20 Jahre Virtual Boy: Darüber spricht Nintendo nicht gerne - Rettungsring Nintendo 64

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Rettungsring Nintendo 64

Es ist ein Glück für das Unternehmen, dass das VB-Aus und der N64-Start quasi nahtlos ineinander übergehen. Für peinliche Stille bleibt gar keine Zeit. Wozu noch vom Virtual Boy und seinen läppischen 32 Bit reden, wenn doch schon nächsten Monat ein Grafiktitan mit doppelt so großem Speicher auf die Bühne tritt?

Eines der sehr späten VB-Spiele ist Nester's Funky Bowling, das nur noch in den USA erscheint. Wie die meisten der rot-schwarzen Zumutungen gilt es als gerade noch akzeptabel.Eines der sehr späten VB-Spiele ist Nester's Funky Bowling, das nur noch in den USA erscheint. Wie die meisten der rot-schwarzen Zumutungen gilt es als gerade noch akzeptabel.

Das Manöver gelingt. Nintendos Fehlschlag scheint wie ausradiert aus dem kollektiven Gedächtnis. Niemand wirft etwa Yamauchi vor, er hätte leichtfertig mit dem Augenlicht seiner Kunden gespielt, keiner lacht über den frühen, aber beschämenden Kurzausflug in die virtuelle Realität (mit einer ironischen Anführungszeichen-Pantomime bei dem Wort Realität). Nintendo gewinnt sein Selbstvertrauen zurück – und ein paar Jahre später kann es freimütig über den Virtual Boy reden. Howard Lincoln, der damalige Vorsitzende von Nintendo of America, räumt schulterzuckend ein, das Projekt sei nun mal komplett gescheitert.

Miyamoto, ein treuer Freund

Die Entwickler spotten letztlich gar selbstironisch über ihr Missgeschick von einst: Der Virtual Boy taucht in mehreren Teilen der Wario Ware-Reihe auf. Ambivalenter reagiert nur Shigeru Miyamoto. 2011 gibt er in einem "Iwata fragt"-Interview nur widerwillig zu, dass die 3D-Brille versagt hat.

3D Tetris ist im März 1996 das letzte von nur 22 VB-Spielen. Nintendo sieht keinerlei Zukunft für die Konsole, gibt das offen aber niemals zu.3D Tetris ist im März 1996 das letzte von nur 22 VB-Spielen. Nintendo sieht keinerlei Zukunft für die Konsole, gibt das offen aber niemals zu.

Es komme auf die Sichtweise an, sagt er nebulös und fügt hinzu, er habe im Virtual Boy immer nur einen kleinen Spaß für zwischendurch gesehen – ähnlich wie zum Beispiel Gunpei Yokois erster großer Erfolg, die mechanische Ultra Hand von 1967. Und wenn man es so sehe, dann sei eine Dreiviertelmillion verkaufte Geräte doch fast schon eine Sensation. Gut gefallen habe ihm die Konsole auf jeden Fall. Der ebenfalls anwesende Earthbound-Schöpfer Shigesato Itoi reagiert mit einem merklich perplexen „Aha ...“ Es ist anzunehmen, dass Miyamoto sich aus Anstand seinem verstorbenen Mentor und Freund Gunpei Yokoi gegenüber in der populären Interviewreihe jegliche Kritik verkniffen hat.

Weiter mit: Gunpei Yokoi: Schuldig? + Meinung von Onkel Jo

Tags: Retro   Onkel Jo  

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