20 Jahre Virtual Boy: Darüber spricht Nintendo nicht gerne - Ein Tauchgang mit Yokois Sorgenkind

(Special)

Tauchgang mit Yokois Sorgenkind

In Absprache mit der Chefetage schließt er einen Lizenzvertrag mit dem Elektronikkonzern aus Massachusetts. Anfangs ist Yokoi Feuer und Flamme. Der 53-Jährige ist überzeugt, dass der Virtual Boy für Konkurrenten kaum nachzuahmen ist. Später wird sich herausstellen, dass keine Firma das Konzept des Virtual Boys auch nur mit der Kneifzange anfassen würde.

Im November 1994 enthüllt Nintendo in der New York Times sein aktuelles Vorhaben. Die Presse gebraucht hochtrabende Wörter wie Paradigmenwechsel und Tauchgang in ein privates Universum. Das althergebrachte Spielgefühl werde sich mit dem Virtual Boy von Grund auf wandeln. Bei welcher neuen Konsole soll es das nicht?

Typisch Neunziger! Auch der Dümmste soll verstehen, dass der Virtual Boy 3D-fähig ist.Typisch Neunziger! Auch der Dümmste soll verstehen, dass der Virtual Boy 3D-fähig ist.

Was Yokoi damals noch vor Augen hat, mögen diese sonst so austauschbaren Phrasen tatsächlich zutreffend beschreiben. Immerhin plant seine Abteilung die erste Konsole, die dank zweier parallaxenverschobener Bilder echte 3D-Grafik bietet (wie heute auch der 3DS) und nicht nur in zwei Dimensionen simulierte Tiefenwirkung (wie beim N64 und der PlayStation).

VR-32 - Sparen um einen hohen Preis

Doch die Realität holt ihn ein, als die Ingenieure die ersten Prototypen des Geräts anfertigen, das damals noch unter der Bezeichnung VR-32 firmiert. Die Konsole wird verflixt teuer! Dabei hat Yokoi schon gespart, wo es nur ging: Eine schlichte Reihe aus 224 einfarbig roten LED-Lämpchen erzeugt das Bild mithilfe äußerst schnell vibrierender Spiegel hinter den Okularen. Aus der eindimensionalen LED-Linie wird dadurch zunächst ein zweidimensionales Bild pro Okular (ähnlich wie auch in einer Fernsehbildröhre das Bild Zeile für Zeile aufgebaut wird).

Auch die Nintendo Power rühmt den Virtual Boy als verheißungsvollen Markstein in der Technikgeschichte.Auch die Nintendo Power rühmt den Virtual Boy als verheißungsvollen Markstein in der Technikgeschichte.

Und da die beiden Bilder in den beiden Okularen leicht zueinander versetzt sind, erscheinen sie letztendlich sogar dreidimensional. Denn genauso funktioniert auch das räumliche Sehvermögen unserer Augen. Zugegeben, ein ausgeklügeltes Verfahren, das Nintendo viel Geld spart. Aber leider brummen die Spiegel wie verrückt und geraten sofort aus dem Takt, wenn der Virtual Boy irgendwo anstößt.

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Tags: Retro   Onkel Jo  

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