch schwierig gewesen und zweitens: Was tun, wenn einer der beiden weit zurückfällt? Ein gemeinsamer Bildschirm wäre dann nur noch aus einer extremen Vogelperspektive einigermaßen übersichtlich. Also schon besser so, dass dieser Einfall im Archiv verschwunden ist.

Nachmacher!

Die Fachpresse ist entzückt (und bewertet es als eines der besten Videospiele aller Zeiten), die Spieler sind selig, die Konkurrenten knirschen mit den Zähnen. Wieso ist ihnen sowas nicht eingefallen? Aber worauf man nicht selbst kommt, das kann man ja immer noch kopieren. Schon 1994 erscheint mit Sonic Drift von Sega ein erster Mario-Kart-Klon. Viele weitere sind die Folge: Konamis Helden machen es Mario nach, Crash Bandicoot und selbst die Deppen aus der Klapsen-Exklave South Park. Aber was kümmert es eine stolze Eiche, wenn eine Sau sich daran scheuert?

Ach, Sonic! Nach Sonic Drift hat jeder Gartenigel mehr Würde als du.Ach, Sonic! Nach Sonic Drift hat jeder Gartenigel mehr Würde als du.

Ende 1996 zeigt Nintendo wieder, wie man es richtig macht: Mario Kart 64 ist das zweite Spiel der Reihe und viele Zockerveteranen halten es bis heute für das beste. Dabei ist es grafisch das wohl trostloseste von allen: Die noch unausgegorene Polygontechnik erlaubt es den Entwicklern zwar, Höhenunterschiede, Brücken und Wände in die Kurse einzubauen (das ging mit dem Mode-7-Verfahren noch nicht), doch die Rechenleistung des N64 ist begrenzt.

Mutprobe für Kartkönner

Was weiter als etwa 200 Meter entfernt ist, versinkt in drückendem Nebel. Die knalligen Farben der übrigen Mario-Kart-Vertreter gibt es kaum und die weitläufigen Strecken sind oft leer, manchmal wirken sie gar verwunschen. Ein Go-Kart-Rennen wie an einem besonders tristen Spätnachmittag durch ein Pilzkönigreich in einem irgendwie freudlosen Zwielicht.

Mario Kart 64 führt den freischaltbaren Spiegel-Modus ein, in dem ihr alle Kurse seitenverkehrt wiederholen könnt.Mario Kart 64 führt den freischaltbaren Spiegel-Modus ein, in dem ihr alle Kurse seitenverkehrt wiederholen könnt.

Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit, denn glaubt man den Experten, dann ist Mario Kart 64 der Serienableger, der den größten Wert auf fahrerisches Geschick legt – auch wenn ausgerechnet er als sadistische Note den von allen Erstplatzierten verwünschten Blauen Panzer einführt. Davon abgesehen lockert Marios zweites Kartrennen die Stellschraube Glück: Wer perfekt fährt, wer wirklich jede Kurve auf der Ideallinie durchdriftet, wer jede Abkürzung kennt und sich im Zweifelsfall für defensives Fahren entscheidet, der hat deutlich konkretere Chancen auf den ersten Platz als ein guter Spieler zum Beispiel in Mario Kart 8.

Vorbild Funkauto

Was aber auch die Anfänger an Mario Kart 64 lieben, ist der Vierspielermodus. Den hatte der Vorgänger noch nicht. Die Kritiker preisen die Steuerung an. Der Analogstick des N64-Controllers sei wie geschaffen für ein Spaßrennspiel wie Mario Kart. Chefentwickler Konno ist das wohlbewusst: Schon 1995, als das Spiel noch Mario Kart R heißen sollte, hat sein Team die Lenkung realer ferngesteuerter Modellautos im Sinn.

Zu Beginn der Entwicklung war Kamek als einer der Fahrer vorgesehen. Außerdem gab es die Feder aus dem vorangegangenen Spiel noch.Zu Beginn der Entwicklung war Kamek als einer der Fahrer vorgesehen. Außerdem gab es die Feder aus dem vorangegangenen Spiel noch.

Wen wundert es, dass dieses bloße Gedankenspiel Realität wird: Im Zuge der Werbekampagnen für die Serie Mario Kart kommen ferngesteuerte Go-Karts mit Mario-Figuren am Steuer auf den Markt. Doch lobt die Presse auch die Steuerung, so hadert sie mit dem angeblich langweiligeren Einzelspielermodus und der recht billigen Darstellung der Fahrer. Konno gibt sich zerknirscht. Dass die Charaktere nur 2D-Sprites und keine 3D-Polygone seien, könne er nicht leugnen, aber anders gehe es nun mal nicht. Acht 3D-Fahrer gleichzeitig habe die Grafikleistung des N64 1996 einfach nicht bewältigen können.

Weiter mit: Wo bleibt das Gameboy-Go-Kart?

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