Test Wolfenstein - The Old Blood: Zurück ins Jahr 1946

von Joachim Hesse (10. Mai 2015)

Statt blutarmer Download-Happen liefert euch Bethesda mit Wolfenstein - The Old Blood einen ausgewachsenen Ego-Shooter. Und das gerade mal für 20 Euro. Ein Beispiel, das Schule machen sollte.

"Wer ist deine Kontaktperson im Dorf?", fragt der muskulöse Deutsche. "Nico", antwortet Blazkowicz während er auf einen Stuhl gefesselt seinen Peiniger anstarrt. Wir schreiben das Jahr 1946. Einer virtuellen Realität selbstverständlich. Für ganz Dumme steht es auch noch mal im Abspann: "Wolfenstein ist eine fiktive Geschichte". Wieder einmal kämpft der Vorzeigeamerikaner William „B.J.“ Blazkowicz gegen das böse, böse, böse, deutsche Faschisten-Regime.

"Wer ist das? Nico?", setzt der Deutsche das Verhör fort. Kurze Pause. "Nico Laus." Seinen Humor hat B.J. also auch vor seinem Zusammentreffen mit General Totenkopf nicht verloren. Und auch die übrigen Tugenden eures Weltkriegs-Superhelden findet ihr in Wolfenstein - The Old Blood wieder.

Die ins Deutsche übersetzten Dialoge fangen dabei so viel wie möglich des Charmes der internationalen Fassung ein. Dort endet der am Anfang dieses Testberichts zitierte Weihnachtsmann-Scherz übrigens auf die Pointe „Santa Claus“.

Der sympathische Mischmasch aus Deutsch und Englisch geht bei der in Deutschland erhältlichen Fassung natürlich etwas verloren. Genau wie die verfassungsfeindlichen Nazi-Symbole auf den Habseligkeiten der Gegner. Sei's drum. Die acht Kapitel liefern eine packende Vorgeschichte zu The New Order. Das Spiel läuft selbständig, den großen Bruder benötigt ihr nicht.

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B.J. Blazkowicz in Wolfenstein - The New Order und The Old Blood

Zunächst fällt auf, dass die Entwickler Machine Games ihr Spiel Old Blood offenbar nicht für Badekappenträger programmiert hat. Selbst wenn ihr ein paar Schwierigkeitsgrade herunterschaltet (was jederzeit möglich ist), seht ihr die eine oder andere Passage sicherlich mehrfach. Knifflig, das Ganze. Spätestens am finalen Endboss beißt sich auch der härteste Panzerhund zunächst die Zähne aus. Doch bis dahin habt ihr sicher schon fünf bis zehn Stunden vor dem Bildschirm verbracht - das ist vermutlich das doppelte der Spielzeit von The Order 1886. Für - wir wiederholen es gerne - nicht mal 20 Euro. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt also.

In dem Spiel geht es von Anfang an zur Sache. In fast jeder Beziehung. Nur Sex seht ihr keinen. Dafür fliegen Kugeln ebenso wie virtuelle Gliedmaßen durch die Luft, Gegner platzen durch Granaten wie reife Wassermelonen und Köpfe rollen. Das volle Splatter-Programm für Erwachsene. Wolfenstein übertreibt es maßlos. Ständig. Mit allem. Das ist irgendwo auch ein Markenzeichen der Reihe. Blazkowicz ist der bessere Duke Nukem (siehe Test „Höchstwertung für den Shooter-King!?“).

Allerdings haben es die Entwickler bei Old Blood ein bisschen zu gut damit gemeint, wirklich ALLE Klischees des Genres unter einen Stahlhelm zu bekommen. Dazu gleich mehr.

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Tags: Onkel Jo   Retro  

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