35 Jahre Game & Watch: Nintendos trojanischer Taschenrechner - Spielautomat für unterwegs, Das Uhren-Alibi, Nachhilfestunden

(Special)

Ein Spielautomat für die Jackentasche

Das Ergebnis bestätigt ihn und Okada: Sie sind auf dem richtigen Weg. Yamauchi soll sein LCD-Spiel im Miniformat bekommen! Satoru Okada ist derjenige, der den später als Game & Watch (G&W) bekannten Geräten einen Mikroprozessor spendiert, denn ihm schwebt eine Art geschrumpfter Arcade-Automat vor. Nicht äußerlich natürlich, sondern hinsichtlich des technischen Innenlebens.

In dem Spiel Fire hat die zum Serienmaskottchen gewordene Figur Mr. Game & Watch ihren ersten Auftritt. Das Vorbild ist ein alberner Mitarbeiter Nintendos.In dem Spiel Fire hat die zum Serienmaskottchen gewordene Figur Mr. Game & Watch ihren ersten Auftritt. Das Vorbild ist ein alberner Mitarbeiter Nintendos.

Doch je euphorischer die beiden Ingenieure mit ihren Einfällen um sich werfen, desto teurer wird das Spielzeug. Verdient es diesen Namen denn dann überhaupt noch? Ein Kind jedenfalls wird sich ein fast 6.000 Yen teures Gerät sowieso nicht leisten können (Das sind heute nicht mal 50 Euro. Bevor jedoch die Inflation zugeschlagen hat, war das in den späten 70er Jahren eine Menge Geld).

Den Entwicklern fällt unterdessen kaum auf, dass die schrillen Pieptöne, die sie ihrem gemeinsamen Erstlingswerk eingepflanzt haben und die jede Aktion des Spielers quittieren sollen, ihrem ursprünglichen Anspruch hohnsprechen: Erschöpfte Leute sollten sich nach getaner Arbeit – diskret wohlgemerkt - mit einem Nintendo-Spiel entspannen. Kein Außenstehender sollte es bemerken.

Das Uhren-Alibi

Das aufreizende Gedudel aus dem metallenen Gehäuse dürfte wohl eher verstörte Blicke aller Umstehenden auf sich ziehen. Aber Yokoi und Okada zucken grinsend die Schultern wie zwei alte Kumpels, die über die Stränge geschlagen haben: „Ach, wen interessiert das jetzt noch?“

Mario, Luigi und Donkey Kong haben eine ganze Reihe von LCD-Auftritten. Mario's Cement Factory erscheint zu einer Zeit, als es noch nicht mal Bowser, Peach oder Gumbas gibt.Mario, Luigi und Donkey Kong haben eine ganze Reihe von LCD-Auftritten. Mario's Cement Factory erscheint zu einer Zeit, als es noch nicht mal Bowser, Peach oder Gumbas gibt.

Ja, die Stimmung ist unbeschwert, denn immer mehr verdichten sich die Indizien, dass Nintendo hier gerade einen glänzenden Coup ausklügelt. Der firmiert intern damals noch unter dem Namen Micro Game. Statt der später typischen zwei Spielmodi planen die Entwickler zu dieser Zeit noch einen dritten, ein Game C. Dieses Vorhaben entpuppt sich dann aber als technisch zu aufwändig. Eine simple Digitaluhr in die Konsole zu integrieren kostet indes nur wenig, birgt aber ein unschlagbares Alibi für den Kunden: Wenn er sich durch das Piepen schon als Spieler enttarnt, so kann er immerhin beim Kauf und vor sich selbst behaupten, es gehe ihm ja in erster Linie um diese famose Uhrfunktion am oberen Bildschirmrand.

Nachhilfe von Sharp?

Das wäre ungefähr so, als würde ein Kunde im Autohaus beteuern, der Ferrari sei ihm ja eigentlich ganz egal, aber ohne diese elektrischen Fensterheber könne er einfach nicht mehr leben. Aber noch ist es zu früh zum Korkenknallen. Denn als Yokoi seine fertigen Pläne von Ball, dem ersten G&W-Spiel, in Nintendos hauseigener Fabrik abliefert, ist das Urteil dort schnell gefällt: „Unmöglich! Das ist uns zu kompliziert.“ Also wendet sich Nintendo erneut an Sharp.

Mit dieser selbsgebastelten Maschine vereinheitlicht Yokoi den Abstand zwischen LCD-Reservoir und Bildschirm.Mit dieser selbsgebastelten Maschine vereinheitlicht Yokoi den Abstand zwischen LCD-Reservoir und Bildschirm.

Der Traditionskonzern aus Osaka willigt ein und steuert schließlich den LCD-Bildschirm, das eigentliche Herzstück jeder G&W-Konsole, bei. Ganz so detailliert, wie Yokoi und Okada sich die Bewegungsabläufe vorgestellt haben, sind die fertigen Animationen dann zwar nicht, doch das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Denn die LCD-Grafik setzt sich zwar lediglich aus sich abwechselnden Standbildern zusammen, die aber sind deutlich schärfer umrandet als die Pixel-Sprites aus den Spielhallen. Aber über ein Manko kann Gunpei Yokoi nicht hinwegsehen.

Weiter mit: Newtons Ringe, Ein Lichtblick, Maulwürfe verkloppen in LCD

Tags: Hardware   Retro  

Kommentare anzeigen

12 neue 3DS-Spiele: Frischer Spielspaß mit Mario, Star Wars und Pokémon

12 neue 3DS-Spiele: Frischer Spielspaß mit Mario, Star Wars und Pokémon

Auch diesen Herbst und Winter sind neuie Spiele für den 3DS erschienen. Diese zwölf Kandidaten solltet ihr (...) mehr

Weitere Artikel

Letzte Inhalte zum Spiel

Südkorea: Hohe Haft- & Geldstrafen gegen Cheat-Entwickler eingeführt

Südkorea: Hohe Haft- & Geldstrafen gegen Cheat-Entwickler eingeführt

Das südkoreanische Parlament hat eine Gesetzesänderung erlassen, welche die Entwicklung und den Vertrieb von (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Meinungen - Game & Watch Gallery Advance

Alle Meinungen

Game & Watch Gallery Advance (Übersicht)