Test Project Zero - Priesterin des Schwarzen Wassers: Hier wird euch wieder das Fürchten gelehrt

von Thomas Nickel (27. Oktober 2015)

Ihr glaubt, bei Nintendo gibt es nur Kinderspiele? Irrtum! Denn die wässrige Gruselei "Project Zero - Die Priesterin des Schwarzen Wassers" wird euch gekonnt das Fürchten lehren!

Vorsichtig läuft Yuri durch den verfallenen Gasthof. Sie spürt, dass irgendetwas nicht stimmt. Im Augenwinkel nimmt sie immer wieder schemenhafte Gestalten wahr... dabei sollte doch außer ihr und ihrer Lehrerin niemand hier sein. Doch beim Verlassen des verfallenen Gemäuers passiert es: Geisterhafte Hände greifen nach den Beinen der jungen Frau und versuchen, sie unter Wasser zu ziehen. Verzweifelt befreit sie sich aus dem kalten Griff und auf einmal sieht sie den jungen, transparenten Mann mit seiner verzerrten Fratze ...

Geistergeschichten sind intensiv. Vielleicht sind sie sogar die intensivste Form des Horrors, nachdem all die Zombie-Modi und Mods der letzten Jahre den schlurfenden Untoten mehr und mehr ihren Schrecken genommen haben. Geister sind dagegen nicht nur unheimlich, eine gute Geistergeschichte enthält auch immer ein gewisses Maß an Tragik und Traurigkeit - Elemente, die ein Videospiel nur schwerlich einzufangen vermag. Doch gerade Tecmo Koeis Serie Project Zero machte dabei stets eine überzeugende Figur.

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Geister und Wasser in Project Zero

Ihren Anfang nahm die Reihe 2001, also vor mittlerweile 14 Jahren, auf der PlayStation 2. Dort erschienen auch direkt zwei Fortsetzungen, die beide auch bei uns in die Läden kamen. Danach wechselte die Reihe zu Nintendo: der vierte Teil erschien für die Wii und blieb in Japan, eine Neuauflage des unter Kennern besonders geschätzten zweiten Teils Project Zero 2 kam dafür wieder zu uns, für die erste Episode auf Wii U sah es dagegen lange Zeit trüb aus,

Tecmo Koei selbst schloss eine Veröffentlichung schon per Twitter aus. Zum Glück sprang Nintendo selbst in die Bresche und veröffentlich das Spiel jetzt als Project Zero - Die Priesterin des Schwarzen Wassers auch hierzulande.

Horror für den Kopf

Ganz so einfach ist es allerdings nicht: Das Spiel erscheint in erster Linie digital, Sammler prügeln sich jetzt schon bei Amazon um die limitierte - und tatsächlich einzige physikalische - Auflage des Spiels. Dafür ist der Digitalkauf umso komfortabler: Der komplette Auftakt des Spiels wird gratis angeboten und kann dann bei Gefallen direkt erworben werden. Vorausgesetzt natürlich, euch rutscht nicht bereits zu Beginn das Herz in die Hose, denn hier gehts wirklich unheimlich zu.

Die Szenarien sind stimmungsvoll gestaltet.Die Szenarien sind stimmungsvoll gestaltet.

Wenn ihr durch modrige Tempel, verwunschene Wälder und verfallene Kultorte lauft, ist die Anspannung groß, verlässt sich Project Zero doch nicht alleine auf billige Schockeffekte, sondern irritiert vor allem durch unterschwelligen Grusel. Das Gefühl, dass sich hier früher schreckliche Dinge abgespielt haben, dass der Berg verwunschen ist und nur überall die Seelen unglücklicher Selbstmörder immer und immer wieder ihren eigenen Tod erleben, ist wirklich verstörend und wirkt sich auf euer Nervenkostüm weitaus mehr aus, als plötzlich ins Bild springende Ungeheuer.

Vor allem dem Wasser kommt eine große Bedeutung zu - inhaltlich und spielerisch. Immer wieder versuchen Geisterhände euch in die Tiefe zu ziehen. Und je nasser eure Kleidung, desto aggressiver agieren die verlorenen Seelen, desto größer ist auch die Gefahr, in der ihr schwebt.

Gleichzeitig sorgt das Wasser auch für ein paar der gruseligsten Stellen im Spiel. Schon früh erfahrt ihr von verschlossenen Kisten, in denen sich vielleicht Leichen geopferter Menschen befinden. Immer wieder kommt ihr später an solchen Kisten vorbei. Irgendwann hofft ihr fast schon, dass sie sich endlich öffnen, damit zumindest die nagende Ungewissheit ein Ende hat.

Dieses Video zu Project Zero 5 schon gesehen?

