35 Jahre Game & Watch: Nintendos trojanischer Taschenrechner - Newtons Ringe, Ein Lichtblick, Maulwürfe verkloppen in LCD

(Special)

Newtons Ringe auf Yokois Bildschirm

Es handelt sich um ein altbekanntes optisches Phänomen: Fällt Licht durch eine gekrümmte Linse auf eine glatte Oberfläche, dann bilden sich dort konzentrische Kreise ab, die in etwa wie die Jahresringe eines Baumes aussehen. Diese Newtonschen Ringe (Isaac Newton beschrieb sie bereits 1717) entstehen bei Yokois G&W-Prototyp dadurch, dass der relativ große Bildschirm durch sein Eigengewicht minimal durchhängt. Somit fungiert er als die gekrümmte Linse, die es braucht, um die ringförmigen Interferenzen zu erzeugen. Die Fläche aus Flüssigkristallen ist in diesem Fall die glatte Oberfläche, auf der sich die Ringe abbilden.

So vermeidet Yokoi die Newtonschen Ringe. Die hauchdünnen Abstandshalter druckt Yokoi auf das Bildschirmglas. Ihr erkennt sie hier als weiße Pünktchen.So vermeidet Yokoi die Newtonschen Ringe. Die hauchdünnen Abstandshalter druckt Yokoi auf das Bildschirmglas. Ihr erkennt sie hier als weiße Pünktchen.

Sharp ist ratlos, als Yokoi sich darüber beklagt. Viel zu filigran sei der winzige Abstand zwischen LCD-Film und Bildschirm, um dort irgendwas zu verändern. Doch Yokoi ist ein Tüftler. In Nintendos Ersatzteillager bastelt er ganz alleine eine Maschine, mit der er jenen Abstand durch Hunderte haarfeine Stützen vereinheitlicht.

Ein Lichtblick in der Krise

Denn sobald der Bildschirm sich zur Mitte hin nicht mehr krümmt, verschwinden auch die Ringe. Die Techniker von Sharp sind begeistert, als der junge Mann ihnen seine Erfindung vorführt. Niemand in ihrer Riege hochtalentierter Elektroingenieure ist auf diese Idee gekommen.

Vermin ist Yokois zweite LCD-Entwicklung und eine Umsetzung des in Japan populären Spielhallenklassikers Whack-A-Mole. Es geht darum, Maulwürfe in den Boden zu rammen.Vermin ist Yokois zweite LCD-Entwicklung und eine Umsetzung des in Japan populären Spielhallenklassikers Whack-A-Mole. Es geht darum, Maulwürfe in den Boden zu rammen.

Ball, eine simple Jonglier-Simulation, kommt schließlich erst am 28. April 1980 in den japanischen Handel. Alles in allem hat die Entwicklung der tragbaren Konsole zweieinhalb Jahre gedauert. Nintendo steckt damals allerdings auch noch immer tief in finanziellen Schwierigkeiten. Der Konzern ist mit acht Milliarden Yen verschuldet. Das Famicom steht noch ganz am Anfang seiner Entwicklung, der revolutionäre "Donkey Kong"-Automat soll noch über ein Jahr auf sich warten lassen – und die Schatten der beiden schlimmsten Krisenjahre 1964 und 1973 sind lang. Gunpei Yokoi ist bisher wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Ball sein einziges G&W-Spiel bleiben wird. Das sieht Yamauchi ganz anders, denn schließlich verkauft Ball sich blendend.

Maulwürfe verkloppen in Flüssigkristallen

Yokoi ist nicht begeistert von dem Auftrag, nach der kräftezehrenden Entwicklung sogleich das nächste Spiel dieser Art in Angriff zu nehmen. Dann denkt er daran, dass er auch nicht drum herum gekommen ist, den Chauffeur zu mimen, seufzt – und macht sich an die Arbeit. Bis Vermin fertig ist, dauert es nur wenige Monate, denn das grundlegende Konzept (zumal das technische) ändert sich nicht. Wohlgemerkt kennt das G&W-System keinen Unterschied zwischen Spiel und Konsole: Es gibt keine auswechselbaren Module, sondern genau ein Spiel pro Konsole.

In Deutschland vertreibt die Firma Bienengräber die G&W-Konsolen unter dem Namen TricOtronic. Anleitungen und Namen sind meistens übersetzt - manchmal schlecht.In Deutschland vertreibt die Firma Bienengräber die G&W-Konsolen unter dem Namen TricOtronic. Anleitungen und Namen sind meistens übersetzt - manchmal schlecht.

Wen wundert’s noch: Sobald Yokois kleines Entwicklerteam die Skizzen zu Vermin ins Archiv verfrachtet, hat der Chef wieder ein Anliegen: In der Geschäftswelt, doziert Yamauchi mit erhobenem Zeigefinger, gebe es eine entscheidende Regel: „Es gibt keinen zweiten Teil ohne einen dritten.“ Dann hüstelt er. Außerdem sei er ein bisschen abergläubisch und könne nicht mehr ruhig schlafen, wenn er wüsste, dass es eine gerade Zahl von G&W-Teilen gebe.

Weiter mit: Mut zur Kindlichkeit, Herr Ogawa ist Mr. Game & Watch, Die Entstehung eines Spiels

Tags: Hardware   Retro  

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