Test The Legend of Zelda - Tri Force Heroes: Trinität auf Hylianisch

von Christian Detje (29. Oktober 2015)

Das 18te Zelda names Tri Force Heroes kommt irgendwie recht plötzlich, oder? Soll es einfach die Link-Verehrer ruhigstellen, die allmählich ungeduldig werden, weil das Epos für Wii U weiter auf sich warten lässt?

Ihr könnt Triforce Heroes nur zu dritt spielen (und theoretisch alleine). Einen Modus für zwei Spieler gibt es nicht.Ihr könnt Triforce Heroes nur zu dritt spielen (und theoretisch alleine). Einen Modus für zwei Spieler gibt es nicht.

Stellt euch mal New York vor. Stellt euch die Freiheitsstatue, den Central Park und den Times Square vor. Denkt an das Empire State Building und die Brooklyn Bridge. Malt euch den allgegenwärtigen Lärm und die immerwährende Hektik aus.

Und nun stellt euch vor, was aus all dem würde, versuchte man es in einem familientauglichen Freizeitpark auf seine Essenz einzudampfen und ferienstimmungsförderlich zu stilisieren. Klein New York wäre nicht nur klein, sondern auch in drollige Themenparks unterteilt, voneinander getrennt durch bunte Absperrgitter - das einzig Echte in diesem Big Apple aus Pappmaché.

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The Legend of Zelda - Triforce Heroes: Ein Kittel flink für Drittel-Link

Denn die Freiheitsstatue wäre hier vermutlich mit blaugrünem Acryllack angestrichen und keine 500 Pfund schwer. Der Central Park? Ein Kinderspielplatz plus Bierzeltgarnitur für die Erwachsenen. Und von dem durch die Hochhausschluchten hallenden Verkehrslärm bliebe nur das Knattern überstrapazierter Dieselgeneratoren. Es wäre also alles noch da, aber so richtig ernstnehmen könnte man davon nichts mehr.

Hyrule als Freizeitpark?

Das Gleiche, das wir eben mit New York angestellt haben, hat der japanische Entwickler Grezzo Hyrule angetan - und es in Lumpenland umbenannt. Das klingt verwerflich, aber das ist es nicht unbedingt. Ein Themenpark kann unschlagbar unterhaltsam sein. Den Anspruch des Originals hat er aber nicht.

Wie Klein New York ist das Lumpenland eine lose aneinander gestückelte Flickschusterei. Grezzo schickt Link und zwei Doppelgänger in ein 128-teiliges Unterfangen voller Zelda-Archetypen vom Bombenrätsel bis zum versteckten Schlüssel für die Endgegnerklause – aber ganz ohne offene Welt.

Das Spiel verwendet die Gleiche Grafik-Engine wie A Link Between Worlds.Das Spiel verwendet die Gleiche Grafik-Engine wie A Link Between Worlds.

Ziel ist die Rettung von Prinzessin Rüschlinde. Das arme Ding steckt klagend in einem Fummel, der wie ein hautenger Neoprenanzug aussieht und aus dem sie sich partout nicht mehr befreien kann. "Hexenwerk!", skandieren die Einwohner von Textilia, dem lichten Gegenstück von Lumpenland. Und sie haben Recht. Tatsächlich steckt die böse Magierin Lady Maude hinter dem Klamottenfluch.

Neid ist aller Garderobenflüche Anfang

Denn sie konnte es einfach nicht mehr verknusen, dass ausgerechnet das Vorzeigefrauenzimmer Rüschlinde auch noch modisch allen Textilianern als Trendvorbild galt. Damit ist es nun vorbei. Die Hexe kichert grimmig in sich hinein und erfreut sich zusätzlich an dem kollektiven Mode-Unmut, der neuerdings in Textilia umgeht, ausgerechnet hier, in der internationalen Hochburg aller Nähnadelfetischisten und Garnanbeter. Denn es geht das Gerücht, dass der Fluch noch auf der Lauer liegt und jeden packt, der es wagt, sich modisch zu kleiden. Die psychologische geht also nahtlos über in eine handfeste Wirtschaftskrise. Die Nerven liegen blank.