Grauen gegen Spielspaß

Allerdings ... so ganz funktioniert der Grusel nicht immer. Das liegt in erster Linie am Konflikt zwischen Geschichte, Atmosphäre und dem eigentlichen Spielsystem. Das Erkunden der Landschaft und der Tempel ist unheimlich, doch sobald es zum Kampf gegen Geister kommt, geht es auf einmal weniger um gepflegten Grusel, als um die Jagd nach Punkten. Denn auch wenn es nicht so wirkt, so ist die Kamera, mit der ihr geisterhafte Gegner bannt, eine ziemlich mächtige und flexible Waffe!

Per Gamepad nehmt ihr Geister ins Visier - und das fühlt sich richtig gut an!Per Gamepad nehmt ihr Geister ins Visier - und das fühlt sich richtig gut an!

Die Kamera? Richtig gelesen! Klar, bei Resident Evil stellt ihr euch den stinkenden Zombies mit Pistole, Gewehr und Raketenwerfer, und auch beim ungleich gruseligeren Silent Hill schlagt ihr euren Widersachern mit dem guten, alten Stahlrohr ein paar Dellen in den Schädel. Bei Koei Tecmos Project Zero bekommt ihr dagegen nur einen altmodischen Fotoapparat, die sogenannte Camera Obscura, um aggressive Geister zu bannen.

Die Kamera hat es in sich. Ihr nutzt das Gamepad als Sucher, stellt das Bild per Schultertaste scharf und drückt dann ab. Je besser ihr den Geist erwischt, je mehr verwundbare Punkte eures Gegners erfasst werden, desto mehr Schaden verursacht ihr, und wenn ihr den Gegner mitten im Angriff knippst, werdet ihr abermals belohnt. Das macht die Geisterkämpfe schnell zur Punktejagd und aus den gruseligen Gesellen werden bald simple Punktespender.

Dunkel und Düster

Stark atmosphärisch ist das neue Project Zero aber auch trotz dieser kleinen Probleme. Das verdankt das Spiel vor allem seiner feinen Grafik und der unheimlichen Tonkulisse. Die meisten Szenarien sind dunkel und schummrig, oft sorgt auch körniger Filter für Stimmung und nur selten einmal blitzt warmes Sonnenlicht hervor. Die reduzierten Farben, die liebevollen Details bei Landschaft und Gebäuden und auch das intelligente Spiel mit Licht und Schatten machen Project Zero zu einem der stimmungsvollsten Horrorspiele der letzten Monate.

Schemenhafte Visionen weisen euch den Weg durch Wälder und Tempel.Schemenhafte Visionen weisen euch den Weg durch Wälder und Tempel.

Vor allem der Wasser-Effekt gefällt: Überall fließt es, überall spritzt es und auch eure Figuren selbst werden nass. Dann klebt die Kleidung am Körper, die Haut ist feucht und ihr könnt das klamme Gefühl fast selbst spüren. Nur selten stört einmal ein Polygonblitzer und etwas kantiger Bodenbewuchs den positiven Gesamteindruck, auch die wallenden Haare der Spielfiguren könnten ein paar mehr Details vertragen, aber solche Mängel fallen nur in Nahaufnahme wirklich auf. Davon abgesehen sieht das Spiel einfach hübsch aus - auch wenn es in rein technischer Hinsicht natürlich nicht mit aktuellen Grafikgiganten auf PS4 und PC mithalten kann.

Ruhe und Zensur

Das Spieltempo ist dabei meist gemächlich. Die drei spielbaren Figuren laufen eher langsam umher, nur auf Knopfdruck wird gesprintet. Um ein Objekt aufzuheben, haltet ihr die Schultertaste lange gedrückt und alleine das Umdrehen kostet euch schon überraschend viel Zeit. Das behäbige Öffnen von Türen weckt fast schon Erinnerungen an die alten Tür-Animationen von Resident Evil. Aber meist geht es hier eben ums Erkunden. Schnelle Reaktionen sind nur in den Kämpfen gegen Geister gefragt.

Reizwäsche und Bikini wurden durch Nintendo-Kostüme ersetzt.Reizwäsche und Bikini wurden durch Nintendo-Kostüme ersetzt.

Kurz vor der Veröffentlichung wurden dann noch ein paar kleine, aber pikante Änderungen am Inhalt des Spiels bekannt: In der japanischen Originalversion könnt ihr für die beiden Heldinnen ziemlich freizügige Kostüme freispielen - dann laufen Yuri und Mio auf einmal in Bikini und Reizwäsche umher. Diese beiden Kostüme wurden entfernt und durch zwei Nintendo-Klamotten ersetzt: Gruselresistente Abenteurer spielen jetzt Zeldas Kleid und Samus Arans Zero Suit frei. Ob man hier nun gleich von Zensur, oder vielleicht doch eher von einer Anpassung an den Markt sprechen möchte, das sei jedem selbst überlassen.

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