Super Mario Bros. und der 13. September 1985: Der Tag an dem Nintendo unsterblich wurde - Kesselschürer und Trittbrettfahrer

(Special)

Kesselschürer und Trittbrettfahrer

Der Erfolg kommt eben nur etwas verzögert, nicht wie die sprichwörtlich einschlagende Bombe. Für Nintendo lohnt es sich auf jeden Fall, diesen Erfolgszug unter Dampf zu halten, und für seine Vertragspartner lohnt es sich, aufs Trittbrett aufzuspringen. So fertigt Hudson Soft 1986 eine technisch stark vereinfachte Version von Super Mario Bros. Unter dem Namen Super Mario Bros. Special erscheint es für das Gerät NEC PC-8801, immerhin mit neuen Levels und abweichenden Hilfsmitteln.

Das vielleicht bekannteste Beispiel für einen Trittbrettfahrer ist Hudson Softs Super Mario Bros. Special von 1986.Das vielleicht bekannteste Beispiel für einen Trittbrettfahrer ist Hudson Softs Super Mario Bros. Special von 1986.

Nintendo produziert im selben Jahr einen offiziellen Nachfolger: Super Mario Bros. 2 ist grafisch mit dem Vorgänger fast identisch, aber unerhört schwer. Im Westen erscheint es deshalb erst sieben Jahre später als Teil von Super Mario All-Stars. Portierungen für die Spielhalle (Vs. Super Mario Bros.) und als Teil der Serie Game & Watch lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten.

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Das Pilzereich im Rest der Welt

Mit All Night Nippon Super Mario Bros. erlaubt Nintendo sogar einem populären Radiosender, seine eigene verstörende Fassung des Abenteuers offiziell in den Handel zu bringen. Als Yamauchi dieses Spiel bewilligt, muss er einen ganz besonders großzügigen Tag haben. Oder ist ein heimlicher Stammhörer des ziemlich ausgeflippten Radiotalks. In den USA und Europa ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht mal das NES im Handel (in Nordamerika gab es Ende 1985 nur ein paar Testverkäufe).

Die Alptraumversion des Spiels: Die DJs der Radiotalkshow All Night Nippon übernehmen die Rolle der Toads in den Schlössern.Die Alptraumversion des Spiels: Die DJs der Radiotalkshow All Night Nippon übernehmen die Rolle der Toads in den Schlössern.

Um zu überprüfen, ob die Märkte reif für die in Japan schon längst etablierte Nintendo-Konsole sind, und um gewissermaßen den Speichelfluss des Publikums in Gang zu setzen, postiert Nintendo in Nordamerika und den meisten Quellen zufolge auch in Europa Anfang 1986 Spielhallenautomaten an strategisch günstigen Stellen, auf denen Super Mario Bros. läuft. Noch im selben Jahr kommen NES und Super Mario Bros. in Amerika und in etwa der Hälfte der europäischen Länder in den Handel.

Europa gibt sich träge

Im September 1987 folgt der Rest der EU, darunter auch Frankreich, England und Deutschland. Im Gegensatz zu Nordamerika, das sich vom Nintendo-Bazillus anstecken lässt, als hätte Dr. Mario noch jahrelang Resturlaub, reagiert Europa auf das NES und auch auf Super Mario Bros. mit recht schmallippiger Zustimmung.

Die Mariosucht der Konsumwelt hat durchaus auch ihre reizvollen Seiten - auch wenn eine schaumig eingeseifte Daisy natürlich noch toller wäre!Die Mariosucht der Konsumwelt hat durchaus auch ihre reizvollen Seiten - auch wenn eine schaumig eingeseifte Daisy natürlich noch toller wäre!

Man ist hier doch schon an die neuen Heimcomputer gewöhnt. Die liefern doch viel bessere Grafik als dieses veraltete Konsole. Aber wie herrlich intuitiv und gleichzeitig punktgenau sich dieser Herr Mario steuern lässt, damit haben die alten Europäer nicht gerechnet. Reichlich träge und quälend allmählich setzt sich das Mario-Abenteuer dann doch noch durch.

Nintendo-Enthusiasmus wie in Japan und Amerika soll hierzulande aber noch lange auf sich warten lassen. Die weltweiten Fachbesprechungen in der Presse lesen sich heute wie ein exemplarischer Querschnitt durch die Rezeption der Spielergemeinde.

Ein gutes Spiel – und nicht mehr

Von „einem der packendsten Geschicklichkeitsspiele“ etwa spricht der deutsche Redakteur Heinrich Lenhardt 1987, während ein französischer Kollege sich lediglich an eine „angenehme Spielerfahrung“ erinnert. „Abwechslungsreiche Levels“, „gute Grafik“, „hoher Wiederspielwert“ – die zeitgenössische Kritik behandelt Super Mario Bros. äußerst wohlwollend, aber eben nicht wie ein Videospiel, das noch Generationen von Anhängern seiner Zunft beeinflussen soll.

Als Game-&-Watch-Konsole erscheint Super Mario Bros. gleich zweimal. Dieses Spiel hat aber fast nichts mit dem NES-Vorbild gemein.Als Game-&-Watch-Konsole erscheint Super Mario Bros. gleich zweimal. Dieses Spiel hat aber fast nichts mit dem NES-Vorbild gemein.

Bis sich die einhellige Wahrnehmung von Super Mario Bros. um 180 Grad dreht und aus dem ziemlich guten Spiel eine Mischung aus Kunstwerk und Heiligtum wird, vergehen grob geschätzt zehn, vielleicht 15 Jahre.

Mario selbst muss wohlgemerkt längst nicht so lange warten, bis er sich aus der Brooklyner Gosse an die Spitze der Popkultur gearbeitet hat. 1990 besitzt jeder dritte amerikanische Haushalt ein NES und Mario ist unter Kindern bekannter als Micky Maus.

Weiter mit: Vom Vorzug der Legendenbildung

Tags: Arcade   Multiplayer   Retro   Shigeru Miyamoto  

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