König Lockfried ist über das beklagenswerte Schicksal seiner Tochter genauso bestürzt wie sie selbst.König Lockfried ist über das beklagenswerte Schicksal seiner Tochter genauso bestürzt wie sie selbst.

"Aber nun mal nicht gleich verzagen!" Graf Schnöselschick beschwichtigt seine Landsleute - und nicht ganz grundlos. Glaubt man der alten Überlieferung, erscheinen just dann drei Helden auf der Bildfläche, wenn Verzweiflung um sich greift. Na, und wenn das hier keine Verzweiflung ist! Der Graf rekrutiert deshalb unverdrossen Heldenanwärter. Aber erst Link entspricht endlich den Kriterien aus der Legende.

Ein Abenteuer (fast) ohne Rahmen

Der Graf ist entzückt und schickt euch sofort ins Lumpenland. Da dauert The Legend of Zelda - Tri Force Heroes gerade drei Minuten. Weitere fünf Minuten später befindet ihr euch bereits mitten im Kern des Spiels. Oberwelt Textilia strahlt die altbekannte Zelda-Atmosphäre mit ihren überspannten Leuten am Rande des Nervenzusammenbruchs aus, aber wenn Textilia wirklich eine hylianische Exklave ist, dann eine, die kleiner ist als Kakariko. Raum für angenehme Verzögerungen wie optionale Nebenaufgaben und Plausch mit den Dorfbewohnern bleibt da kaum.

In puncto Endgegnern beschreitet das Spiel ganz neue Wege. Und es gibt gleich 32 davon.In puncto Endgegnern beschreitet das Spiel ganz neue Wege. Und es gibt gleich 32 davon.

Das eigentliche Abenteuer fügt sich in einen hauchdünnen Rahmen und besteht aus 32 vierteiligen Leveln, die als in sich abgeschlossene Miniprüfungen aufeinander folgen. Auch wenn die euch einen Handlungsfortschritt andeuten wollen (auf die Moblin-Festung folgt zum Beispiel der Waldtempel, so als würden die Palisaden den Tempel beschützen), ist das nur Tarnung: Triforce Heroes ist ein Paket aus Levels, die im Schnitt vielleicht zehn Bildschirme groß und nach fünf Minuten wieder vorbei sind.

Nimmt Nintendo das Spiel ernst?

Sind die Rätsel schwer und die Gegner stark, dauert‘s womöglich länger. Das kann einen enttäuschen oder gar empören, wenn einem an Zelda die getragene Monumentalität am wichtigsten ist. Aber jeder hat andere Vorlieben. Ihr sollt nur wissen, dass Triforce Heroes komplett aus dem Rahmen fällt und hinsichtlich Anspruch und Aufbau fast alles anders macht als seine Vorgänger.

Vergangen sind die Tage, als die Prinzessin (wohlgemerkt nicht Zelda!) noch ein modisches Vorbild fürs Volk war.Vergangen sind die Tage, als die Prinzessin (wohlgemerkt nicht Zelda!) noch ein modisches Vorbild fürs Volk war.

Vergesst aber nicht, dass Nintendo Triforce Heroes erst im Juni auf der Spielemesse E3 aus dem Ärmel geschüttelt hat. Das Abenteuer galt zunächst gar als nicht kanonisch und als bloßer Ableger wie Hyrule Warriors oder BS The Legend of Zelda - Ancient Stone Tablets fürs SNES-Satellaview. Erst vor wenigen Tagen sind die Entwickler umgeschwenkt und haben Triforce Heroes als offiziell 18. Teil der Saga in die Zelda-Chronik einsortiert. Und dieser Teil - machen euch nichts vor – soll natürlich die Wartezeit auf das mehrfach verschobene Zelda für Wii U verkürzen.

Glänzende Zelda-Kost im engen Korsett

ES deutet übrigens noch nichts ernsthaft darauf hin, dass dieses Spiel erst für die Folgekonsole erscheint. Zelda-Spiele sind sonst immer wuchtig und behäbig - Triforce Heroes ist winkelig und pausentauglich. Blendet ihr das beengende Umfeld aus, jongliert das Spiel aber wirklich gelungen und vor allem anspruchsvoll mit den Zelda-Requisiten. Manche Passagen sind ungeheuer schwer. Und manche wirken so ausgefuchst, dass sie den Eindruck schnell gemachte Minispielsammlung deutlich abmildern.

