Test AC - Syndicate - Meinung und Wertung

Massenmord im Trend

Es ist nicht klar, ob die folgende These auf der Tatsache beruht, dass die Serie nun schon so lange auf dem Markt ist oder ob sich im Spiel selbst etwas geändert hat. Fakt ist jedoch: Ihr schlüpft in die Rolle eines blutrünstigen Mörders und das schleichend und vermutlich unfreiwillig.

Die schnelle Methode für Attentate ermöglicht es euch, eure Gegner quasi im Vorbeilaufen zu erledigen. Habt ihr diese Mechanik verinnerlicht, häufen sich die Momente in denen ihr auf eurem Weg zu einem Ziel schier wahllos Feinden die Kehle durchschneidet ohne mit der Wimper zu zucken - ein Zeichen für die allgemeine emotionale Abstumpfung unserer Zeit?

Ein paar Tote hier und da stören ja niemanden.Ein paar Tote hier und da stören ja niemanden.

Nach einem Assassinen, der für die vollmundig propagierte gute Sache einsteht, hört sich das jedenfalls nicht an. Natürlich ist solch ein Verhalten optional, doch das Spiel fordert euch regelrecht dazu auf. Zum einen ist dieses Vorgehen nur möglich, weil das Spiel es zulässt. Zum anderen werdet ihr von den potentiellen Opfern angepöbelt und durch farbig auffällige Hinweise daran erinnert, dass es sich bei ihnen um Feinde handelt, die euch angreifen, solltet ihr ihnen nicht zuvorkommen.

Es mag kein eventuell kein handfester Beweis sein, sondern lediglich eine Randerscheinung eines in sich geschlossenen Kosmos - ein Resultat des Zusammenspiels elementarer Spielmechaniken. Doch ist es auch ein Zeichen dafür, dass die Serie ihre Wurzeln nicht mehr allzu ernst zu nehmen scheint.

Immerhin rückt die Rahmenhandlung des Konzerns Abstergo durch die Entfernung spielbarer Sequenzen in den Hintergrund. Was einst noch Spiel-entscheidende Elemente waren, sind nun leere Filme, die nicht fehlen würden, hätte man sie nicht zwischen die Kapitel gepackt, wo sie keinen stören.

Was heute noch an Abstergo und die Reise in vergangene Zeiten erinnert, sind Begriffe wie "Sequenz" anstelle von Kapitel und kleine Helix-Stücke, die ihr durch Sprungeinlagen einsammelt. Die vermitteln euch kaum mehr das Gefühl einer simulierten Realität. Die Reise in die düsteren Geheimnisse der Templer und des fiesen Regimes, das durch einen Multimediakonzern weitergeführt wird, scheint vorbei. Die Neugier nach den wahren Hintergründen scheint aufgebraucht und die logische Konsequenz scheint die stückweise Verabschiedung der Motivation.

Was nun im Vordergrund steht ist die Spielmechanik an sich und die (auf den ersten Blick) historisch korrekte Kulisse. Die Spieltiefe beschränkt sich nun auf saubere Mechaniken und eine große Wiese der Möglichkeiten und verdrängt den literarischen Kontext, der zum Forschen und Schmökern einlädt.

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Fakten:

Meinung von Michael Krüger

Ich habe mich auf Assassin's Creed - Syndicate gefreut. Ich zähle mich zu der Sorte Spieler, die eine saubere Spielmechanik auch dann zu schätzen weiß, wenn sie sehr repetitiv ist. Gibt es genug zum Freischalten und hin und wieder ein frisches Szenario reicht mir das stundenlang in einem neuen Abenteuer zu versinken.

Bereits der Vorgänger hat mir, trotz der vielen Fehler zu Beginn, sehr gut gefallen. Assassin's Creed - Syndicate ist auf der spielerischen Seite sogar noch eine Spur besser. Diese profitiert von den Kutschen und vor allem von dem Seilwerfer. Die Bewegungsabläufe und der Rhythmus der einzelnen Elemente des Spiels wirken nun noch hochwertiger. Es ist das Konzentrat aus jahrelanger Entwickler-Erfahrung.

Trotz allem ärgert mich die dünne Geschichte. Ich erwarte keinen Epos mit Zwischensequenzen in Spielfilmlänge. Doch ich möchte besonders bei einem Spiel dieser Art die gewohnte Unterhaltung und vor allem eine ordentliche Motivation, meinen Gegnern den Hintern zu versohlen. Der fehlende Tiefgang in Assassin's Creed - Syndicate macht aus der großen Verschwörungstheorie um die Templer eine Geschichte nach Schema F und erstickt jedes Interesse an Hintergründen. Selbst die Protagonisten im Spiel scheinen ihre Suche nach dem Edensplitter nicht als sehr eilig zu sehen. Vermutlich ist ihnen die Geschichte genauso wenig als Motivation dienlich wie mir.

Technisch ist Assassin's Creed - Syndicate gut und brilliert in Sachen Spielmechanik. Auf diese stützt sich das Spiel allerdings so stark, dass die bisher transportierte Tiefe kaum mehr spürbar ist. Sucht ihr eine tiefgreifende Spielerfahrung voller düsterer Geheimnisse, wie ihr sie aus den Vorgängern kennt, werdet ihr wahrscheinlich enttäuscht. Was einst ein Netz aus Verschwörungstheorien und Geschichte war, ist nun ein dünner roter Faden. Dieser ist zwar stark gespannt, doch dünn bleibt er. Habt ihr noch kein Spiel der Marke Assassin's Creed gespielt, könnt ihr zugreifen, sollte euch der Sinn nach einem Abenteuer stehen.

80

meint: Was einst ein Netz aus Verschwörungstheorien und Geschichte begann, ist nun ein dünner roter Faden. Die Spielmechanik selbst ist aber auf der Höhe der Zeit.

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