Wenn die Rätsel und Kämpfe in einem ansprechenden Rahmen stecken würden und es einen vernünftigen Einzelspielermodus gäbe, wäre Triforce Heroes ein tolles Zelda-Spiel.Wenn die Rätsel und Kämpfe in einem ansprechenden Rahmen stecken würden und es einen vernünftigen Einzelspielermodus gäbe, wäre Triforce Heroes ein tolles Zelda-Spiel.

Aber das alles könnt ihr nur zu dritt erleben, im lokalen oder Online-Modus, mit Freunden oder Fremden. Denn Triforce Heroes ist ein Mehrspielerabenteuer. Ganz stimmt das nicht: Ihr könnt euch alleine nach Lumpenland wagen, aber da eure Mitstreiter dann nur leblose Puppen sind, ist das die reinste Tortur. Entweder tragt ihr die Möchtegern-Links von A nach B oder ihr lasst umständlich eure Seele von einem Heldengefäß zum anderen sausen, oft nur für ein paar Schritte.

Der treudoofe Puppenpacker

Es ist noch nicht mal möglich, eure Verbündeten zu rufen. Sie folgen euch buchstäblich keinen Meter. Das ist vielleicht die schlechteste Idee für ein Nintendo-Spiel seit den Rundkursen im Battle-Modus von Mario Kart 8, es ist aber auch nur eine schlechte Idee – mit vielen unschönen Konsequenzen. Ein Lehrer würde dazu Folgefehler sagen. Sowas drückt die Bewertung letztlich nur ein wenig. Außerdem geht es Triforce Heroes ganz klar um das Spiel zu dritt. Vergesst also einfach, dass es auch einen Einzelspielermodus gibt. Tun wir auch.

Na, solche kleidsamen Modewunder erwecken doch gleich wieder den Neid der bösen Hexe.Na, solche kleidsamen Modewunder erwecken doch gleich wieder den Neid der bösen Hexe.

Und mit drei Musketieren (der japanische Untertitel des Spiels lautet tatsächlich so) kommt Triforce Heroes auch wirklich einigermaßen in Fahrt. Einen Stimmchat gibt es zwar nicht, aber durch acht Kommandos, die ihr über den Touchscreen abruft, könnt ihr trotzdem miteinander kommunizieren - sofern ihr und eure Mitspieler nicht sowieso im selben Zimmer sitzt. So könnt ihr die anderen rufen, antreiben und euch entschuldigen.

Das Problem mit der Verständigung

Aber spätestens ab der Mitte des Spiels kommt dieses Verfahren an seine Grenzen, und ihr wünscht euch, wieder allein zu sein. Denn wie soll man mit acht simplen Ausrufen eine komplexe Idee veranschaulichen? Die Rätsel sind dann oft äußerst fordernd und vor allem nur als Team zu bewältigen. Viel Spaß dabei, einen Geistesblitz für ein vielstufiges Verschiebeproblem pantomimisch vorzutanzen! Triforce Heroes ist also nur bedingt geeignet für drei Leute, und alleine ist es eine enervierende Zumutung.

Auf dem unteren Bildschirm ist Platz für die sehr rudimentäre Verständigung mit euren Mitspielern.Auf dem unteren Bildschirm ist Platz für die sehr rudimentäre Verständigung mit euren Mitspielern.

Immerhin die textilianische Kleiderkammer reißt noch was raus. Der einstige Lebensinhalt der Textilianer ist immer noch das Tagesgeschäft von Madame Couture, der profiliertesten Kunstschneiderin am Ort und Links eingeschworene Geschäftspartnerin. Das Heldengewand gibt es umsonst. Am Ende jedes Levels erbeutet ihr ein mehr oder weniges Material, das die Madame für ein neues Heldenkostüm gebrauchen kann. Etwa 30 Anzüge könnt ihr freispielen. Mit den passenden Gegenständen entfachen sie eine Combo-Wirkung.

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Tags: Multiplayer  

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